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Goldene Eier vom Pinguin - Linux wird erwachsen

Das Computerbetriebssystem Linux hat sich in den letzten Jahren nahezu unbemerkt am Markt durchgesetzt. Oft merken die Verbraucher gar nicht, dass sie in ihrem Alltag die Software mit dem Pinguin als Markenzeichen benutzen.

dpa FRANKFURT. Das Computerbetriebssystem Linux hat sich in den letzten Jahren nahezu unbemerkt am Markt durchgesetzt. Oft merken die Verbraucher gar nicht, dass sie in ihrem Alltag die Software mit dem Pinguin als Markenzeichen benutzen. „Wer heute Google oder Amazon verwendet - und wer tut das nicht - greift massiv auf Linux- Technologie zurück, auch wenn er oder sie das unter dem Microsoft- Betriebssystem Windows tut“, sagte der Linux-IT-Architekt von IBM, Tom Schwaller, am Dienstag auf der Fachmesse Linuxworld.

Auf dieser Messe, die noch bis zum 28. Oktober auf dem Frankfurter Messegelände stattfindet, bestimmen nicht mehr begeisterte Hobbyprogrammierer in Pinguin-T-Shirts das Bild, sondern gut geschnittene Business-Anzüge. Unter den rund 150 Ausstellern befinden sich die Großen der Branche wie etwa Hewlett-Packard, IBM, SAP und Sun Microsystems. Sie haben den Pinguin für sich entdeckt und hoffen, dass er goldene Eier legt. Ein wesentlicher Grund der Popularität: Der Einsatz der so genannten Open Source Software (OSS), deren Quellcode jedermann frei zugänglich ist, ist billiger als Markensoftware. Die Logik der IT-Konzerne: Wer weniger Geld für Software ausgibt, hat mehr für ihre Hardware und IT-Dienstleistungen übrig.

Dass Linux billiger sein kann, hat sich auch bei den kaufmännisch Verantwortlichen in der deutschen Unternehmenslandschaft herumgesprochen. Immerhin 42 Prozent hielten die Kosten für den Einsatz von OSS im Vergleich zu proprietärer Software für „etwas niedriger“ oder „deutlich niedriger“, sagte Analyst Wafa Moussavi- Amin vom Marktforschungsinstitut IDC in einer der Eröffnungsansprachen. Der Marktforscher geht davon aus, dass Linux seinen Marktanteil als Betriebssystem für Server in Europa in den kommenden vier Jahren von derzeit neun auf 16 Prozent steigern kann.

OSS-Anwendungen wie die Datenbank Mysql werden inzwischen von zahlreichen Unternehmen eingesetzt. Wer sich beim Surfen im Internet keine für den Internet Explorer von Microsoft geschriebenen Viren und Trojaner einfangen will, verwendet den Browser Firefox von Mozilla.

Eines der Schwerpunktthemen der Messe ist der Einsatz von Linux im öffentlichen Sektor. Die öffentliche Verwaltung gilt seit dem Umstieg der Städte Schwäbisch Hall und München als „Wachstumsmotor im Bereich Opensource“. Der Computerhersteller Hewlett-Packard stellte gemeinsam mit dem Softwareexperten Novell die Initiative „Linux Kommunale“ vor. In deren Rahmen will HP bei der Umrüstung von Kommunalverwaltungen auf Linux die Hardware liefern, Novell das Betriebssystem und den Suse Linux Desktop.

Neben der öffentlichen Verwaltung haben die Linux-Strategen der großen Hersteller den Mittelstand im Visier. Analystin Mika Yamamoto Krammer von der Gartner Group erwartet allerdings nicht, dass Linux Microsoft aus diesem Markt verdrängen kann. „Auch wenn viele Anbieter inklusive IBM und Novell stark in Linux-basierte Alternativen zu Microsofts Windows investieren, steht die konservative Firmenkultur der meisten mittelständischen Unternehmen einer Annahme auf breiter Ebene in diesem Markt entgegen“, so die Analystin. Wahrscheinlicher sei eine Koexistenz.

Neu auf der Messe: ein Linux Smartphone von der chinesischen Firma e28. Auch hier merkt der Verbraucher nicht, dass sich Linux im Gerät versteckt. Es ist als „embedded Linux“ vorinstalliert. „Handyhersteller gab es schon genug. Deshalb machen wir Smartphones“, sagte e28-Technikchef Nathan Wang. Für 650 Dollar ist das vorgestellte Gerät in Hongkong schon zu haben. Ob in Auto- Navigationssysteme oder den Spielekonsolen der nächsten Generation - IBM-Mann Schwaller sieht Linux schwer im Kommen.

Bis sich Linux auf dem Desktop der privaten Endverbraucher festetzen kann, wird es aber wohl noch eine Weile dauern. Zwar machen Software-Entwickler wie Novell auf der Linuxworld auch dafür Angebote. IDC-Marktforscher Moussavi-Amin geht jedoch nicht davon aus, dass sie in den nächsten fünf Jahren nennswerte Marktanteile erreichen werden.

Der uneingeschränkte Marktführer auf dem Desktop geht dagegen auf der Linuxworld zum Angriff über. Microsoft stellt mit dem Landratsamt Heidenheim eine Behörde vor, die sich aus Kostengründen für Windows entschieden hat. Von Berührungsängsten keine Spur. „Der Microsoft- Stand wirkt größer als der auf der Systems“, sagte der Sprecher des Messeveranstalters, Dirk Beiersdorff.

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