Gespräch mit Konzern-Stratege Martin Taylor
Microsoft sieht Open Source nicht als Konkurrenz an

Der weltgrößte Softwarekonzern Microsoft hat in der bislang scharf geführten Auseinandersetzung mit freien Softwareprojekten wie Linux moderatere Töne angeschlagen.

dpa MüNCHEN. „Wir konkurrieren nicht mit Open Source“, sagte Microsoft-Stratege Martin Taylor am Montag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur in München. Open Source sei nur eine Methode, Software zu schreiben. „Wir stehen ja auch nicht mit dem Wetter im Wettbewerb“, sagte Taylor. Microsoft konkurriere mit konkreten Produkten wie dem Betriebssystem Linux oder dem Web-Server Apache und den damit verbundenen kommerziellen Dienstleistungen. In 2001 hatte Microsoft- Chef Steve Ballmer Open Source noch als „Krebsgeschwür“ bezeichnet, das „in Bezug auf geistiges Eigentum alles befällt, was es berührt“.

Unter Open Source versteht man Computer-Programme, deren Quelltext („Code“) frei eingesehen und unter bestimmten Bedingungen auch verändert werden kann. Open-Source-Programme dürfen beliebig kopiert, verbreitet und genutzt werden. Microsoft dagegen arbeitet mit einem kommerziellen Software-Modell, bei dem der Quellcode der Programme Eigentum des Softwarekonzerns bleibt. Kunden und Partner können nur in engen Grenzen Einblick in den Programm-Code erhalten („Shared Source“).

Taylor, der als „General Manager Plattform Strategy“ in der Microsoft-Führung für den Wettbewerb mit anderen System-Plattformen zuständig ist, räumte in dem dpa-Gespräch ein, auch sein Unternehmen habe vor drei, vier Jahren eine sehr emotionale Debatte um Open Source geführt. Mit der Übernahme der deutschen Linux-Firma Suse durch den US-Softwarekonzern Novell sowie den finanziellen Erfolgen des Linux-Anbieters Red Hat habe sich diese Diskussion aber immer weiter versachlicht. „Die Kunden schauen heute stärker auf die Gesamtkosten einer Softwarelösung. Und wir sind davon überzeugt, dass Microsoft hier unterm Strich besser abschneidet.“

Alfons Stärk, Plattform-Manager bei Microsoft Deutschland, betonte, Linux und andere Open-Source-Programme würden heute nicht mehr als die Wunderwaffe angesehen, mit der man alle Probleme in der Informationstechnologie lösen könne. Microsoft gewinne inzwischen Kunden zurück, die einige Jahre lang mit Open-Source-Lösungen gearbeitet hätten, etwa das Landratsamt im Kreis Bergstraße.

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