Gastkommentar
Die Kollateralschäden von Obamas Stuxnet

Der von Bush initiierte und von Obama durchgeführte Angriff auf Iran mittels Stuxnet war nur kurzfristig ein Erfolg. Langfristig hat er gefährliche Nebenwirkungen. Den größte Schaden könnte die US-Wirtschaft erleiden.
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BerlinStuxnets wahrer Name war also Operation "Olympic Games". Die Meldung bestätigt, was aufgrund von Indizien und Gerüchten lange gemutmaßt wurde. Der Angriff gegen die iranische Atomanlage kam aus Amerika. Erfunden wurde er vom Strategic Command, entwickelt vom Geheimdienst NSA (National Security Agency), von Bush initiiert und von Obama durchgeführt. Der strategische Hack sollte Zeit für Diplomatie schaffen und einen israelischen Militärschlag abwenden.

War die Operation ein Erfolg? Die unmittelbaren Ziele wurden erreicht. Für geringe Kosten im unteren Millionenbereich gab es einen messbaren Effekt. Zudem konnte man neue militärische Fähigkeiten und Konzepte testen, erhielt wertvolles Feedback. Aber das ist nur die enge, die operative Sicht. Aus größerer Perspektive stellen sich die Wirkungen von Stuxnet komplexer und problematischer dar. Zum Nachteil der USA.

Entscheidend ist, dass erst der Wurm selbst und jetzt der Urheber versehentlich bekannt geworden sind. Das ist ein ausschlaggebendes Detail. Wäre die gesamte Operation erfolgreich "covert" gewesen, wäre der strategische Gewinn direkt und sauber geblieben. So aber sind Kollateralschäden entstanden. Einmal unmittelbar operativ. Der Iran weiß, dass er systematisch angegriffen wird. Statt einer Deeskalation wird eine Eskalation ausgelöst. Der Raum für Verhandlungen ist kleiner geworden statt größer. Der Vorteil der gewonnenen Zeit wird sich hier relativieren. Schlimmer aber als die unmittelbaren Folgen in Iran sind die größeren strategischen Nebenwirkungen weltweit. Stuxnet stieß mitten in eine verstärkte theoretische Beschäftigung mit dem Thema Cyberkrieg.

Das Erscheinen des Angriffs war für die Community so etwas wie die Landung eines Ufos für Ufologen. Eine echte Sensation. Ein Blick in eine Welt, die im Geheimen lag und über die sonst nur spekuliert werden konnte. Das war eine wichtige Wende. Die Veröffentlichung des Wurms lieferte den Beweis: Diese Form der Kriegsführung existiert - schon jetzt und nicht erst in irgendeiner diffusen Zukunft. Das gibt den Diskussionen Gewicht, bringt sie in die Weltöffentlichkeit und in die Weltpolitik. Die Weltpolitik stellte schnell zwei Dinge fest. Einmal, dass die Verteidigung gegen solche Angriffe schwer ist. Und im Umkehrschluss, dass Offensivfähigkeiten außerordentlich interessant sind.

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Es droht eine Machtumkehr - technisierte Staaten sind gefährdet

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  • Die Entwicklung wird mutmasslich eine andere sein (und die Grundlagen sind mit z.B. mit IPv6 - beinahe unbegrenzte IP-Adressen - bereits gelegt):
    Es wird absehbar weltweit zu einer Art digitalem Vermummungsverbot kommen, jedes netzwerkfähige Gerät wird eindeutig zuzuordnen sein, und ohne persönliche Identifizierung gibt es keinen Netzzugang. Das Smartphone wird Geldbörse (Bargeld wird abgeschafft), Ausweis, Navi-System (Ortung!) und digitaler Alleskönner, aber auch allmächtiger Bewacher.
    Die Staaten werden sich im Zuge der deutlich sichtbaren Verwerfungen auf der Welt recht schnell auf Standards einigen. Spätestens, wenn richtige Wirtschaftskrisen oder ein digitales "Nine-eleven" dies nahelegen.
    Kurzum: Die sicherheitsorientierte, digitale Diktatur wird die Zukunft bestimmen. Die allermeisten Bürger werden sie hingegen nicht einmal als solche empfinden ...

    P.S. - offtopic: Die Code-Eingabe bei der Freischaltung ist eine Zumutung, das geht andernorts wirklich auch anders!!!

  • So schlau scheinen nun auch wieder nicht zu sein in USA.

    Aber ist das wirklich etwas Neues ?

    Ihren ganzen Vorsprung der vergangenen 65 Jahre habe sie in besiegten Ländern geholt.

  • Der Begriff Cyberkrieg legt den Staat als Handelnden nahe.

    Aber wer sollte sich um die Sicherheit der IT-Systeme kümmern?
    - Staaten mit einer Bürokratie
    - Manager in den Firmen
    Warum sollte man den handelnden Personen vertrauen?

    Es gibt keinen Cyberkrieg, wenn die Möglichkeiten dazu stetig
    beseitigt werden.

    Vermutlich ist ein dezentraler Ansatz dazu optimal.
    Analog zur Abmahnung sollte *jeder* einen möglichen Schadensfall
    demonstrieren können und dafür eine Belohnung bekommen.

    Heute werden werden solche Aktionen bestraft!

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