Gefährlicher Leichtsinn
Firmen unterschätzen Hacker

Die NSA-Affäre hat die Hackerattacken auf Großkonzerne inzwischen weitgehend aus den Schlagzeilen verdrängt. Dabei nimmt die Zahl der kriminellen Angriffe auf Unternehmen keineswegs ab – im Gegenteil.
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Bonn/TübingenDie Geschichte klingt nach einem Spionage-Film: Mit Hilfe von infizierten E-Mails und Webseiten wurden in Europa und den USA spätestens seit 2011 Energieunternehmen angegriffen und ausgespäht. Das Ziel war Software, mit deren Hilfe unter anderem Windturbinen oder Biogas-Anlagen gesteuert werden. Schäden wurden nicht bekannt.

Es hätte schlimmer ausgehen können. Denn Sabotage-Akte wären durchaus möglich gewesen, sagt Candid Wüest, Virenjäger beim weltgrößten Anbieter von Sicherheitssoftware Symantec. 20 Angriffe identifizierte Symantec allein in Deutschland. Dragonfly (Libelle) tauften die Virenjäger die dahinter stehenden Hacker, bei anderen Anbietern wurde die Gruppe „Energetic Bear“ genannt. Die Attacke trage Zeichen einer staatlich unterstützten Operation mit großen Ressourcen und hohen technischen Fähigkeiten.

Der Vorfall passt ins Bild: Die flächendeckende Internet-Überwachung durch US-Geheimdienste ist ein Jahr nach den ersten Enthüllungen immer noch ein Thema. „Die IT-Gefährdungslage für Unternehmen hat sich jedoch im Grundsatz nur wenig geändert“, sagt Isabel Münch, Referatsleiterin Allianz für Cyber-Sicherheit beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn.

Auch wenn in der öffentlichen Wahrnehmung die größere Bedrohung von Spionage-Attacken ausländischer Staaten ausgeht, sind es kriminelle Hacker, die den Sicherheitsexperten die meisten Sorgen machen. „Nach wie vor stellen Online-Kriminelle eine wesentliche Bedrohung für die Unternehmen da“, sagt Münch.

Prominentes und jüngstes Beispiel ist die EZB: Hacker nutzten eine Lücke auf einer Internetseite, um sich Zugang zu einer Datenbank mit 20.000 E-Mail-Adressen sowie Telefonnummern oder Post-Anschriften zu verschaffen.

Das größte Risiko gehe immer noch von gezielten Angriffen aus, sagt Münch. Dabei gehen die Hacker vor wie Einbrecher, die ihre Opfer erst ausspähen, Einfallstore suchen und sich dann Zugang verschaffen. Sie verschicken Mails mit auf den Empfänger zugeschnittenen Inhalten, diese sind mit Schadsoftware oder Trojanern gespickt. 

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  • Viele Geldautomaten laufen noch mit XP, ja. Da diese jedoch komplett vom Internet getrennt sind ist dies kein Problem. Zudem gibt es natürlich für Firmenkunden weiterhin Support für XP.

  • Was Vorstand und Firmeninhaber über die Sicherungsmöglichkeiten der heutigen IT-Infrastruktur wissen sollten:
    Zwar liegen Ihre "Kronjuwelen" (sprich: Blaupausen, Erfindungen,...) in einem "Safe", gehen Sie aber davon aus, dass der eine oder andere Spionagedienst "Zweitschlüssel" besitzt.
    Zwar sind Ihre Know-how-Träger verschwiegen, gehen Sie aber davon aus, dass der eine oder andere Spionagedienst mitliest, was er auf seinem PC so treibt.
    Zwar mögen Preisinformationen und Kalkulationen Ihrer Produkte und/oder Dienstleistungen geheim sein, gehen Sie aber davon aus, dass der Stempel geheim den einen oder anderen Spionagedienst geradezu anlockt, Ihr Geheimnis zu enttarnen.
    Wenn Sie sich von diesem Schock erholen wollen, empfehle ich Ihnen die NSA-Trilogy des Singer-Songwriter's Sigismund Ruestig:

    http://youtu.be/v1kEKFu6PkY
    http://youtu.be/pcc6MbYyoM4
    http://youtu.be/_a_hz2Uw34Y

    Viel Spaß beim Anhören.

  • In vielen kleinen und mittleren Firmen sowie öffentlichen Verwaltungen werden noch veraltete Programme und Betriebssysteme, oftmals noch Windows XP eingesetzt. Auch die Rechner an sich, also die Hardware, ist meistens veraltet. Sogar Bankautomaten laufen vielfach noch mit Windows XP.

    Dieses wird nicht mehr supportet, man bekommt also auch keine Sicherheitsupdates mehr. Da die Programme noch funktionieren, sehen viele es nicht ein, Geld für neue Programme und Betriebssysteme auszugeben. Schließlich wollen ja alle sparen und gute Technik sowie gute Programme kosten nun einmal ihr Geld.

    Mich persönlich wundert es nicht, dass es Hacker da leicht haben, sich Daten zu beschaffen, wenn viele Unternehmen veraltete Programme und veraltete Technik benutzen.

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