Google gegen Microsoft
Der große Gratis-Zweikampf im Web

Google und Microsoft konkurrieren auf vielen Gebieten. Kostenlose Online-Dienstleistungen wie Webmail oder Satelliten-Karten sollen helfen, den Anwender stärker an die Kernprodukte der beiden Firmen zu binden. Handelsblatt.com verrät, wo Stärken und Schwächen der Gratis-Dienste liegen.
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DÜSSELDORF. Einer der am meisten strapazierten Computer-Begriffe der letzten Zeit ist „Cloud Computing“. Dahinter verbirgt sich die Nutzung von Anwendungen und Diensten und fremder Rechenleistung über eine Internetverbindung. Funktionen, die sonst von einem fest installierten Programm auf dem eigenen PC ausgeübt wurden, können auf diese Weise auf den Server eines Dienste-Anbieters ausgelagert werden. Wie sehr diese Art der PC-Nutzung auf dem Vormarsch ist, zeigen die zahlreichen Online-Dienste von Google und Microsoft.

Beide Kontrahenten versuchen mit einer Reihe von kostenlosen Online-Programmen und -Diensten, die weltweite Anwender-Gemeinde noch stärker an den eigenen Kosmos aus Suchmaschine, Betriebssystem und Werbemarkt zu binden: Google Earth und Microsoft Bing Maps bieten Kartendienste und Navigation, Google Mail und Windows Live Mail bieten gleichzeitig Mail-Konto, Online-Identität und angegliedert einen Messenger-Dienst. Google Picasa und Windows Live Fotogalerie ermöglichen die Bearbeitung von eigenen Digitalbildern und die Veröffentlichung im Netz. Stellt sich also die Frage, welcher Anbieter die besseren kostenlosen Leistungen für den eigenen Nutzerkreis bereithält.

Googlemail gegen Windows Live Mail

Bei den grundlegenden Funktionen unterscheiden sich die Oberflächen von Googlemail und Windows Live Mail kaum, alle Funktionen sind übersichtlich angeordnet und erinnern an ein herkömmliches Mail-Programm. Die Google-Oberfläche wirkt ein bisschen übersichtlicher und besser strukturiert, Windows Live Mail besitzt dagegen eher das „Look & Feel“ einer Internet-Community. Mit beiden Diensten lassen sich die E-Mails anderer Konten per POP3-Protokoll abrufen und so an einem Ort zusammenführen. Beide Anbieter erlauben, Mails auch mit dem eigenen Mail-Programm abzurufen und zu versenden.

Bei Windows Live gibt es jedoch die Einschränkung, dass dazu nur Outlook (Express) oder das Windows Live-eigene Mailprogramm eingesetzt werden können. Google stellt rund 7 Gigabyte Speicherplatz für empfangene Mails zur Verfügung, Windows Live zunächst nur 5 Gigabyte. Das Speichervolumen wächst zwar allmählich mit, wenn die Kapazitätsgrenze überschritten wird. Versucht man jedoch, die Grenze im Hau-Ruck-Verfahren zu überschreiten, verweigert Windows Live die Mitarbeit. Um Bilder zu speichern, stehen das Windows-Live-Fotoalbum (500 MB) oder der Picasa-Dienst (1000 MB) zur Verfügung. Zusätzlicher Vorteil für Google: Mail-Anhänge dürfen mit 20 MB doppelt so groß sein wie bei Windows Live. Sämtliche Post wird bei Google allerdings auf deren Servern gespeichert und als Quelle für kontextbezogene Werbung genutzt.

Google Maps gegen Bing Maps

Die Ergebnisse einer Suchmaschine zu Städten, Restaurants, Sehenswürdigkeiten oder Landschaften lassen sich am besten nicht nur in Textform, sondern als echtes Kartenmaterial darstellen. Mit Google Maps/Google Earth und Bing Maps haben die beiden Kontrahenten zwei Kartendienste mit hochauflösenden Satellitenbildern, einem Routenplaner und auch 3D-Modellen wichtiger Städte am Start. Bei beiden Diensten wird die Landkarte mit der Maus hin- und herbewegt, das Mausrad bestimmt die Zoomstufe und per Suchfenster können Orte angesprungen werden. Ein Mausklick auf eine Zielmarkierung ermöglicht die Routenplanung zum gesuchten Ort.

In der Randspalte werden Verknüpfungen zu Restaurants, Hotels, Geschäften oder benachbarten Sehenswürdigkeiten eingeblendet. Wer sich Gebäude in 3D ansehen möchte, muss bei Bing Maps ein zusätzliches Browser-Plug-In herunterladen und installieren, das funktioniert jedoch nur mit dem Internet Explorer. Ebenfalls weniger gut: Momentan sind dort fast nur Modelle von US-Städten zu sehen. Wegen langer Ladezeiten ist zudem ein schneller Internet-Zugang Pflicht.

Google Earth ist als eigenständiges Programm und als Browser-Anwendung „Google Maps“ verfügbar. Die Funktionen des Programms sind in vielen Details ausgereifter: So lässt sich etwa beim Routenplaner die Fahrstrecke mit der Maus ganz leicht verändern, zudem lässt sich dessen Druckfunktion sehr gut an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die Satellitenbilder sind deutlich besser als in Microsofts Virtual Earth und erlauben einen größeren Zoomfaktor, die Darstellung der Landkarte ist besser lesbar und in Deutsch verfügbar.

Die Umgebungssuche liefert relevantere Ergebnisse als in Virtual Earth, hier spürt man die größere Google-Suchmaschine im Hintergrund. Für 3D-Ansichten von Städten, Kartenmaterial der Ozeane und unzählige Erweiterungen muss man das Programm Google Earth auf dem eigenen PC installieren. Dort sind allerdings Hamburg, Berlin, München, London, Paris und andere wichtige Städte außerhalb der USA als 3D-Modell enthalten.

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  • Hallo,

    für mich persönlich liegt Google bei allen Diensten ganz klar vorne. Einziger Wermutstropfen ist, dass Google bei jedem seiner Dienste immer auch darum bedacht, durch Erfassung möglichst vieler Daten das Herz des Unternehmens, also die Suche zu verbessern. Wahrscheinlich aber sammeln andere Unternehmen längst ähnlich viele Daten...

    Grüße

    Gretus

  • Laut Google dürfen die anhänge aber 25 Mb groß sein!

    http://mail.google.com/support/bin/answer.py?hl=en&answer=8770

  • Zusätzlicher Vorteil für Google: Mail-Anhänge dürfen mit 20 Mb doppelt so groß sein wie bei Windows Live.

    Dieser Satz ist falsch, die anhänge bei Google dürfen 25 Mb groß sein.

    http://mail.google.com/support/bin/answer.py?hl=en&answer=8770

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