Gefahr der Wirtschaftsspionage
Sicherheitslücke Blackberry

Experten machen bei der beliebten E-Mail-Maschine Blackberry gravierende Sicherheitslücken aus. Sie fürchten den Zugriff durch Spione. Der Blackberry-Hersteller Research In Motion (RIM) weist dies jedoch zurück. Es gebe nur ein theoretisches, aber "kein tatsächliches Risiko", teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
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DÜSSELDORF. Manfred Jung, IT-Manager des Ingolstädter Autoherstellers Audi, kämpfte monatelang für einen verstärkten Einsatz der bei Führungskräften beliebten E-Mail-Maschine. Mehrere hundert Mitarbeiter sollten auf die Geräte des kanadischen Herstellers Research In Motion (RIM) umsteigen. Mit dem Blackberry, inzwischen bei vielen Topmanagern ein Kultprodukt, sollten künftig auch viel reisende Außendienstler ihre unterwegs eingehenden E-Mails sofort lesen und beantworten können.

Aber das Prestigeprojekt liegt nun vorläufig auf Eis. In detaillierten Sicherheitsanalysen kommt der Audi-Mutterkonzern Volkswagen zum Ergebnis, dass der Blackberry erhebliche Sicherheitslücken hat und nicht ohne Weiteres zum Einsatz kommen darf. Insbesondere das von RIM gewählte Verfahren, alle E-Mails über drei Rechenzentren in London, Kanada und Asien zu leiten, stößt bei VW in Wolfsburg auf große Bedenken.

Hinter dem Rücken von Volkswagen, so der Vorwurf, könne RIM jederzeit auf die internen Mail-Server zugreifen oder Dritten den Zutritt zu den ansonsten hermetisch abgeriegelten IT-Heiligtümern des Konzerns gewähren. Vertragliche Vereinbarungen verbieten zwar solche Aktionen. Nur: Deren Einhaltung lässt sich nur schwer prüfen. Das Risiko bleibt, dass Geheimdienste oder Wirtschaftsspione über den Blackberry vertrauliche E-Mails mit hochsensiblen Informationen abfangen.

Diese Spekulationen berücksichtigten nicht, dass Daten nicht in RIMs Infrastruktur gespeichert werden und dass RIM selbst nicht in der Lage sei, verschlüsselte Daten zu lesen, erwidert hingegen der Blackberry-Hersteller.

Volkswagen stößt damit insgesamt jedoch eine Diskussion an, die den Siegeszug der Blackberrys abrupt beenden kann. Wie kein anderes Unternehmen hat es RIM in den vergangenen zwei Jahren geschafft, den Geschmack der Manager zu treffen. 3,65 Millionen Führungskräfte nutzen bereits den mobilen E-Mail-Service, der alle auf dem PC eingehenden Briefe automatisch auf das von RIM entwickelte E-Mail-Handy weiterleitet. Jedes Quartal kommen weitere 600 000 bis 700 000 Kunden hinzu.

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