Gründerforum
Ein Hauch von Silicon Valley in Potsdam

Am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam weht ein Hauch von Silicon Valley. IT-Gründer oder solche, die es werden wollen drängen sich im Hörsaal. Aus aller Herren Länder sind sie nach Deutschland gekommen. Das dritte Gründerforum am Institut zeigt: Es bewegt sich doch einiges in Deutschland.

POTSDAM. Die Stimmung ist entspannt am Hasso-Plattner-Institut , es wird viel gelacht, während die überwiegend graumelierten Herren vorn auf der Bühne ihre Scherze machen, auf unterhaltsame Weise zeigen, wo die Zukunft der Softwarebranche liegt. SAP-Gründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner hat in sein gleichnamiges Institut geladen, zum dritten Entrepeneurship-Forum. Und viele sind gekommen. Was sie mitnehmen, klingt nicht schlecht. „Deutschland ist ein wichtiger Markt. Das technische Talent ist da, es gibt viele große Firmen, wo man neue Software testen kann. Deutschland hat viele Chancen, keine Frage“, sagt Dan'l Lewin, Vice President vonMicrosoft.

Deutschland eine High-Tech-Wüste, ein Tal der Tränen für junge, hungrige IT-Gründer? Blödsinn möchte man an diesem trüben Morgen am liebsten rufen. Aus aller Herren Länder sind sie nach Deutschland gekommen. Allein das ist irgendwie eine Hommage an den High-Tech-Standort, bringt jede Menge Motivation ins ansonsten so reich mit risikoscheuen Bedenkenträgern gesegnete „good old Germany“.

Es kommt gut an bei den Gründern, wenn Morton Lund von Lundkenner und Lund2, einem der wichtigsten Risikokapitalgeber Dänemarks, lässig auf seinem Stuhl sitzend von seinem Investment in den IP-Telefonieexperten Skype erzählt. Wobei: Ein richtiges Investment war es ja eigentlich nicht, schließlich habe man den Jungs nur eine Wohnung und so finanziert, erzählt Lund lachend.

Und es macht einfach Spaß, wenn Plattner ohne Rücksicht auf seine eigene Firma die etablierten Softwarefirmen und ihre größten Fehler auf den Seziertisch packt. Einfach und simpel müsse Firmensoftware sein, mahnt Plattner. Viel zu lange habe man das schlicht ignoriert. Er selber habe noch vor sechs Jahren gesagt, das sei nicht möglich. „Stellen Sie sich doch mal vor, ein iPod müsste mit dem deutschen Steuersystem klarkommen“, lästert Plattner und fügt an: „Doch seit Google weiß ich: Ich habe mich geirrt, es ist möglich.“ Wie, das will er unter anderem mit der neuen Mittelstandssoftware von SAP beweisen.

Umbrüche wie diese sind es, die in den Augen des SAP-Mitgründers jungen Ideen Tür und Tor öffnen. Man müsse den Nutzer viel früher in die Entwicklung einbinden, Prototypen mit ihm testen oder ihn über Blogs und Communitys zum Mitmachen animieren, gibt Plattner den jungen Hörern mit – aber auch so manchem am Firmensitz im fernen Walldorf. „Das ist hart für die meisten Softwareingenieure. Sie haben es nicht gelernt, Leute zu befragen, ihre Entwicklungen mit allen zu diskutieren“, sagt Plattner und fügt selbstkritisch hinzu: „Jeder Autoentwickler fährt seine neuen Modelle. In unserer Industrie dagegen hat noch kein Entwickler mit einem eigenen Programm arbeiten müssen.“ Doch genau das sei wichtig, denn nur über ein gutes Design und ein einfache Nutzung seien die Programme künftig verkäuflich.

„Es sind gestandene und erfahrene Leute wie Hasso, die dazu beitragen, dass sich in Deutschland allmählich ein enges Netzwerk an Business-Angels bildet“, sagt Lewin von Microsoft. Aber auch er selber ist in Potsdam auf Recherche, auf der Suche nach der nächsten guten Idee. „Microsoft investiert nicht direkt in Start-ups, wir unterstützen die Firmen mit unserem Know-How etwa in der Entwicklung, vor allem aber beim Vertrieb“, sagt er.

In gut einem Dutzend Länder rund um den Globus habe der Konzern dieses Fördersysten etabliert. „Deutschland ist eines dieser wichtigen Länder“, sagt Lewin. 200 bis 300 Start-ups will Microsoft so unterstützen. Und wenn sich zeigt, dass sich an der einen oder anderen Stelle ein neues Geschäft für Microsoft daraus ergibt, dann wird kurzerhand gekauft – auch in Deutschland.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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