„Games Convention“ in Leipzig
Millionenspiel

Das fand US-Senatorin Hillary Clinton überhaupt nicht witzig. Durch eine Manipulation an der Software der PC-Version des millionenfach verkauften Videospiels „GTA San Andreas“ ließen sich für US-Verhältnisse recht deftige Sexszenen freischalten, obwohl das Spiel mit dem Rating „ab 17“ für Jugendliche freigegeben war.

DÜSSELDORF. Auf Drängen der früheren First Lady leitete die US-Handelsbehörde FTC eine Untersuchung ein, und das Spiel verlor den Status jugendfrei. Den Spieleverleger „Take 2“ kostete die Findigkeit eines niederländischen Spielefreaks, der per „Software-Hack“ das Schlüsselloch ins Schlafzimmer des Helden geöffnet hatte, einen zweistelligen Millionenbetrag und einen heftigen Quartalsverlust. Dazu drohen noch Schadensersatzklagen erzürnter Eltern.

Unterdessen berichten koreanische Medien von einem 28-Jährigen, der nach einer 50-stündigen Spielesitzung in einem Internetcafé tot zusammengebrochen sei. Herzversagen. Erst kurz zuvor habe er noch seine Arbeitsstelle gekündigt, um mehr Zeit zum Spielen zu haben.

Ein Branche kommt nicht aus den Schlagzeilen. Dabei gibt sich die Videospieleindustrie – die sich selber als digitales Entertainment bezeichnet – alle Mühe, ihr Schmuddelimage loszuwerden. Die Stadt Leipzig, wo ab heute bis zum 21. August die Messe „Games Convention“ stattfindet, spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sie soll das wichtigste europäische Schaufenster der schönen neuen Digitalwelt werden.

Und die soll für alle da sein. Im „Family-Bereich“ gibt es Wissenswertes und Lehrreiches, in Vorrunden für die Olympischen Spiele der Videogames, der „World Cyber Games“, können sich Jugendliche ihre Tickets für die mit 500 000 Dollar dotierten Finalkämpfe in Singapur erspielen. Lehrer könnten den Messebesuch als Fortbildung absetzen. Da stören Sexskandale und tote Online-Gamer gewaltig.

Über 100 000 Besucher kamen 2004 zur GC, wie die Messe kurz genannt wird. Und dieses Jahr werden es wohl wieder mehr werden. Denn die GC trifft den Nerv der Zeit. 2004 stieg der Umsatz mit Videospielen in Deutschland um 13,8 Prozent auf 641 Mill. Euro, für PC-Spiele wurden mit 475 Mill. Euro 15 Prozent mehr ausgegeben. Und während Kinobetreiber hohe Umsatzverluste beklagen, hoffen die digitalen Wohnzimmerunterhalter mit einer neuen Generation von Videospielkonsolen ihreWeltumsätze von rund 20 Mrd. Dollar in wenigen Jahren zu vervielfachen.

Mit Leistungsdaten, die jeden PC um Längen schlagen, sollen Xbox 360, Playstation 3 und Nintendo Revolution Spiele mit Grafiken in Kinoqualität ermöglichen und mehr Menschen in ihren Bann ziehen. Und sie sollen intelligente Zentralen der Wohnzimmerunterhaltung werden.

„Meine Frau kann keinen Computer mit Windows bedienen“, sagt Ken Kutaragi, der legendäre Vater der „Sony Playstation“. „Aber die PS 3 wird sie bedienen können.“ Die neue Konsole des Weltmarktführers soll ab 2006 Spielzeug, PC-Ersatz, Internetzugang und Settop-Box fürs HDTV-Heimkino werden. „Wir haben eine völlig neue Plattform entwickelt“, schwärmt Kutaragi, „wir werden die Standards setzen.“

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