Google-Earth
„Das ist wie Rasenmähen“

Google-Earth-Erfinder und -Entwickler John Hanke äußerte sich gegenüber der Wirtschaftswoche über Livebilder aus dem All, die schwierige Entwicklung der Software und spektakuläre neue Ansichten der Hansestadt Hamburg. Hanke, 40, gründete 2001 die Software-Firma Keyhole, die jene Software entwickelte, auf der Google Earth und Google Maps basieren.
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Wirtschaftswoche: Mr. Hanke, sind Sie schon mit Google Earth zu Ihrem Haus „geflogen“?

John Hanke: Schon sehr oft. Wir haben hier in den USA eine sehr gute Abdeckung mit Luftbildern. Mein Geburtsort Cross Plains in Texas ist nur ein kleines Städtchen, aber sehr gut erfasst. (Klappt seinen Laptop auf und startet Google Earth.) Hier ist das Wohnhaus meiner Eltern. Und hier das Haus von Robert Howard. Er hat hier in den Dreißigerjahren „Conan der Barbar“ geschrieben. Leider gibt es nur wenige Fotografien von Cross Plains auf Google Earth. Beim letzten Besuch habe ich deshalb meine Kamera mitgenommen, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten fotografiert und dann auf Google Earth hochgeladen.

Verstehen Sie, dass Leute besorgt sind, wenn jedermann Fotos von ihren Häusern im Internet betrachten kann?

Ja. Man sollte aber Nutzen und potenzielle Gefahren gegeneinander abwägen. Der Nutzen von Google Earth überwiegt meines Erachtens eindeutig. Nehmen wir zum Beispiel Hilfsorganisationen, die mit Google Earth ihre Missionen planen wie bei dem großen Erdbeben in Pakistan. Es wird derzeit sehr kontrovers über die neue Funktion „Street View“ in unserem Landkartenservice diskutiert, mit der man ganze Straßenzüge aus der Perspektive eines Fußgängers anschauen kann. Zu sehen sind dort allerdings Fotos, die jeder machen könnte. Wir zeigen auch nur öffentlich zugängliche Straßen.

Die Luftaufnahmen in Google Earth sind meist mehrere Monate alt. Werden wir eines Tages auch Livebilder sehen?

Technisch ist das durchaus möglich. Ich kann mir vorstellen, dass es abgegrenzte Gebiete mit Livebildern geben wird, so wie wir sie heute von Webcams kennen. Ganze Städte oder gar Länder in Echtzeit sehe ich aber auf absehbare Zeit nicht. Das ist eine riesige technologische Herausforderung. Heute fügen wir die Bilder, die von Satelliten oder aus Flugzeugen gemacht wurden, in mehreren Arbeitsgängen zu einer Übersicht zusammen. Dieser Prozess dauert stets einige Wochen. Denn es gibt noch keine Kamera, deren Sensor in der Lage wäre, ein ganzes Stadtgebiet mit einer einzigen Aufnahme mit der Detailtreue zu erfassen, die wir brauchen.

Aber es wird einfacher?

Die Sensoren werden besser, die Kameras leistungsfähiger. Auf der anderen Seite stehen die Kosten für den Transport der Kamera ins All oder die Treibstoffkosten der Flugzeuge. Und die sinken nur langsam.

Wie oft erneuern Sie die Luftaufnahmen, die wir auf Google Earth sehen?

Im Schnitt alle paar Jahre. In Regionen, die sehr oft aufgesucht werden, jedoch häufiger. Die besten Luftaufnahmen haben wir von den Kanarischen Inseln. Denn die dortige Regionalverwaltung weiß, dass viele Touristen ihre Ferien mit- hilfe von Google Earth planen und hat uns deshalb das gesamte verfügbare Bildmaterial gegeben. Auch in Deutschland sind die Bilddaten recht aktuell, weil wir dort sehr viele Nutzer habe. Ich vergleiche den Prozess gern mit Rasenmähen: Wenn man fertig ist, muss man eigentlich wieder von vorn anfangen.

Wie wichtig und hilfreich ist das Material, das die Nutzer publizieren?

Es ist immens wichtig, weil es den Reiz und den Nutzen unseres Dienstes erhöht. Wir haben Nutzer auf der ganzen Welt, die ihre Schnappschüsse auf Google Earth laden. Wichtig werden auch Sensoren, die ihre Daten in Google Earth einspeisen, beispielsweise Wetter- oder Verkehrsdaten. Oder denken Sie an die 3-D-Modelle, die es in Deutschland mittlerweile von großen Städten wie Hamburg, Dresden und Berlin gibt. Das 3-D-Modell von Hamburg haben wir jetzt sogar in unser Basismodell integriert, sodass es ohne zusätzliche Arbeitsschritte sofort angeschaut werden kann. Hamburg ist einfach phänomenal. Es ist derzeit das am weitesten fortgeschrittene Stadtmodell auf ganz Google Earth.

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