Gefahr durch Web und Handy
„Ein Hort sexuellen Missbrauchs“

Kinder werden im Internet und über das Handy häufig mit sexueller Gewalt und Pornografie konfrontiert. „Nirgendwo ist es leichter, Nacktfotos oder pornografische Videos zu verbreiten und über Sex zu sprechen“, sagte Psychologin Julia von Weiler zu Beginn einer Experten-Tagung am Donnerstag in Münster.

dpa MÜNSTER/KÖLN. Besonders in Internetchats komme es oft zu Belästigungen. Wie bedrohlich die Lage sei, zeige eine Befragung der Universität Köln unter 1 700 Schülern der fünften bis elften Klasse aus Nordrhein-Westfalen. Demnach wurden 38 Prozent der Schüler in Chats bereits gegen ihren Willen nach sexuellen Dingen gefragt - bei den Mädchen war es jede Zweite. Fast jeder zehnte Jugendliche bekam schon unaufgefordert Nacktfotos geschickt. Zudem wurden acht Prozent zu sexuellen Handlungen vor einer Webkamera aufgefordert. Es sei ein großes Netzwerk entstanden, dass pornografisches Material verbreite.

Auf Schulhöfen sei häufig zu beobachten, dass sich Jugendliche gegenseitig Sexvideos oder -bilder zuschickten. „Das ist aber erst die Spitze des Eisbergs“, sagte die Geschäftsführerin des Kölner Netzwerks „Innocence in Danger“ (Unschuld in Gefahr). Wie tief greifend die Veränderungen durch das Internet und das Handy seien, könne noch niemand absehen. Beispielsweise seien viele pornografische Begriffe in die Alltagssprache Jugendlicher integriert worden.

„Im Internet wird die Privatsphäre in einen anonymen Bereich verschoben“, sagte sie. Es komme zu einer Bloßstellung der Kinder, was Scham- und Schuldgefühle auslöse. „Viele reagieren mit Ekel und Abneigung“, sagte Weiler. Das könne zu Traumatisierungen im Hinblick auf das eigene Sexualleben führen. Nur wenige redeten über ihre Erlebnisse und suchten lieber im Internet nach Hilfe. Daher sei der Ausbau von Online-Beratungen wichtig. Zudem müssten Chats und Foren intensiver beaufsichtigt werden, momentan blieben noch viele Fälle von Missbrauch unentdeckt. Nötig ist nach Meinung Weilers eine bessere Zusammenarbeit von Politik, Strafverfolgungsbehörden, Internetanbietern und Kreditkartenunternehmen. Besonders in der Politik sei das Thema derzeit aber fast völlig verschwunden.

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