Geodaten
Erzählexperiment per GPS

Deutschlandradio und Deutsches Theater erkunden interaktive Erzählungen. Bei dem Projekt Radioortung lotst ein Handy den Hörer über den Berliner Alexanderplatz. Noch hat das Geo-Hörspiel aber seine Tücken.
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HAMBURG. "Hinsetzen und zuhören!" So ungefähr lautet die Handlungsanweisung traditioneller Medien: der Nutzer als Couchpotatoe. Eine Tradition, mit der Internet und Computerspiel nun langsam brechen. Seitdem es smarte Telefone gibt, lassen sich auch andere Medienformate in Bewegung umsetzen. Der Sender Deutschlandradio Kultur beispielsweise hat gemeinsam mit dem Deutschen Theater in Berlin ein Projekt namens Radioortung gestartet, das den Hörer laufen lässt.

Dabei will der Sender nach eigenen Angaben erkunden, wie die neue Generation "leistungsfähiger Mobiltelefone mit schnellem Internetzugang und Lokalisierungsfunktion (GPS)" in den Alltag der Hörer eingreife. Im Rahmen von Radioortung hat die Hörspielabteilung daher mehrere Künstlergruppen aus der Hörspiel- und Theaterszene eingeladen und lässt sie mit lokalisierten Hörideen experimentieren.

Der erste Versuch, Verwisch die Spuren von der Gruppe Ligna, startete vergangene Woche. Die Zuhörer mussten sich dafür anfangs eigens präparierte Smartphones am Deutschen Theater ausleihen. Inzwischen ist das jedoch nicht mehr notwendig. Jeder kann mithören, der ein Mobiltelefon mit Android-Betriebssystem besitzt. Die notwendige App namens Radioortung ist kostenlos. Wer beides hat, kann zum Alex fahren, um den Selbstversuch zu starten.

Bei Verwisch die Spuren von Ligna ist die Bewegung des Publikums notwendiges Kriterium: Erst wer vom Alexanderplatz zum Schlossplatz flaniert, aktiviert je nach Aufenthaltsort verschiedene Tonspuren, die wahlweise Historisches oder Fiktives in die Ohren flüstern. Es ist keine zusammenhängende Geschichte, die man dabei zu hören bekommt, eher ein akustisches Herumtasten im Raum. Oft sind die Schnipsel verbunden mit Handlungsanweisungen wie: "Gucken Sie nach links!", "Halten Sie inne!", "Folgen Sie einem Passanten!".

An insgesamt 32 Orten zwischen Fernsehturm und Schlossplatz lässt sich die App aktivieren. Leider nicht immer. Zumindest bei den Ausleihgeräten stellte sich die Ungenauigkeit der Ortungsfunktion als Hindernis heraus. Was beim Geocachen, der digitalen Schatzsuche nach Geokoordinaten, den Suchspaß erhöhen mag, führt hier zu Verwirrung und der Frage, welcher Gullideckel nun gemeint sein könnte. Immerhin vertut sich die Ortung schon mal um bis zu 400 Meter. Eine Gruppe älterer Damen hat das Problem, dass jede auf ihrem Gerät etwas anderes vorgespielt bekommt, obwohl sie am gleichen Ort stehen.

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