Großes Potenzial
Brasilien strebt nach Weltniveau bei IT

T-Systems, SAP, IBM: Immer mehr Großunternehmen entwickeln derzeit Software in Südamerika und bieten von dort weltweite Dienstleistungen an. Rund eine Mrd. Dollar werden sie dieses Jahr mit Service-Exporten verdienen. Brasilien hat das Potenzial, ein weltweiter IT-Anbieter zu werden.

SAO PAULO. Eines der besseren Hotels am Platz heißt „Himmelblau Palace“. Eisbein wie Kassler werden serviert im „Abendbrothaus“, und das Oktoberfest der Stadt gilt heute als das drittgrößte der Welt. Doch außer im Tourismus profitieren die 300 000 Einwohner der südbrasilianischen Stadt Blumenau bisher wenig von ihren deutschen Traditionen, die Einwanderer Mitte des 19. Jahrhunderts mitbrachten. Doch das ändert sich gerade.

Die deutsche T-Systems hat hier vor einem Jahr ihr erstes Offshore-Zentrum weltweit zur Entwicklung von Software in deutscher Sprache gegründet. Inzwischen liefern 40 Entwickler aus Südbrasilien Prozess-Software maßgeschneidert für die Volkswagenwerke in Polen, China, Südafrika und natürlich in Brasilien. Aber auch die weltweiten Niederlassungen anderer deutscher Konzerne wie Daimler, BASF oder Bosch werden heute aus Brasilien mit Software versorgt. „In der Informationstechnologie sind Sprache und Kultur ein sensibler Bereich“, sagt Massuo Uemura, CEO von T-Systems in São Paulo, „wer mit dem Kunden in dessen Sprache sprechen kann, ist gegenüber Wettbewerbern im Vorteil.“

Doch nicht nur T-Systems investiert in Südbrasilien: SAP hat in dem ebenfalls von deutscher Einwanderung geprägten São Leopoldo ein Entwicklungszentrum für Software aufgebaut und will dort kräftig investieren – „etwa soviel wie bisher in China“, wie Erwin Rezelman, Direktor für weltweite Servicezentren von SAP erklärt. In einem Jahr sollen 800 Entwickler für die Walldorfer in Brasilien arbeiten. Der US-Konzern IBM hat im Bundesstaat São Paulo sein zweitgrößtes Global Delivery Service Center aufgebaut, mit 7 000 Mitarbeitern. Ein Drittel seines Umsatzes macht das Center bereits im Ausland, vor allem in den USA. Bald soll es die Hälfte sein. Und der indische Offshore-Gigant Tata Consultancy Services (TCS) betreibt in Brasilien ein Zentrum mit 2 000 Mitarbeitern, das vor allem Kunden in den USA bedient. „Wir sind hier in der gleichen Zeitzone wie die USA, haben ein ähnliches Banksystem und eine kulturelle Nähe zu Nordamerika“, sagt Gabriel Rozman, bei TCS für Lateinamerika zuständig. In fünf Jahren will der Konzern mit 25 000 Mitarbeitern in Brasilien, aber auch in Mexiko und Chile fünf Mal so viele Mitarbeiter wie bisher in der Region beschäftigen.

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