Handelsblatt-Community
Warum Pseudonyme im Netz so wichtig sind

Handelsblatt Online-Chefredakteur Oliver Stock hat die Nutzer dazu aufgerufen, Artikel unter Angabe ihres Namens zu kommentieren. Die meisten melden sich jedoch weiterhin anonym zu Wort. Drei Thesen, warum Pseudonyme im Netz so wichtig sind.
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Betrachtet man die Kommentare unter vielen Artikeln auf Handelsblatt Online, dann fällt vor allem eines auf: Statt Maria, Peter oder Fritz tummeln sich hier Spacecowboy, Gastredner oder SagDieWahrheit. Kritik an einem Beitrag, Antworten auf andere Kommentatoren oder Einspruch gegen eine vertretene These werden gerne unter einem Pseudonym, dem sogenannten Nickname, veröffentlicht.

Vor zwei Wochen rief Handelsblatt Online-Chefredakteur Oliver Stock erstmalig dazu auf, sich in Zukunft mit Klarnamen an der Diskussion zu beteiligen. So wie jeder Redakteur für seinen Beitrag mit Namen eintrete, sei es nur fair, wenn sich auch die Kommentatoren zu erkennen gäben, schreibt Stock im Aufsetzer oberhalb der Kommentare in der Handelsblatt Online-Community: „Wir möchten wissen, mit wem wir diskutieren, und Sie möchten wahrscheinlich auch wissen, mit wem Sie sich auseinandersetzen. Wir glauben, dass es zu einem fairen Umgang miteinander im Netz gehört, sich offen gegenüberzutreten. Dafür steht die Handelsblatt-Online-Redaktion. Dafür stehe ich.“

Doch Klarnamen sind weiterhin unbeliebt. Drei Thesen, warum das so ist.

Mit dem Nickname gegen jede Norm

In der Anonymität des Netzes fühlt sich mancher bemüßigt, jede noch so abstruse Meinung kund zu tun. Das reicht von den wildesten Verschwörungstheorien über die erfundene Klimaerwärmung, die jüdische Finanzmafia oder die Macht der Atomlobby, über Pöbeleien zur Unfähigkeit des Autors, der Mitkommentatoren oder der Politiker bis hin zu rassistischen und sexistischen Auswüchsen. Fraglich, ob das alles unter Klarnamen veröffentlicht würde. Denn das Pseudonym bietet die Möglichkeit, sich mal richtig auszutoben. Gegen jede gesellschaftliche Norm.

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Ist ein Kommentar mit Klarnamen versehen, wird der Verfasser greifbar. Ob im Telefonbuch, auf der Seite des Arbeitgebers oder in sozialen Netzwerken, überall kann nach ihm recherchiert werden. Und das mögen nicht alle: In Fragen der Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft gehört die eigene Meinung für viele nicht in die Öffentlichkeit. Kollegen, Nachbarn oder gar Vorgesetze sollen persönliche Stellungnahmen nicht unter einem Netz-Artikel präsentiert bekommen. Mit der Wahl eines Nicknames bleibt die Anonymität gewahrt.

Nomen est omen

Was in der Literatur funktioniert, kann auch für die Online-Community gelten: „Sprechende“ Nicknames liefern häufig Zusatzinformationen oder unterstreichen die Aussage - wie beispielsweise die Pseudonyme FrüherCDUlerHeutePirat oder WirMirHierAllesZuBunt. Für viele ist deswegen die Möglichkeit, unter Pseudonym schreiben zu können, eine unabdingbare Vorraussetzung für die Beteiligung an einer Netz-Diskussion.

Auf Handelsblatt Online dürfen Nutzer deswegen auch weiterhin ohne Angabe des richtigen Namens kommentieren. Oliver Stocks Appell hat trotzdem Bestand. Im Namen der Fairness.

Kommentare zu " Handelsblatt-Community: Warum Pseudonyme im Netz so wichtig sind"

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  • Wikipedia ist keine Quelle und erhebt auch nicht den Anspruch eine zu sein. Die Kritik an Herrn Lieberman ist doch nur ihr billiges Mittel zum Zweck, um behaupten zu können, man dürfe dieses oder jenes angeblich nicht sagen.

  • Unbegründete Kritik ist kein Grund zur Zensur. Nennt man Meinungsfreiheit.
    Als Quelle nehme ich fast ausschließlich Wikipedia.de. Lesen Sie mal den Artikel zum Stellvertretenden Ministerpräsidenten Israels "Avigdor Lieberman" und dann diskutiere ich gerne mit Ihnen weiter was unfundiert oder zweifelhaft ist.

  • Dann sind wohl 99% der "Israelkritik" bei der FAZ unbegründet oder unfundiert oder die Quellen zweifelhaft.

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