Gerald Böse
„Wir wollen den Bereich Digital Entertainment ausbauen“

"Nicht zuletzt dank der Investitionen in neue Hallen hat Köln wieder gute Karten im Geschäft", sagt Gerald Böse. Der Chef der Köln Messe spricht im Interview über die Konkurrenz aus Berlin, über Auslandsgeschäfte und strategische Standortvorteile am Rhein.

Handelsblatt: Als Veranstalter der Hausgeräte-Messe Domotechnica und der Photokina sind sie sozusagen Opfer des neuen Konzepts der Funkausstellung (Ifa). Wer kommt eigentlich noch zur Domotechnica?

Gerald Böse: Ob das Konzept der IFA aufgeht, die gesamte Bandbreite der Unterhaltungselektronik bis hin zu weißer Ware und Photoprodukten unter einem Dach abzubilden, muss sich erst einmal zeigen. Ich bin da eher skeptisch, ob die weiße Ware im Berliner Gemischtwarenangebot eine Heimat findet. Der Trend geht seit Jahren eher Richtung Spezialisierung. Allerdings fühlten sich offenbar einige Aussteller von dem jährlichen Rhythmus der Ifa und dem viel gepriesenen Hauptstadtumfeld angesprochen. Das hat natürlich Einfluss auf die Domotechnica. In Köln wollen wir die Domotechnica aber weiter als reine Fachmesse alle zwei Jahre veranstalten.

Und was ist mit der Photokina?

Bislang hat die Ifa keinerlei Auswirkungen auf die Photokina. Sie ist weltweit die "Imaging-Messe" Nummer eins. Unter den 1 500 Aussteller finden sich alle Marktführer. Das wird insbesondere vom Foto-Fachhandel, dem wichtigsten Umsatzbringer der Branche, sehr geschätzt. Wir glauben, dass die Messe ein Beispiel für gelungene Branchenorientierung und Fokussierung ist. Sobald es aber Anzeichen für Veränderungswünsche auf Seiten der Branche gibt, werden wir reagieren.

Andererseits stößt Köln mit der Computerspielemesse Games Convention in die Unterhaltunsgelektronik vor. Was ist das Ziel?

Die großen Hersteller der Branche wollten nach den erfolgreichen Aufbaujahren in Leipzig den Wechsel hin zu einem großen internationalen und gut erreichbaren Messeplatz. Viele große Messegesellschaften hatten sich um die Veranstaltung bemüht. Den Ausschlag für Köln gab auch, dass viele Unternehmen der Branche sich in der Domstadt angesiedelt haben, wie Electronic Arts (EA), Microsoft, Turtle Entertainment, Giga-TV und RTL mit der eigenen Sparte RTL Games. Die Messe ist dann ab September 2009 der jährliche Kommunikations-Höhepunkt der Branche.

Wie sieht das Konzept für die Kölner Games Com denn aus?

Damit werden wir erst nach der diesjährigen Games Convention in Leipzig an den Markt gehen. Nur so viel: Köln als Medien- und Eventstadt mit riesigem Einzugsgebiet wird der Messe neue inhaltliche und kommunikative Impulse geben. Zu diesem Zweck arbeiten wir Hand in Hand mit dem Land NRW, allen relevanten Institutionen der Stadt und Region sowie potentiellen Sponsoren zusammen. Unterstützung versprechen wir uns auch von Medienpartnerschaften. So ist künftig RTL direkter Nachbar der Köln Messe. Auch eine Verbindung zur sehr lebendigen Musikbranche ist geplant.

Soll die Games Com Kern eines neuen Messe-Geschäfts werden?

Ja. Wir haben hier in Köln schon einiges zu bieten, sowohl Kongresse wie das Medienforum NRW als auch Messen wie die DMS für Digital Management Solutions und ab 2009 neu die Online Marketing Messe dmex. Der Bereich IT, Medien und Digital Entertainment ist ein ausbaufähiges Segment. Dies gilt in gleichem Maße für den Bereich Einrichten rund um die Möbelmesse imm und den Bereich Ernährung rund um die Anuga.

Die Zahl der Veranstaltungen ist begrenzt. Der Kuchen ist verteilt. Um zu wachsen, müssen sie Messen den Konkurrenten abjagen...

Es herrscht weltweit ein knallharter Wettbewerb. Die im Vergleich zum Ausland relativ moderaten Quadratmeter-Preise sind zwar ein Standortvorteil, zwingen aber die führenden Messegesellschaften dazu, große Veranstaltungen an Land zu ziehen, um Geld verdienen zu können. Nicht zuletzt dank der Investitionen in neue Hallen hat Köln wieder gute Karten im Geschäft. Ohne das neue Gelände wären wir wohl längst aus dem Rennen.

Sie weisen wegen der Hallen-Miete von knapp 27 Mill. Euro im Jahr Verluste aus. 2012 wollen sie wieder Gewinn erzielen. Wie wollen sie das erreichen?

Zwar haben wir einen signifikanten Anteil an den Mieten bereits selbst erwirtschaftet. 2007 wurde ein Verlust von 11,8 Mill. Euro ausgewiesen bei einem Umsatz von über 200 Mill. Euro. Wir müssen aber auch die Effizienz steigern und die ein oder andere Veranstaltung auf den Prüfstand stellen. Wachstum durch strategische Beteiligungen oder Übernahmen und der Ausbau des Auslandsgeschäfts ist geplant, in dem Köln erst 2002 sozusagen als Spätstarter angetreten ist. Hier sind wir noch in der Aufbauphase. Außerdem wollen wir mehr Gastveranstaltungen nach Köln holen. Dabei gilt: Wir wollen die Kunden nicht einseitig mit der Finanzierung der Infrastruktur belasten.

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