Google Books
„Wir brauchen ein Google-Gesetz“

Die Berliner Netzforscherin Jeanette Hofmann sieht das Buchdigitalisierungsprojekt von Google durchaus positiv. Doch die Wissenschaftlerin fürchtet ein Monopol und plädiert für strenge Regeln, die das verhindern sollen.
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Welche Konsequenz hätte es gehabt, wenn sich Verleger und Google nicht geeinigt hätten?

Die US-Regierung hatte ja im Vorfeld zum Ausdruck gebracht, dass sie Bedenken gegen die privat ausgehandelte Vereinbarung zwischen Google, Autoren und Verlagen hat. Aber sie hat das Projekt als solches nie in Gänze kritisiert. Ohne eine Einigung der beteiligten Parteien wäre Google Books aber womöglich auf den ursprünglichen Streitpunkt zurückgeführt worden. Zur Erinnerung: Der Rechtskonflikt drehte sich ja um die Frage, ob Googles Suchmaschinenservice auf gedruckte Bücher ausgedehnt werden darf oder ob es sich hierbei um eine Verletzung des Urheberrechts handelt.

Sind denn die nun vereinbarten Zahlungen angemessen, die Google zu leisten versprochen hat

Die finanzielle Seite von Google Books ist extrem kompliziert, weil die Vereinbarung viele verschiedene Formen von Zahlungen enthält. Es gibt für vergriffene Werke Zahlungen an Rechteinhaber – das sind häufig Verlage und weit weniger häufig die Autoren. Außerdem beteiligt Google die Rechteinhaber an den Erlösen, die sich aus dem Verkauf der Zugangsrechte ergeben. Für wissenschaftliche Autoren, die in akademischen Verlagen veröffentlichen, und dort in den meisten Fällen keine Honorare erhalten, sondern im Gegenteil sogar Druckkostenzuschüsse zahlen müssen, ist das ein großer Vorteil. Und ihre vergriffenen Werke werden wieder zugänglich – und das in digitaler Form und damit auf breiterer Ebene als je zuvor.

Während Wissenschaftsverlage zurzeit mehr als 20 Dollar für den Download einzelner Artikel verlangen, sind die Zugangsmöglichkeiten zu Publikationen über Google Books vergleichsweise günstiger. Anders sieht es aus bei Autoren, die von ihren Werken leben. Allerdings dürfte es auch sie froh stimmen, wenn vergriffene Werke wieder zugänglich gemacht werden.

Können sich deutsche Verleger und Autoren freuen, dass sie von der aktuellen Vereinbarung ausgenommen sind?

Ja und nein. Ja, als es demokratische Prinzipien verlangen, dass diejenigen, die von einer Entscheidung betroffen sind, zuvor gehört und am Entscheidungsprozess beteiligt werden. Das war bei Google Books offensichtlich nicht der Fall. Nein, weil Autoren zur Kenntnis genommen und gelesen werden wollen. Google Books eröffnet als erste digitale Bibliothek die Möglichkeit, vergriffene Werke in großem Stil wieder zugänglich zu machen. Es wäre schön, wenn dies in Zukunft nicht nur anglo-amerikanische Texte betrifft.

Verfolgen Autoren, Leser und Verleger bei der Buchdigitalisierung eigentlich die gleichen Interessen?

Partiell. Alle beteiligten Akteure haben ein Interesse daran, dass die Zugangshürden niedrig sind, damit das Wissen möglichst breit zirkuliert. Ansonsten laufen die Interessen aber auseinander. Im Falle vergriffener Werke ist anzunehmen, dass Autoren wie auch Leser ein großes Interesse daran haben, dass Texte wieder zugänglich gemacht werden. Verlage spitzen hier zunächst die Bleistifte und rechnen erst einmal.

Noch mal anders verhalten sich die Dinge im Hinblick auf sogenannte verwaiste Werke, die unter Urheberrechtsschutz stehen, bei denen die Rechteinhaber aber unbekannt sind. Hier ist es im Interesse der Leser, eine Regelung zu finden, die die Digitalisierung dieser Werke erlaubt. Autoren und Verlage fürchten indes, dass ihre urheberrechtlich verbrieften Rechte missachtet oder unterlaufen werden könnten.

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