Gefahr für die Einführung der Internet-Telefonie
Notruf bei VoIP nicht garantiert

110 für die Polizei und 112 für Rettungsdienste – das sind die bundesweiten Notrufnummern in Deutschland. 911 ist die vergleichbare zentrale Notrufnummer in den USA. Sie sind von überall zu erreichen – außer bei der Internet-Telefonie. In den USA sollen deshalb die ersten VoIP-Installationen abgeschaltet werden.

hiz DÜSSELDORF. Ein Report von Berlecon Research beschäftigt sich mit Problemen beim Einsatz von Internet-Telefonie in Unternehmen. Dazu gehört zum Beispiel, dass die einheitlichen Notrufnummern nicht immer in gewohnter Weise erreichbar sind. Ein Manko, das der Einführung von Voice over IP (VoIP) im Weg stehen könnte.

Möglicherweise sehen sich einige Anbieter von Internet-Telefonie in den USA bald sogar gezwungen, einem Teil ihrer zahlenden Kunden den Dienst zu sperren. Der Grund: Mangelnde Notruffähigkeit der Internet-Telefonie in diesen Fällen. Nicht immer erreicht ein Notruf über die 911 tatsächlich die Notrufzentrale. Und selbst wenn die Zentrale erreicht wird, kann der Anrufer oft nicht lokalisiert werden. Beides ist allerdings bei traditioneller Telefonie kein Problem. Deshalb sah sich die US-Aufsichtsbehörde FCC (Federal Communications Commission) nach einer Reihe tragischer Zwischenfälle gezwungen, einzugreifen.

Sie verlangt von den VoIP-Anbietern, alle Kunden auf dieses Problem hinzuweisen und es innerhalb einer Frist zu lösen. Kunden, die diese Einschränkung nicht ausdrücklich bestätigen und akzeptieren, muss der Account vorläufig gesperrt werden. Der VoIP-Anbieter Vonage, mit rund 800 000 Kunden einer der größten in den USA, rechnet damit, dass bis zu 31 000 Zugänge von dieser Regelung betroffen sein werden.

Ähnlich drastische Maßnahmen wie in den USA sind in Deutschland eher unwahrscheinlich, denn nach Ansicht von Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur (ehemals RegTP) dürfen die Notrufanforderungen an VoIP nicht dessen Erfolg in Frage stellen. Es bleibt abzuwarten, was genau in der noch zu erarbeitenden Notrufverordnung der Regulierungsbehörde stehen wird.

Theoretisch müssen in Deutschland Anbieter von öffentlich zugänglichen Telefondiensten ihren Kunden zu jeder Zeit kostenlosen Zugang zur Notrufnummer 112 ermöglichen. Betreiber von Telefonnetzen wiederum sind verpflichtet, der Notrufleitstelle die notwendigen Daten für eine geografische Lokalisierung des Anrufers bereitzustellen.

Der Report zeigt, dass die Anbieter von Internet-Telefonie mit dem Problem unterschiedlich umgehen. Sipgate zum Beispiel bietet seit Juli die Möglichkeit zum Notruf – sowohl die Wahl der Notrufnummer als auch die Lokalisierung. Bei 1&1 wird die Leitstelle des Ortes informiert, in dem der Anwender mit seiner Kundenadresse gemeldet ist. Bei QSC funktionieren 110 und 112 überhaupt nicht. Deswegen empfiehlt der Anbieter seinen Kunden, den Festnetzanschluss nur dann komplett durch Internet-Telefonie zu ersetzen, wenn zusätzlich ein Mobiltelefon vorhanden ist. Diese kann sogar Vertragsfrei sein, denn die Mobilfunker leiten jeden Notruf mit Lokalisierung direkt weiter.

Die Experten empfehlen Unternehmen daher vorsichtig mit einer vollständigen Umstellung auf Internet-Telefonie zu sein. Der Anbieter sollte die Notrufnummern implementiert haben und für die geographische Lokalisierbarkeit sorgen. Denn die Handylösung funktioniert nur, wenn jeder zu jeder Zeit Zugriff auf das mobile Telefon hat.

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