Gründerklima ist besser als sein Ruf
Zuversicht bei den neuen Gründern

Das Klima für Startups hat sich in der IT-Branche wieder verbessert. Jungunternehmer nutzen den Aufwind.

Oliver Vukovics ist Dot Gone-Geschädigter. Und dankbar dafür. Nicht etwa dafür, dass ihm durch die Pleite seines jungdynamischen IT-Arbeitgebers vier Monatsgehälter flöten gegangen sind. Sondern für die überaus wertvolle Erfahrung, wie man es besser nicht macht. Dass man besser nicht in zwölf Monaten zwölf Millionen Mark verbrät, dabei nichts auf die Beine stellt, dafür viel Spaß hat und dann schwer erstaunt vom raschen Ende ist.

Sein Arbeitgeber pleite, die Dotcom-Blase geplatzt, düstere Stimmung am Gründerstandort Deutschland. Wir schreiben das Jahr 2001. Was macht Vukovics? Er gründet selbst mit zwei Kompagnons eine Firma: die SDMD Systemhaus Digitale Medien Designer GmbH. Mit der Idee, das E-Mail-Programm Outlook unternehmensintern vernetzt anzubieten, trifft die Hamburger Firma den Nerv des Marktes.

Im abgelaufenen Jahr hat die mit sechs Mitarbeitern klein gehaltene Mannschaft eine Million Euro Umsatz erwirtschaftet, wovon 35 Prozent auf die Gewinnseite gebucht worden sind. Die IT-Firma ist nach ISO 9001 zertifiziert und anerkannter Ausbildungsbetrieb, aus dem zuletzt sogar Hamburgs bester IT-Systemkaufmann hervorging. Innovationspreise häufen sich. Es läuft gut.

Was hat Vukovics richtig gemacht? Zunächst: Er hält den Ball flach. "Bei allen Ausgaben, die keinen Gewinn bringen, bin ich extrem sparsam. Wir haben keine Probleme damit, auf zehn Jahre alten Büromöbeln zu arbeiten und ebenso alte Autos zu fahren", erklärt der Chef. Die Gehälter sind bescheiden, gemeinsam essen gehen ist die Ausnahme. Die Arbeit an und mit der guten Idee steht im Vordergrund, wozu auch ein cleveres Vertriebskonzept gehört, das den Unternehmer nichts kostet, weil er einfach weltweit die Lizenzen für den Vertrieb seiner Software vergibt. Die wird mittlerweile in 20 Ländern verkauft. Bis zum Jahresende sollen noch zehn Ländermärkte hinzukommen.

Ansonsten folgt Vukovics der eisernen Maxime: "Selbstständig zu sein heißt, sich in keine Abhängigkeiten zu begeben. Auch nicht durch Fremdkapital." Er selbst fing mit geborgten 25 000 Euro Privatkapital an. Dann musste allen Prinzipien zum Trotz noch ein schmaler Bankkredit her, der mittlerweile kaum noch ins Gewicht fällt.

Glamour von einst ist verflogen

So sehen die Erfolgsgeschichten von heute aus. Bescheiden. Solide. Zukunftsträchtig. Der Glamour von einst hat in der IT-Gründerszene nicht mehr viel verloren. Statt schillernder Boygroups herrscht Bodenständigkeit. "Die neue Generation ist reifer, die Ideen sind markttauglicher und die Businesspläne der meisten Jungunternehmer solider", hat auch Claudia Erben registriert. Sie ist Geschäftsführerin der Wiesbadener Gründerinitiative Forum Kiedrich.

Besonders mit Geld wird vorsichtiger umgegangen. Nach einer Umfrage des Forums finanzieren sich 83 Prozent der Gründer über Eigenkapital und die eigene Geschäftstätigkeit. Das hat einen erdenden Effekt: "So muss niemand mehr realitätsferne abgehobene Businesspläne aufstellen, um Investoren und Anleger zu beeindrucken. Somit bleibt Zeit, das Wichtige zu tun, alle Energie in die Strategie- und Produktentwicklung zu stecken", sagt Claudia Erben.

Das wiederum bringt mit sich, dass schneller Gewinne erwirtschaftet werden müssen. "Die neuen Gründer sind gewohnt, den Gürtel enger zu schnallen. Deswegen werden wir bei diesen Jungunternehmen einen Aufschwung erleben", prophezeit Eckhard Utpadel, Vorstand der Gründerinitiative IT-Adventure. Er ist sich sicher, nicht noch mal eine Internetblase platzen zu sehen. "Es sind unheimlich viele gute Ideen auf dem Markt." Gut im Rennen sei, wer marktgängige Lösungen auf den Gebieten Netzsicherheit, komplexe Systeme, Content Management und Telekommunikation anzubieten hat.

Utpadel: "Nach Jahren des Sparens müssen Unternehmen nun wieder investieren, der Nachholbedarf ist groß, da die Systeme veraltet und nicht mehr sicher sind." Ein immer besser werdendes Klima bei Informationstechnologie und Telekommunikations-Diensten (ITK) sieht auch Holger Frommann, Geschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK): "Speziell auf diesem Sektor tut sich was. Das Geschäft zieht an, auch für Jungunternehmen gibt es immer mehr Aufträge."

Von diesem Aufschwung profitieren auch die drei Gründer des Online-Auktionsmarktplatzes Letsworkit. Handwerks- und Dienstleistungsaufträge werden hier nach dem Prinzip "Wer bietet weniger?" versteigert. Gründer Alexander Bugge hatte viele Unterstützer auf dem Weg zum Start der Plattform im Juli 2004. Statt auf Venture Capital setzte er in dieser frühen Phase auf ein Netzwerk von Freunden und Förderern. "Die Beratungsleistungen von Business Angels bis hin zu Juristen waren bares Geld wert. Man muss nur mit den richtigen Leuten sprechen."

Dabei stoße man mit dem Thema Internet überhaupt nicht auf taube Ohren. Wichtig sei nur, den Kundennutzen klar vor Augen zu haben. Bugge: "Die Idee muss einfach und ihr Sinn sofort ersichtlich sein."

Auf viel durchdachtere Ideen als noch vor Jahren stößt auch Margarita Tchouvakhina, Abteilungsdirektorin Volkswirtschaft der KfW Bankengruppe. "Gründer sind gezwungen, eine andere Perspektive auf das eigene Geschäft einzunehmen. Sie müssen die Idee ständig kritisch hinterfragen und vom ersten Tag an Controlling betreiben", ist Tchouvakhina sicher. Im Vergleich zur New Economy sei auch der Blick auf die Märkte noch globaler geworden. "Gerade im ITK-Bereich sitzen im Zuge der Digitalisierung überall die Mitbewerber. Daher müssen die Ideen globaler gedacht werden." Die KfW-Direktorin hat für Startkandidaten aufmunternde Worte parat: "Das Gründerklima ist besser als sein Ruf. Allen Unkenrufen zum Trotz gibt es sogar mehr Startkapital als man denkt."

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