Gaming-Dienste
Massenentlassungen treffen die Branche hart

Während die Gamescom in Köln einen wahren Besucheransturm bewältigt, geht die Konsolidierung innerhalb der Branche weiter. Beim Cloud-Spieleanbieter Onlive gab es jetzt offenbar Massenkündigungen.
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San FranciscoWährend sich die Gamescom in Köln auf den Massenansturm der Gamer vorbereitet, geht die Konsolidierung innerhalb der Branche weiter. Der Cloud-Spieleanbieter Onlive aus Palo Alto hat am Freitagmorgen um zehn Uhr kalifornischer Zeit seine Mitarbeiter zusammengerufen und ihnen offenbar gesammelt die Kündigungen in die Hand gedrückt. Wie es weitergehen wird, ist unklar, auch über die Gründe wird spekuliert. Erst Wochen zuvor hatte Sony mit Gaikai den größten Konkurrenten von Online für 380 Millionen Dollar gekauft.

Zuerst gemeldet hatte die Nachricht Spieleentwickler Brian Fargo von inXile per Twitter. Er beruft sich dabei auf eine E-Mail eines Onlive-Mitarbeiters an ihn. Ein Unternehmenssprecher wollte die Gerüchte nicht kommentieren. „Ich kann nicht mehr dazu sagen, als dass der Dienst nicht abgeschaltet wird“, heißt es auf Anfrage lediglich. Die Nachricht schlug in der Gamingindustrie ein wie eine Bombe.

Onlive wurde 2003 von Steve Perlman gegründet und ging 2009 ans Netz. Der Dienst bietet die Möglichkeit, grafisch aufwändige Konsolenspiele zu spielen, ohne dass man sich eine der teuren Boxen wie Playstation 3 oder Xbox360 kaufen muss. Die Videospiele laufen auf schnellen Servern im Internet, die Spiele-Grafiken werden in Millisekunden zu Videobildern komprimiert, die dann zurück auf den Bildschirm des Spieler übertragen werden. Voraussetzung ist neben einem Spielekontroller lediglich ein genügend schneller und zuverlässiger Internetanschluss und ein Ausgabegerät, mit dem man mpeg-Videos ruckelfrei betrachten kann. Zugang zu den Spielen von namhaften Anbietern wie Electronic Arts gibt es als Flatrate oder Laufzeit-Abos, zum Beispiel für drei Tage.

Cloud-Spieledienste gelten als größte Gefahr für die Videokonsolenindustrie. Erst Wochen zuvor war der Onlive-Konkurrent Gaikai für 380 Millionen Dollar vom japanischen Elektronikriesen Sony übernommen worden. Man werde prüfen, hieß es in einer Mitteilung, wie man den Internet-Spieledienst in die Playstation-Sparte integrieren könne. Pikant dabei: Im Januar hatte der koreanische Konkurrent LG in Las Vegas auf der Elektronik-Show CES angekündigt, LCD-TV-Geräte mit integriertem Gaikai-Service auf den Markt zu bringen.

Im Juni hatte auf der E3 in Los Angeles Samsung, Weltmarktführer bei LCD-Fernsehern, Fernseher mit integriertem Gaikai-Service vorgestellt. Damit haben die koreanischen Unternehmen faktisch den Einstieg in den Videokonsolenmarkt und die direkte Kampfansage an Sony bekanntgegeben, ohne je eine einzige Konsole selbst bauen oder zu müssen.

Im August hatte Gaikai eine Partnerschaft mit Nvidia verkündet. Dabei werden die Rechner, die die aufwändige Kompression der Bilddaten bewältigen müssen, mit Grafik-Rechenprozessoren von Nvida ausgestattet. Diese Chip sind in der Lage bestimmte Rechenoperationen mit der vielfachen Geschwindigkeit einer normen „CPU“ wie Intel Core7 oder Xeon auszuführen.

David Perry, CEO und Mitgründer, versprach auf der Nvidia-Grafikcomputing-Konferenz in San Jose eine deutliche Geschwindigkeitssteigerung des Systems und eine drastische Kostenreduzierung zum derzeitigen Dienst. Die Ersparnisse könnten bis zu 50 Prozent ausmachen, so Perry. Damit könne man den Dienst deutlich wettbewerbsfähiger betrieben als mit der alten Technologie. Eine Technologie, auf der im Prinzip auch Onlive noch basiert.

Onlive hatte jüngst erst vielversprechende Kooperationen mit dem US-TV-Hersteller Vizio bekanntgegeben und will als Partner bei der geplanten Spielekonsole Ouya, die zuletzt durch große Finanzierungserfolge auf der Crowd-Funding-Plattform Kickstarter auf sich aufmerksam gemacht hat, dabei sein.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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