Herbert Noll von der Stiftung Warentest im Interview
„Die beste Bildqualität haben Röhrengeräte“

Flachbildschirme sind mit das größte Thema auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin. Die herkömmlichen Röhrenfernseher sind allerdings nach Einschätzung der Stiftung Warentest noch immer überlegen. Lediglich wenn es um digitale Zuspielung gehe, spielten LCD- und Plasma-Geräte ihre Vorteile aus, sagt Herbert Noll, Redakteur bei der Stiftung Warentest, in einem Interview.

Herr Noll, mittlerweile werden mehr LCD- und Plasma-Fernseher als herkömmliche Röhrengeräte verkauft. Sind die Flachbildschirme wirklich besser?

Die beste Bildqualität haben nach wie vor die Röhrengeräte. Das gilt insbesondere dann, wenn es um analoge Programme geht, die Programme analog zugespielt werden. Sprich, wenn sie von einer Set-Top-Box per Scart-Kabel in den Fernseher kommen, oder wenn man sein analoges Kabelfernsehen nutzt, dann ist der Röhrenfernseher vorn. Wenn es um die digitale Zuspielung geht, sieht es anders aus. Die Flachfernsehgeräte spielen dann ihre Qualität aus, wenn sie das digitale Fernsehsignal direkt verarbeiten können. Wenn man sich DVB-T betrachtet mit einem Fernsehgerät mit einem integrierten DVB-T-Tuner, da ist die Bildqualität dann auch in Ordnung. Noch ist aber ja beinahe alles analog.

Ist es nicht so, dass die Bildqualität von Plasmageräten mit den Jahren stark nachlässt?

Das wird den Plasmageräten nachgesagt. Aber wir konnten noch keinen Langzeittest machen. Allerdings: Man kann schon bald, wenn man immer wieder dasselbe Programm guckt, beim Logo in der Bildecke gewisse Einbrenneffekte sehen.

Wenn man sich nun für einen Flachbildschirm entscheidet, sollte man LCD oder Plasma wählen?

Das kommt auf die Wünsche des Käufers an. Plasma ist größer als LCD. Beim LCD hat man zwar nicht den Einbrenneffekt, auf der anderen Seite kann die Hintergrundbeleuchtung ausfallen. Diese LCD-Hintergrundbeleuchtung wirkt dem möglichen Kontrast dieser Bildschirme entgegen, weil auch die dunklen Pixel von hinten beleuchtet werden. Das mindert den Kontrast. Deswegen dreht man die Helligkeit hoch. Das Bild wirkt zwar kontrastreich, ist es aber nicht.

Wird sich denn das auf der IFA gefeierte hoch auflösende Fernsehen HDTV durchsetzen?

HDTV ist ein technischer Leistungs-Standard. Die HDMI-Schnittstelle verspricht eine gewisse Leistung des Gerätes. Das hat aber nichts mit der Qualität zu tun. Die Bildqualität ist auch wirklich nicht so viel besser als bei PAL. PAL-Fernsehen hat 576 Zeilen gegenüber 720 Zeilen bei HDTV. Das ist kein großer Unterschied. Die paar Zeilen mehr machen den Kohl nicht fett. HDTV ist sicherlich keine Revolution im Fernsehbereich. Wenn man eine kurze Distanz zu einem HDTV-Fernseher hat, hat man tatsächlich einen Kinoeffekt mit einem feiner auflösenden Bild. Das kann man auch wahrnehmen. Aber wenn man den normalen Betrachtungsabstand hat, das heißt achtfache Bilddiagonale, dann kann man HDTV knicken. Da merkt man keinen Unterschied zu PAL.

Die Hersteller schwärmen, HDTV werde sich schneller verbreiten als seinerzeit das Farbfernsehen?

Man muss erst mal abwarten, ob die Öffentlich-Rechtlichen auf HDTV aufspringen. Die Hersteller wollen das natürlich pushen und bohren das entsprechend an. Wenn man sich aber jetzt das 16:9-Fernsehen anguckt, das künstlich ein schlechteres Bild vermittelt als PAL überhaupt hat, mit dem einzigen Ziel, HDTV besser zu verkaufen, da fasst man sich an den Kopf. Da wird das Bild erst mal von 576 auf 432 Zeilen verschlechtert. Und die 720 Zeilen bei HDTV sind dann natürlich um einiges besser. Man muss sich vorstellen, da werden 16:9-Produktionen bei den Öffentlich-rechtlichen mit PAL-Plus gemacht, das allein imstande ist, die volle Zeilenzahl auf 16:9 zu bieten. Aber es wird kein einziger PAL-Plus-Fernseher verkauft. Die sind alle normal PAL. Da wird alles hochskaliert von 432 auf 576 Zeilen. Das sieht nicht besonders gut aus. Für richtiges PAL-Plus-Fernsehen im 16:9-Format gibt es kaum eine Sendung. Man kann in HDTV-Format senden mit 720 Zeilen, dann hat man wieder PAL-Plus-Qualität, sogar ein bisschen mehr, aber so viel mehr auch nicht. Wir haben doch schon längst PAL-Plus. Das wird aber nicht genutzt. Die Geräte wurden nicht verkauft, möglicherweise weil sie zu teuer waren. Stattdessen sollen wir uns jetzt neue Fernsehgeräte kaufen, weil es irgendwann HDTV geben soll.

Hat die Größe der Bildschirmdiagonale Einfluss auf die Bildqualität?

Das kommt immer auf den Betrachtungsabstand an. Wenn ich eine große Bilddiagonale habe und einen größeren Betrachtungsabstand, habe ich den gleichen Bildeindruck wie bei einer kleinen Bildschirmdiagonale und einem kleineren Betrachtungsabstand.

Die Fragen stellte Holger Mehlig von ap.

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