Handelsblatt live
Aufbruch in die neue Medienwelt

Allen Prophezeiungen zum Trotz: Die Zeitung stirbt nicht, sie schafft sich digitale Freiräume. Eine Antwort auf die Frage, wie Journalismus für eine neue Generation aussieht, will die neue App "Handelsblatt Live" geben. 
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Der große Bill Gates machte es sich einfach, und so lag er am Ende einfach daneben. Die Zeitung sei im Jahr 2000 tot, sagte der Microsoft-Mitbegründer 1998, damals im Rausch der New Economy. Gemessen an solchen Prophezeiungen geht es der Presse derzeit sogar ausgesprochen gut.

Sicher, es gibt Ausfallerscheinungen. Aber es gibt auch gedruckte Publikationen wie „Wall Street Journal“, „Handelsblatt“, „Zeit“ oder „Landlust“, die sich eines wachsenden Kundenstamms erfreuen.

Und es gibt viele neue Ansätze in dieser andauernden Kulturrevolution, die als „digitaler Wandel“ beschrieben wird und für viele Branchen ein „digitaler Sturm“ ist. Joseph Schumpeter würde heute auf seinem iPad einige Gedanken zur „schöpferischen Zerstörung“ festhalten. Zeitung tot? Tod sieht anders aus.

In ihren goldenen Jahren haben Zeitungen davon gelebt, die Schnellsten zu sein. Rund um 1850 ersetzte die Telegrafie die schnellen Boten der Reiterstaffeln, und Pressetitel hatten Konjunktur. Namen wie „Daily Telegraph“ erinnern an diese Ära. Es kamen mit den Jahrzehnten Radio, Fernsehen, Internet. Und immer wurde es noch schneller, noch hektischer, noch direkter.

Heute ist ein globales TV-Netzwerk wie CNN, das 1995 als Herold der Globalisierung gefeiert wurde, schon wieder eine fürchterlich altmodische Erscheinung. Onkel-Fernsehen. Das Internet hat die Medienwelt nachhaltig verändert. Nichts ist nun mal schneller als ein Tweet oder ein Facebook-Eintrag, wie banal er auch sei.

So lebt in ganz modernen Zeiten die Mediengesellschaft im Zustand der unaufhörlichen Anlieferung von Nachrichten, Halbnachrichten und Pseudo-Nachrichten, über die sich ein Sechs-Tage-Erregungsthema als Leitmotiv legt. Das kann ein Lebensmittelskandal, die Fettnäpfchen von „Problem-Peer“ oder der alltägliche Sexismus in einer deutschen Bar um Mitternacht sein. Bisweilen geistert eine Verschwörungstheorie durch die Schlagzeilen.

In einer solchen Lage zählt nicht Tempo, Tempo. In einer solchen Lage sind andere Qualitäten wichtig: Präzision, Richtigkeit, Relevanz, Einordnung, Analyse. Es sind die klassischen Tugenden einer Zeitung. Das „Irgendwie“ des Internet-Stroms verwandelt sie in das „Wie“.

Man macht deshalb einen Fehler, Zeitung nur mit dem Papier zu assoziieren. Papier ist gut, weil man tatsächlich keinen Strom zum Lesen braucht und weil sich mit wenigen Blicken viele Botschaften erfassen lassen. Aber die elektronische Welt bietet demgegenüber die Möglichkeit, öfter am Start zu sein, unabhängig von den Zyklen einer Druckmaschine.

Früher haben die Verlage darum konkurriert, wann die „frische“ Zeitung zum Leser kommt: morgens oder mittags oder abends. Die „B.Z. Am Mittag“ beispielsweise hat in der Weimarer Republik das Alltagsleben verändert. Tablets erlauben es heute, eine Zeitung mit ihrem klassischen Raster in allen drei Zeiträumen erscheinen zulassen: morgens und mittags und abends. Das genau ist das Historische am Start der neuen App Handelsblatt Live, die an diesem Montag erstmals erscheint.

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Zeitungen sind keine Sklaven einer Suchmaschine

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  • Sehr geehrte/r K.S.,

    herzlichen Dank für Ihre Kritik. Ich finde es gut, wenn sich Leser an uns wenden – das zeigt: Wir sind ihnen nicht egal und etwas Besseres kann uns schließlich nicht passieren.

    Ihre Anmerkung kann ich gut nachvollziehen. Ich möchte Ihnen jedoch versichern, dass wir unser Anzeigengeschäft strikt von der Redaktion trennen. Das ist zwar im Alltagsgeschäft manchmal ein hitziger Prozess, den Grundsatz aber weichen wir beim Handelsblatt sicher nicht auf. Wir müssen es auch nicht: denn am Ende begreifen auch unsere Anzeigenkunden, dass sie nur in einem glaubwürdigen medium erfolgreich inserieren können.

    Ich hoffe dies dient zur Klärung. Bleiben Sie uns gewogen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Oliver Stock
    Chefredakteur
    Handelsblatt Online

  • Ich find 40€ im monat einfach zu teuer. Die App is gut gemacht, aber die themen sind keine anderen, als bei welt &Co...

  • Chef-Redakteure sind i.d.R. diejenigen, mit dem geringsten fachlichen Durchblick. Leider traut sich das meistens keiner zu sagen.

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