Google und Co.
Wettlauf der Datensammler im Internet

Das Internet - Segen und Fluch. Nichts, was man dort tut, verschwindet, alles hinterlässt Spuren. Niemand nutzt diese so geschickt wie die Leute von Google. Aber auch andere wollen mitverdienen.
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DÜSSELDORF. Das Internet? Vint Cerf muss schmunzeln. Am besten anschnallen und die Gurte festziehen, es wird eine wilde Fahrt werden. "Was wir heute sehen, wird sich geradezu primitiv ausnehmen zu dem, was wir in zehn Jahren erleben werden", sagt er. Das Internet werde alle Bereiche des menschlichen Lebens durchdringen. Wenn Cerf so über das Web redet, dann leuchten seine Augen. Das Web? Sein Web!

Der Mann ist eine Ikone des Internets, ein distinguierter Herr mit schütterem Haar und weißem Bart, maßgeschneidertem Dreiteiler und stets korrekt sitzender Krawatte. Im Auftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums hat er in den 70er-Jahren maßgeblich mitentwickelt, was wir heute als "das Web" bezeichnen. Heute ist Cerf 65 Jahre alt und seit vielen Jahren Zivilist: Er ist Vordenker bei Google, dem bekanntesten Web-Konzern aus dem Silicon Valley. "Chefevangelist" lautet sein Titel - unter all den T-Shirt-Trägern und Jungmillionären im Google-Hauptquartier ist er eine Autorität erster Güte, niemand im "Googleplex" zweifelt an seinem Sendungsbewusstsein.

"In zehn Jahren wird es das Internet der Dinge geben und das Internet der Menschen", prophezeit er. Jeder Kühlschrank hat dann eine eigene Internet-Adresse, jede Klimaanlage, das Auto, die Stehlampe, selbst der Stromzähler. Alle Geräte werden miteinander kommunizieren, Daten austauschen. Die Menschen, schwärmt Cerf, werden sich in sozialen Netzen organisieren, gemeinsam im Internet arbeiten. All das sei keine reine Utopie mehr.

Und es ist gut möglich, ja wahrscheinlich, dass ihnen Google dabei immer über die Schulter schauen wird. Denn Daten sind das Rohöl des Digitalzeitalters, und Goole ist das Standard Oil dieser Epoche. Nichts ist so unwichtig, dass es nicht doch einmal nützlich sein könnte. Im Internet werden aus Daten Informationen, über alles und jeden, Terminkalender, Vorlieben, Abneigungen, Notwendigkeiten, Vorbildungen, Lebensläufe und Möglichkeiten. Sie treiben Geschäftsmodelle an und eröffnen Absatzkanäle, steuern Investitionen - und vor allem steuern sie Werbung.

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