„Games Convention“ in Leipzig
Millionenspiel

Das Internet spielt dabei eine wichtige Rolle. In Deutschland besuchten im 2. Quartal laut Nielsen/Netratings elf Millionen Onliner Spieleseiten. Das sind 31 Prozent aller Web-Nutzer und nur unwesentlich weniger als diejenigen, die Musikseiten (33,7 Prozent) besucht haben.

Wundersame Online-Welten wie das Fantasy-Rollenspiel „World of Warcraft“ von Vivendi Universal Games locken derweil weit über eine Million zahlende Abonnenten an. In ihrem eigenen Cyberspace leben sie als Troll, Mensch, Nachtelf, Gnom oder Orc in einem verschwiegenen Paralleluniversum mit eigenen Regeln und Gesetzen ein zweites Leben.

Dabei werden die Spieler immer erwachsener: Beim deutschen Marktführer für einfache Web-Spiele wie Skat, Solitaire und Pyramide, „Gameduell“, schauen zu über 50 Prozent Gamer im Alter von 35 Jahren aufwärts vorbei. Doch gute Grafik und mehr Rechenleistung sind nicht alles. Um Hollywood die Stirn bieten zu können, müssen die Spiele in der Qualität der erzählten Geschichten zulegen. Und da hapert es oft noch, sagt Brunhild Bushoff. Sie leitet im Bayerisches Filmzentrum in München die mit EU-Mitteln geförderten Initiativen „Sagas“ und „Sagasnet“. In Workshops wird hier die Kunst vermittelt, Geschichten in interaktive Drehbücher umzusetzen.

„Das ist noch ein großes Problem in Deutschland“, sagt sie. „Autoren wissen nicht, wie sie ihre Stoffe interaktiv erzählen sollen, und Spieleentwickler glauben, dass man ,das bisschen Handlung’ doch nebenher machen kann.“ Zu Sagas kommen heute Buchautoren, Drehbuchschreiber von Film und Fernsehen, Redakteure, Regisseure und Spieleproduzenten, die den Anschluss nicht verpassen wollen. Insgesamt gebe es noch zu wenig Erfahrung mit diesen Medien hier, sagt Bushoff. Deutschland spielt im Reigen der großen Produktionsländer keine Rolle. Aber das werde sich hoffentlich bald ändern.

„GTA San Andreas“, das in den Straßen von Los Angeles spielt, wird hier weiter an 16-Jährige verkauft, die zuständige freiwillige Selbstkontrolle USK hat keine erneute Prüfung durchgeführt. Ein Branchenmanager begrüßt das: Was den Jugendlichen selbst in der „heiß gemachten“ Version geboten werde, meint er belustigt, sei „nicht halb so wild wie das, was nach Mitternacht in den Werbeblöcken der Privatsender abläuft.“ Hillary Clinton ist da ganz anderer Ansicht. Oder sie kennt deutsche Privatsender noch nicht.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%