Gratwanderung
Mittelständler sparen Geld mit Secondhand-Software

Auf den ersten Blick sieht der Erwerb von gebrauchten Computerprogrammen wie ein gutes Geschäft aus. Aufgrund der teils noch immer unklaren Rechtslage jedoch kann daraus ein teurer Spaß werden. Trotzdem: Immer mehr Unternehmen wagen den Kauf - und den Verkauf.
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Für Dirk Lynen, den Chef von 2ndsoft in Aachen, eignet sich Software besser als jedes andere Produkt für den Gebrauchtverkauf. "Sie rostet nicht und arbeitet auch nach Jahren wie am ersten Tag", sagt er. Seit mehr als zehn Jahren verkauft 2ndsoft gebrauchte Programme an Unternehmen. Lynen hat sich vor allem auf ältere Versionen populärer Geschäftsprogramme spezialisiert, etwa bestimmte Versionen von Windows Server oder Novell Netware, die die Hersteller selbst nicht mehr anbieten.

Die Geschäfte gehen gut. Denn die Summen, die Unternehmen für Software ausgeben, sind gewaltig. Dass sich durch den Einsatz gebrauchter Software massiv Kosten senken lassen, erkennen immer mehr Manager. 750 000 Euro sparte etwa die Berliner Volksbank im Dezember 2006 beim Kauf von 2 800 gebrauchten Lizenzen von Microsofts Bürosoftware Office XP.

Zugleich lässt sich durch den Verkauf von Software, die beispielsweise nach der Fusion von zwei Unternehmen nicht mehr benötigt wird, auch gutes Geld verdienen. Das belegt das Beispiel Veltins. Bei der Übernahme der Dursty-Getränkemärkte durch die Brauerei, ersetzte Andreas Stahlmecke, Leiter Informationstechnik und Materialwirtschaft, viele Programme, die er beim Getränkehändler vorfand. "Wir wollen überall die gleiche Software einsetzen", sagt er. "Also hatten wir bei Dursty Software, die völlig in Ordnung war, die wir aber nicht mehr nutzen konnten." Weil Veltins fast durchgängig auf Microsofts Win-dows-Plattform, Oracles Datenbanken und Server von Hewlett-Packard setzt, verkaufte Stahlmecke deshalb Lizenzen für Novells Betriebssystem oder Bildverarbeitungssoftware wie Corel Draw an den Gebraucht-händler Usedsoft in München. Der veräußerte die Programme an Kunden, die diese Programme nun eifrig nutzen.

Eine zwar noch kleine, aber schnell wachsende Szene von Händlern hat sich auf derartige Transaktionen spezialisiert. Neben 2ndsoft und Usedsoft spielen hier auch Anbieter wie Susensoft, USC oder Preo Software eine wichtige Rolle. Zwar machte die junge Branche im vergangenen Jahre gerade mal 30 Millionen Euro Umsatz. Doch sie wächst schnell. Die Anbieter versprechen Einsparungen von 30 bis 70 Prozent gegenüber dem Neupreis. Axel Oppermann, Analyst des Beratungsunternehmens Experton, hält 30 bis 40 Prozent Ersparnis für realistisch.

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