Geistiges Eigentum
100 Urheber wettern gegen „Umsonstkultur“

Das Handelsblatt sorgte mit der Aktion „Mein Kopf gehört mir“ für Aufsehen, jetzt zieht „Die Zeit“ nach: In der aktuellen Ausgabe appellieren 100 Autoren und Künstler „gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“.
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BerlinMit einem Aufruf prominenter Autoren und Künstler zur Verteidigung des Urheberrechts ist die Debatte über den Umgang mit kreativen Werken im Internet in eine neue Runde gegangen. Der Appell „Wir sind die Urheber. Gegen den Diebstahl geistigen Eigentums“ wurde am Donnerstag im Internet und in der Wochenzeitung „Die Zeit“ veröffentlicht. Die 100 Erstunterzeichner wenden sich indirekt gegen Initiativen aus mehreren Parteien, das Urheberrecht an die veränderten Bedingungen im Netz anzupassen.

Die Erklärung bezeichnet das Urheberrecht als „historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit“ und als „materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen“. Sie richtet sich gegen das Argument, dass es einen Interessengegensatz zwischen den eigentlichen Urhebern kreativer Werke und den sogenannten Verwertern gibt, also etwa Verlage, Plattenfirmen und Verwertungsgesellschaften wie die Gema. Einige Netzaktivisten haben erklärt, dass sich die Urheber im Internet direkt an ihr Publikum wenden und an den Verwertern vorbei Geld verdienen könnten.

Zu den Erstunterzeichnern gehören die Schriftsteller Daniel Kehlmann, Charlotte Roche, Julia Franck, Uwe Tellkamp, Martin Walser und Günter Wallraff sowie Künstler wie der Schauspieler Mario Adorf. Auch der Musiker und Schriftsteller Sven Regener unterschrieb - er hatte die Debatte im März mit einer heftigen Polemik in Fahrt gebracht. Danach wandten sich 51 Drehbuch-Autoren der Krimi-Reihe „Tatort“ an die „liebe Netzgemeinde“ und warfen dieser vor, die „Umsonstkultur“ im Internet in den Rang eines Grundrechts erheben zu wollen. Die Kritik richtete sich insbesondere auch gegen die Piratenpartei, die bei den letzten Wahlen wiederholt erfolgreich war.

Im April hatte das Handelsblatt mit der Aktion „Mein Kopf gehört mir“ in der Debatte vorgelegt: Online erschienen 160 Statements zum Urheberrecht, von Vertretern aus Kunst, Medien, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Der Urheberrechtsexperte bei den Berliner Piraten, Christopher Lauer, erklärte zu der neuen Künstler-Initiative auf Twitter: „Egal wie viel Unverständnis man für die Aktion in der Zeit hat: Wir müssen das ernst nehmen. Es bedarf einer Handreichung.“ Jan Engelmann vom Wikimedia-Verein schrieb ebenfalls auf Twitter: „Verwerter denken Urheberrecht als Verbotsrecht, wir suchen Anreize für kreatives Schaffen, rege Nutzung und Beteiligung.“ Im Blog „netzpolitik.org“ schrieb Leonhard Dobusch, der Aufruf in der „Zeit“ versuche, „eine Einheitsfront zwischen Urhebern und Verwertern zu suggerieren“, beweise aber nur, „dass ebendiese Front am Bröckeln ist“.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Geistiges Eigentum: 100 Urheber wettern gegen „Umsonstkultur“"

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  • An RabertVonDarenhorst:
    Die GEZ ist für Fernsehen zuständig, und hat nix mit Urheberrecht zu tun. Das ist die Gema und bei aller Liebe zu günstigen Angeboten, wie soll denn da gezählt werden ?
    Es geht ja nichtnur um den Künstler / Autoren, auch der Verlag (Musik oder Buch), der Produzent etc. soll Geld bekommen.

    Wenn es ums geistige Eigentum geht, geht es hier aber auch um Patente von Firmen - hier könnte man dann auch beliebig kopieren und der wenige, der neues erfindet ist der Dumme. andere machen Geld mit seinen Ideen und er kriegt nix.

    Wenn Menschen "produktiv" arbeiten möchten Sie doch auch Geld oder ? - Wieso sollen geistig schaffende oder andere Kreative ihr Können herschenken ?

  • Ich will gar nicht erst lesen was für geistige Ergüsse die Urheber zum Thema "Mein Kopf gehört mir" zu sagen haben. Die können ihr "geistiges Eigentum" für sich behalten - ich will es gar nicht. Ich will aber auch nicht, dass die meinen Kommentar dazu lesen, denn DAS ist MEIN geistiges Eigentum!!! Ich müsste die dann wegen Urheberrechtsverletzung anzeigen!!!

  • "Warum nicht z.B. Klicks auf Internetbeiträge zählen und vergüten?"

    Die deutschen Rechteverwerter haben hohe Forderungen. Youtube ist es bis heute nicht gelungen mit der Gema einen neuen Vergütungsvertrag auszuhandeln. Was in anderen entwickelten Staaten funktioniert, scheitert bei uns an überhohen Ansprüchen der Rechteverwerter. Zwar murren teils sogar die Verlage (Sony), aber wenn dann wieder Künstler auftreten, und undifferenzierte "Wir wollen alles mit egal welchen Mitteln"-Forderungen stellen, wirft das den Diskurs wieder auf null zurück.

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