Handy-Games
Chronisch verliebt

Das Spiel wird mobil. Nach PC- und Konsolenspielen wittern die Spieleentwickler jetzt ein neues, gigantisches Geschäft: Computerspiele fürs Handy. Doch um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, müssen die Hersteller von mobilen Spielen einige Brocken aus dem Weg räumen.
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Alles, was mit dem Hype-Wort Web 2.0 belegt ist, zieht derzeit die Blicke magisch an: Da kauft Google das Videoschnipselportal Youtoube für stolze 1,65 Milliarden Dollar - obwohl der Suchmaschinenprimus noch gar nicht weiß, wie sich mit der neuen Web-Seite überhaupt Geld verdienen lässt.

Im Vergleich dazu kann die Computerspieleindustrie beinahe im Verborgenen agieren - obwohl die Käufer auch hier teilweise beträchtliche Summen auf den Tisch blätterten: Im November 2005 schluckte der Unterhaltungsgigant Disney den deutschen Entwickler von Handy-Spielen, Living Mobile für einen nicht genannten Betrag. Nur einen Monat später verleibte sich der Videospielproduzent Electronic Arts für rund 680 Millionen Dollar den Hersteller von mobilen Spielen Jamdat aus Los Angeles ein. Hintergrund für derartige Shoppingtouren: Kleine Anbieter wie Living Mobile oder Jamdat haben sich auf einen der wichtigsten Wachstumsmärkte spezialisiert - Spiele fürs Handy.

Das Spiel wird mobil. Nach PC- und Konsolenspielen wittern die Spieleentwickler jetzt ein neues, gigantisches Geschäft. Der Weltmarkt werde von zwei Milliarden Dollar im vergangenen Jahr bis 2008 auf mehr als fünf Milliarden Dollar steigen, schätzen die Marktforscher von Ovum. Treiber sind dabei vor allem die chronisch handyverliebten Spieler in Asien. Neben Südkorea und Japan setzen Investoren ihre Hoffnungen vor allem auf chinesische Kunden. Die sollen 2008 rund eine halbe Milliarde Dollar für Unterhaltung auf dem Mobiltelefon ausgeben, errechnete das Marktforschungsunternehmen IDC. "Die langfristigen Wachstumschancen sind nie besser gewesen als jetzt", sagt Warren Jenson, Finanzchef von Electronic Arts (EA).

Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, müssen die Hersteller von mobilen Spielen einige Brocken aus dem Weg räumen. Denn im Vergleich zu sonst üblichen Computerspielen, deren Absatzmengen und Margen ist die Produktion eines Handy-Games deutlich teurer. "Ein durchschnittliches Handy-Spiel zu entwickeln, kostet derzeit mehr als 100 000 Euro. Kommen noch komplexe Funktionen hinzu, etwa damit mehrere Nutzer parallel im Mobilfunknetz spielen können, liegen die Entwicklungskosten schnell bei mehr als dem Doppelten", sagt Jan Andresen, Gründer des deutschen Spieleentwicklers Elkware, der Ende 2004 vom kalifornischen Klingelton-Riesen Infospace übernommen wurde.

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