Hersteller peilt Platz zwei an
Microsoft baut wieder Mäuse für Spiele-Freaks

Das hat selbst gestandene Microsoft-Manager überrascht. Besonders spieletaugliche Mäuse, deren Produktion Microsoft eingestellt hatte, werden bei Ebay heute glatt über Neupreis verkauft. Grund genug für den Softwareriesen, nach nur drei Jahren reumütig wieder in das einst aufgegebene Geschäft mit Gamingzubehör einzusteigen. Das Kurzfristziel: Nummer zwei hinter dem Marktführer Logitech zu werden.

HB LEIPZIG. Mäuse für den Büroeinsatz und für Spieler unterscheiden sich wie Tag und Nacht. Im Büro reichen Einfachgeräte mit zwei oder drei Tasten und einem Rädchen für ein paar Euro, Spielermäuse sind dagegen Hightech-Maschinen, die schnell 100 Euro und mehr kosten. "Da kommt es auf jedes Detail an", sagt Sven Simon vom Marktführer Logitech. Logitech hat nach eigenen Angaben bei Gamingmäusen einen Marktanteil in Deutschland von rund 33 Prozent bei den Stückzahlen und 38 Prozent beim Umsatz.

Logitech hat vier ausgewiesene Mäuse für Spieler im Programm. Bei der über 90 Euro teuren G5 etwa kann über ein spezielles Magazin das Gewicht der Maus in Zwei-Gramm Schritten verändert werden, damit sie optimal in der Hand liegt. Auch die Auflösung der Abtasteinheit, die die Bewegung des Geräts auf dem Tisch und so die Position des Mauszeigers auf dem Bildschirm bestimmt, lässt sich anpassen. "Der Scharfschütze rennt zum Ziel - schnelle Bewegung mit minimaler Mausbewegung ist gefragt. Dann muss er zielen, das heißt ruhige Bewegung des Zeigers auch bei größeren Mausbewegungen", sagt der Logitech-Mann.

Profi-Gamingmäuse haben sogar textilummantelte Kabel, damit sie nicht an Tischkanten hängen bleiben und vielleicht die Bewegung verfälschen. Wie speziell die Klientel ist, musste auch Bill Jukes erfahren. "Gebrauchte Intellimouse Explorer 3.0 werden locker mit über 70 Euro auf Ebay gehandelt", sagt der Produktmanager Gaming Devices bei Microsoft in Seattle. Nachfragen in der Spielerszene hätten ergeben, dass dieser Maustyp besonders gut in der Hand gelegen habe. "Fast 80 Prozent der PC-Gamer nutzen heute noch Tastatur und Maus", sagt Jukes. Die Intellimouse Explorer 3.0 wird jetzt neu aufgelegt.

Das ist die Kehrtwende bei Microsoft nach drei Jahren Abstinenz. Zusammen mit der kalifornischen Firma Razer, die sich ausschließlich auf Gaming-Zubehör spezialisiert hat, wird im Oktober die neue und 60 Euro teure Maus "Habu" (Foto) auf den Markt kommen. Sie ist schon fast ein eigener kleiner Computer am Computer, mit eingebautem Speicher, der sich verschiedene Spieler-Profile merken kann. Als besondere Features gibt es zum Beispiel austauschbare Seitenteile. Microsoft will zusammen mit Razer kurzfristig weitere High-Tech auf den Markt bringen. Dabei werden alle zukünftigen Eingabegeräte von der Spielekonsole Xbox360 auch an den PC passen. Microsofts erklärtes Ziel ist seit langem, PC- und Konsolengaming zu vereinen. Windows soll noch dieses Jahr in den Online-Dienst Xbox Live eingebunden werden.

Der Markt für Luxus-Gamingzubehör jedenfalls scheint weit offen: Logitech stellt auf der Leipziger Spielemesse Games Convention ein 300 Euro teures Luxus-Steuerrad mit Lederbezug, abgesetztem Armaturenbrett und Pedalteil vor. Das 300 Euro teure Gerät werde sich weltweit 60 000-mal verkaufen, erwartet Produktmanager Simon.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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