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Google gibt virtuellen Zugang zu Büchern weltberühmter Bibliotheken

Büchernarren träumen davon: Sich in aller Ruhe am heimischen Computer in eine virtuelle Bibliothek einzuloggen, um dann in irgendeinem beliebigen Buch zu stöbern. Mitarbeiter der weltgrößten Internet-Suchmaschine Google Inc. versuchen nun, diesen Traum zu realisieren.

dpa WASHINGTON/MOUNTAIN VIEW. Büchernarren träumen davon: Sich in aller Ruhe am heimischen Computer in eine virtuelle Bibliothek einzuloggen, um dann in irgendeinem beliebigen Buch zu stöbern. Mitarbeiter der weltgrößten Internet-Suchmaschine Google Inc. versuchen nun, diesen Traum zu realisieren.

Sie begannen im Dezember, die ersten von 15 Mill. Büchern aus fünf Bibliotheken in den USA und Großbritannien zu kopieren und ins Internet zu stellen - allerdings mit eingeschränktem Zugang. „Wir wollen das Urheberrecht nicht verletzen“, sagt Pressesprecherin Debbie Frost von „Google USA„.

Es wurden bereits Tausende von Büchern eingescannt. „Wie viele genau, können wir nicht sagen“, sagt Frost. Die Vereinbarungen mit den Universitäten Oxford, Harvard, Stanford und Michigan sowie der Öffentlichen Bibliothek in New York sind nach ihren Worten unterschiedlich. So werden von der Universität Michigan beispielsweise alle 7,4 Mill. Bücher eingescannt.

„Wir haben Google 40 000 Bücher aus unserem Bestand zur Verfügung gestellt. Die Auswahl ist willkürlich“, sagt dagegen Harvard- Pressesprecher Peter Kosewsky. Die Universitätsbibliothek Oxford gibt Google Bücher aus der Zeit vor 1920. „Das sind etwa eine Million Bücher, auf die es kein Urheberrecht gibt“, sagt Ronald Milne, Direktor der Oxford-Universität.

Die Nutzung der virtuellen Bibliothek ist für Internet-Surfer allerdings nicht unbegrenzt möglich. Das Urheberrecht verhindert dies. „Google arbeitet eng mit Verlagen zusammen, die durch die ins Internet gestellten Informationen Geld verdienen“, sagt Frost. Zwar erteilen die einzelnen Verlage Genehmigungen für die Bereitstellung der Bücher, aber ein Buch kann niemals vollständig gelesen werden. Mehr als zwei Seiten weiter nach vorn oder nach hinten könne man nicht blättern, sagt der Pressesprecher von „Google Deutschland“, Stefan Keuchel.

Einige Bücher sind bereits über die Suchmaschine Google erreichbar. Wenn man ins Internet geht und in die Suchleiste der Seite „www.google.com“ das Schlagwort „book about“ und einen Suchbegriff eingibt, findet man derzeit bis zu drei Buchvorschläge zu dem gesuchten Thema. Die Kosten für das Einscannen wolle Google nicht öffentlich machen, sagt Keuchel. Es gebe aber Schätzungen, dass das Digitalisieren etwa sieben Euro pro Buch betrage. Alle Bücher würden in Mountain View in Kalifornien eingescannt, entweder per Hand oder in einer eigens von Google gebauten Maschine, die die Bücher automatisch umblättert.

„Unsere ältesten Bücher aus dem 17. Jahrhundert sollten nicht per Hand eingescannt werden, sondern maschinell“, sagt Kosewsky von Harvard. Dabei werden Bücher halb aufgeschlagen eingelegt, die Wölbung, die beim Kopieren entsteht, wird mit einer ebenfalls von Google entwickelten Software ausgebügelt.

Google verdient Geld, sobald der Internetbenutzer eine weiterführende Seite anklickt, die etwas mit dem ausgewählten Buch zu tun hat. Die Hälfte des Gewinns teilt sich Google mit dem Verlag, der die Rechte auf das jeweilige Buch besitzt. Die Bibliotheken gewinnen zwei Mal: „Die ganze Welt hat Zugang zu unserem Bestand, auch zu den Büchern aus unserem Archiv. Außerdem ist es ohnehin ein Projekt der Bibliotheken, zu digitalisieren. Durch die Mithilfe von Google ist es nun umsonst und geht viel schneller“, sagt Kosewsky.

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