Gamescom-Bericht
RTL kapituliert vor den Gamern

RTL hat mit einem zweifelhaften Beitrag das Netz gegen sich aufgebracht. Inzwischen hat sich der Sender entschuldigt. Dabei war nicht die Qualität des Beitrags ungewöhnlich für RTL, sondern das Ziel des Spotts.
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DüsseldorfDer als Bericht über die Computerspielemesse Gamescom in Köln angekündigte Beitrag der RTL-Sendung "Explosiv" war mächtig misslungen. Die Redakteure wollten offenbar die Gamer vorführen, bezeichneten sie als übelriechend, unterstellten ihnen Beziehungsstörungen und Realitätsverlust. Die zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) erklärte am Freitag, der umstrittene
Beitrag habe nicht gegen die Bestimmungen des Rundfunkstaatsvertrags verstoßen. Unabhängig von dieser rechtlichen Bewertung habe die NLM aber Verständnis für die Empörung, die der Beitrag ausgelöst hat. Die inzwischen erfolgte Entschuldigung durch RTL war ebenso richtig wie notwendig, erklärte die NLM.

Derartige Sendungen im Vorabendprogramm von RTL finden im Netz normalerweise keinen großen Widerhall. Der Gamescom-Bericht dürfte dagegen inzwischen der bekannteste Beitrag sein, den das Boulevard-Magazins jemals ausgestrahlt hat. Über Blogs und Foren verbreitete sich ein Mitschnitt der Sendung als Youtube-Video, trotz aller Bemühungen von RTL, den Beitrag wegen Verstoß gegen das Urheberrecht löschen zu lassen.

Gamer fluten Sender mit Beschwerden

Die Empörungsmaschinerie des Webs funktionierte auch in diesem Fall nach den inzwischen gut bekannten Mustern. Mehr als 1000 Beschwerden gingen bei RTL ein, das Facebook-Profil des verantwortlichen Redakteurs wurde mit Kommentaren geflutet. Dieser reagierte zunächst wenig geschickt, indem er weiter Öl ins Feuer goss. „Die Reaktionen der Daddler bestärken mich in der Vermutung, dass zuviel Computerspielen keinen förderlichen Effekt auf Sprachverständnis u.ä. hat“, ließ er die aufgebrachten Computerspieler wissen. Ein RTL-Sprecher erklärte auf Anfrage, der Sender distanziere sich von diesen Aussagen. Der Bemerkungen des Redakteurs seien rein privater Natur gewesen.

Satire und Hacker-Angriff

Inzwischen kämpfen Teile des Netzes mit harten Bandagen gegen den Sender. Am Donnerstag wurde der Community-Bereich von RTL gehackt - vermutlich von aufgebrachten Gamern. Mitglieder des Online-Kollektivs Anonymous veröffentlichten ein Youtube-Video, in dem sie zu einem Boykott von RTL aufrufen.

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Gamer schlagen zurück

Kommentare zu " Gamescom-Bericht: RTL kapituliert vor den Gamern"

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  • Witzig, wie die Mainstream-Medien alle den die angebliche Anonymous-Drohung für echt halten. Anonymous does not attack media.

  • So! Habe mir soeben mal den Beitrag von RTL angesehen.
    RTL war nie mein Lieblingssender!

    Jetzt schon!

  • "Ein bekennende rgepflegter und gut aussehender Gamer!"

    Also n Daddelbruder!

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