Großrechner
Die Top-500 der Supercomputer

In Dresden wurde die neueste Rangliste der 500 schnellsten Supercomputer vorgestellt. Der deutsche Großrechner Jugene im Forschungszentrum Jülich rutschte auf Platz sechs, bleibt aber die schnellste Rechenanlage in Europa. Roadrunner, die neue Nummer eins, steht in den USA und wird nicht nur zu friedlichen Zwecken eingesetzt.
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HB DRESDEN. Die Weltrangliste der Supercomputer hat nach mehr als dreieinhalb Jahren einen neuen Spitzenreiter: Die Anlage namens Roadrunner erledigt mehr als eine Billiarde Rechenschritte pro Sekunde (Petaflops) und hat sich mit weitem Abstand an Platz 1 der jüngsten "Top 500"-Liste der schnellsten Computer katapultiert, die am Mittwoch in Dresden veröffentlicht wurde.

Mit 1,026 Petaflops übertrumpft das System aus dem Hause IBM den bislang schnellsten Rechner der Welt um mehr als das Doppelte. Blue Gene/L, ebenfalls von IBM, hatte sich seit November 2004 mit 478,2 Billionen Rechenschritten pro Sekunde (Teraflops) auf der Spitzenposition behauptet. Beide Computer gehören der US-Regierung und sollen unter anderem für die Kernwaffenforschung rechnen.

Der schnellste europäische Rechner bleibt die Anlage JUGENE im Forschungszentrum Jülich. Mit einer Leistung von 180 Teraflops rutschte sie auf der halbjährlich veröffentlichten Weltrangliste vom zweiten auf den sechsten Platz. Das in 16 Telefonzellen-großen Schränken untergebrachte IBM-System wird für reine Forschungszwecke genutzt. Die Rechenleistung der Anlage, die in etwa 20 000 modernen PCs entspricht, steht Forschern aus Medizin, Biologie, Materialwissenschaft, Teilchenphysik und Umwelttechnik zur Verfügung.

Unter den aktuellen Top-10 der weltschnellsten Computer finden sich sechs Anlagen aus den USA, zwei aus Frankreich und je eine aus Deutschland und Indien. Aus Deutschland haben sich 46 Supercomputer auf der "Top 500"-Liste platziert, damit liegt Deutschland auf Rang drei nach USA (257) und Großbritannien (53). Bei der installierten Rechenleistung belegt Deutschland zwar den zweiten Rang, die gesammelte Rechenkraft der deutschen Anlagen erreicht mit 0,96 Petaflops aber noch nicht einmal die alleinige Leistung des US- Spitzenreiters.

Der erst kürzlich der Öffentlichkeit vorgestellte Roadrunner hat mit der Petaflop-Grenze erstmals seit zwölf Jahren wieder eine entscheidende Geschwindigkeitsmarke geknackt. Davor hatte 1996 der Computer ASCI Red die Teraflop-Grenze von einer Billion Rechenschritten pro Sekunde durchbrochen.

Der Roadrunner ist rund 1 000 Mal schneller als ASCI Red und mehr als 100 000 Mal schneller als ein durchschnittlicher PC. Für die Aufgaben, die der Roadrunner an einem Tag erledigen kann, müssten nach Angaben von IBM alle sechs Milliarden Menschen auf der Welt 460 Jahre lang mit einem Taschenrechner jede Sekunde eine Rechnung durchführen.

Herz des Supercomputers sind rund 20 000 Mehrkern-Prozessoren, darunter neben Chips des Herstellers AMD auch 13 000 Cell- Prozessoren, an deren Entwicklung IBM-Forscher aus Böblingen wesentlich beteiligt waren. Die Cell-Chips sollen nach Angaben des Unternehmens die fünffache Leistung herkömmlicher Prozessoren erreichen.

Bislang wurden sie vorwiegend in Spielekonsolen wie der Playstation 3 von Sony oder Microsofts XBox 360 eingesetzt. In den Spielekonsolen werden inzwischen leistungsstärkere Prozessoren genutzt als in herkömmlichen Servern und Desktop-PCs.

Auf der diesjährigen Supercomputer Conference wird die "Top 500"- Liste der 500 schnellsten Supercomputer zum 31. Mal veröffentlicht. Initiator der Liste, die in der Branche als wichtiger Gradmesser gehandelt wird, ist der Informatiker Hans-Werner Meuer von der Universität Mannheim. Erstmals in der Geschichte der Liste wird auch der Energiebedarf der Superanlagen gemessen.

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