„HD-DVD“ und „Blu-Ray“
DVD-Spieler wird zur Multimedia-Maschine

Blues statt Boom: Es sieht traurig aus um die selbst ernannten Nachfolger der alten Video-DVD. Die Verkaufszahlen von Abspielgeräten der Formate "HD-DVD" und "Blu-Ray" mit ihren hochauflösenden Bildern wachsen nur langsam. Das Argument der besseren Bildqualität lockt zu wenige Film-Enthusiasten in die Geschäfte. Jetzt sucht die Industrie einen Ausweg - und sie wird ihn auf der Ifa präsentieren.

DÜSSELDORF. Der frühere Videoabspieler soll zur Shopping-Mall aufgerüstet werden, zum Nachrichtencenter, zur Spielekonsole und zum Kommunikationskanal. Web 2.0 hält Einzug im Wohnzimmer. "Interaktivität wird eine große Rolle spielen", sagt Peter Weber, Pressesprecher Panasonic Deutschland und Mitglied der europäischen Blu-Ray Group. -Promotion "Wir sehen gerade aus der Videospiele-Industrie, wie wichtig Web-Gemeinschaften werden." Sony etwa will für seine Blu-Ray-fähige Playstation 3 noch im Herbst eine riesige Onlineplattform nach dem Vorbild von "Second Life" starten. "Da werden sich auch Blu-Ray-Abspieler einloggen können."

Per Internet lässt sich in der neuen Video-Welt mit anderen Fans noch während des Films diskutieren, an Abstimmungen über Schauspieler teilnehmen, Ratespiele gegen Onlinegegner spielen. Und zwar ohne einen PC als Bindeglied. Nur mit Fernbedienung und Internetanschluss oder sogar ohne Web-Anbindung.

"BD-Java (Anm: eine Programmiersprache) ist als Standard verabschiedet", sagt Weber, "neue Abspieler, die schon auf der Ifa zu sehen sein werden, werden diese Möglichkeiten als Option anbieten." Einziger Nachteil: Damit hinkt die von Sony geführte Blu-Ray-Allianz der HD-DVD-Konkurrenz um Toshiba und Microsoft weit hinterher. In den USA sind die Kinoblockbuster "300" und "Blood Diamonds" bereits mit Internetoption verfügbar. Fans des Spartaner-Epos "300" können sich per Fernbedienung Klingeltöne oder Poster bestellen.

Die Agentur SPV hat eine HD-DVD der deutschen Kultband "Motörhead" erstellt, die immer die aktuellsten Tourneedaten abrufen kann. Außerdem lässt sich eine "Playlist" anlegen - dann laufen automatisch nur noch die Lieblingsstücke ab. Bald sollen Konzertticket zu kaufen sein. Setzt sich das System durch, wird auch die Werbeindustrie aufspringen - drückt der Zuschauer die Vorspultaste, erscheint Werbung auf dem Flachfernseher. "Die Technik ist da", sagt Olivier Van Wynendaele von Toshiba-Informationsystems in England. "Die Grenzen setzt nur die Fantasie der Studios."

Und da sieht es nicht so toll aus, fürchtet René Baisch, Gründer der Hamburger Softwarefirma Sofatronic, die sich auf Autoren-Systeme für beide HD-Formate spezialisiert hat. "Bislang mussten die Studios nur eine Filmrolle digital abtasten, ein kleines Menü dazufügen, und das war?s. Heute reden wir von Software, Internetanwendungen, Applikationen - für viele ein Albtraum."

Vor allem, wenn aus Einfallslosigkeit die Anwendungen all zu plump auf Kommerz getrimmt werden. Dann ziehen die genervten Zuschauer lieber ganz den Internet-Stecker, statt immer mehr Super-DVDs anzuschauen - und sind alle wieder genau da, wo sie angefangen haben.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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