Hacker-Kollektiv
Anonymous distanziert sich von Facebook-Angriff

Erst im November hatte die Hacker-Gruppe Anonymous angekündigt, sie wolle Facebook lahmlegen. Nichts passierte. Nun erscheint erneut ein Youtube-Video mit entsprechendem Aufruf - aber ohne direkte Begründung.
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San FranciscoGerüchte um Anonymous halten die Weg-Gemeinde in Atem: Die Hackerorganisation will angeblich Facebook angreifen und das populäre Social Network zum Absturz bringen. Das jedenfalls kündigt ein Video auf Youtube im Namen der Organisation an. Internetnutzer werden aufgefordert, eine spezielle Software zu laden und sich an der Aktion „Global Blackout“ zu beteiligen.

„Ein Online-Krieg zwischen Anonymous, den Menschen und der amerikanischen Regierung hat begonnen“. Nach martialischer Eingangsmusik kommt die metallisch verfremdete Stimme schnell zur Sache. Während die umstrittenen Internetgesetze Sopa und Pipa zwar hätten verhindert werden können, gebe es aber immer noch das weltweite ACTA-Abkommen.

Mittlerweile hat sich per Anonymous per Twitter-Nachricht von dem Video distanziert und betont, dass es keine Pläne gebe, Facebook anzugreifen. An dem Wahrheitsgehalt des Videos ist also offenbar nichts dran.

ACTA verpflichtet Internetprovider zur detaillierten Überwachung der Datenaktivitäten der Nutzer und dazu, mögliche Urheberrechtsverletzungen zu unterbinden. Zum Beispiel könnte der Versand von E-Mails mit Musik- oder Videodateien automatisch blockiert oder der Transfer urheberrechtlich geschützter Dateien über Messenger-Programme wie Yahoo Messenger oder Skype unterbunden werden. Deshalb müsse der Kampf fortgeführt werden.

Facebook wäre mit über 60.000 Servern ein gewaltiges Ziel, wie der Sprecher selbst einräumt, aber es sei “trotzdem zu schaffen”. Dazu sollten so viele Internetnutzer wie möglich ein Programm laden, das ihren Computer in eine Angriffsmaschine für die so genannten Denial-of-Service-Attacken machen.

Dabei werden die betroffenen Server mit einem Dauerbombardement von Anfragen schlicht überlastet und zum Absturz gebracht. Das Youtube-Video, dessen Urheber nicht zu identifizieren ist, gibt genaue Anleitungen zur Installation und Nutzung des Programms. Es verspricht den “Helfern” sogar, dass sie angeblich nicht erwischt werden könnten. Am 28. Januar um 12 Uhr mittags amerikanischer Ostküstenzeit soll der Angriff stattfinden.

Ein Grund, warum ausgerechnet Facebook Ziel werden soll, wird nicht genannt. Allerdings würde die Lahmlegung einer der größten Webseiten der Welt mit über 800 Millionen Nutzern eindrucksvoll die Macht der Hackeraktivisten unter Beweis stellen. Webauftritte wie die des US-Justizministeriums, Universal Music oder der amerikanischen Musikindustrie wurden bereits lahmgelegt.

Das Ganze könnte allerdings auch als Fehlschlag enden: Für den 5. November 2011 war per Youtube schon einmal ein Angriff auf Facebook angekündigt worden, der aber nie stattfand oder völlig wirkungslos verpufft war. Damals wurde als Grund für den Angriffsversuch ein laxer Umgang mit dem Datenschutz bei Facebook genannt.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Ich gehoere nicht zu Anonymous. Aber wer in Facebook private Daten liefert, gehoert nicht mehr zu meinem Freundeskreis. Alle Facebook-Nutzer sind nicht mehr meine Freunde.

    Auch warne ich alle "Freunde" bei Facebook oder bei anderen ach so freundlichen Diensten Bilder zu posten, wo ich auch drauf bin. Die Gesichtserkennung wird mir dort (bald) einen Namen geben, fuer jeden abrufbar im Internet.

    Die Nutzer solcher Dienste verstehen einfach nicht, was sie da tun. Fuer mich sind dies Internetkinder - mehr nicht.

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