High Definition Television geht in Deutschland auf Sendung
Fernsehsender preschen bei HDTV vor

Die Hersteller bringen Geräte für den Empfang der neuen hochauflösenden Programme erst im Dezember auf den Markt.

DÜSSELDORF. Gestochen scharfe Bilder, größere Tiefenwirkung, klarere Kontraste - HDTV soll die Wünsche der Fernsehzuschauer erfüllen. Das High Definition Television ist im Ausland bereits erfolgreich und geht nun auch in Deutschland auf Sendung. Mit Pro Sieben und Sat 1 schicken seit kurzem HDTV-Signale über Astra-Satelliten nach Deutschland. Aber noch kann sie niemand empfangen. Und zwar aus demselben Grund, weswegen auch Premiere den Start seiner drei HDTV-Programme auf den 3. Dezember verschoben hat: Es gibt noch keine Empfangsgeräte.

Die Lieferung der HDTV-Empfänger - MPeg4-Decoder genannt - hat sich verzögert und soll erst ab Dezember erfolgen. "Die Chipproduzenten konnten die zeitlichen Vorgaben der Sender nicht erfüllen", sagt Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Telekommunikationselektronik (GfU). Sie hatten nur 14 Monate Zeit, die neuen komplizierten HDTV-Chips zu entwickeln. Die Elektronikbaustein müssen durch das neue Kompressionsverfahren H.264 eine enorme Rechenleistung bereitstellen, um aus den digitalen Signalen ein Fernsehbild zu formen. Denn was HDTV so sehenswert macht, ist die hohe Auflösung, die das Fünffache an Bildpunkten bietet im Vergleich zum derzeitigen Fernsehen. Das heißt: Anstatt 720 mal 576 Pixel sehen die Zuschauer ein Bild mit 1 920 mal 1 080 Pixel. Außerdem setzt HDTV ausschließlich auf das Breitbildformat 16:9.

Ein anderes Problem kommt hinzu: Die technischen Anforderungen können bislang nur wenige Fernseher optimal umsetzen. Nur TV-Geräte mit dem EU genormten Zertifikat "HD-Ready" sind dazu in der Lage. Rund 20 Prozent der LCD- und Plasmafernseher, die 2005 verkauft werden, tragen das Zertifikat, sagt das Marktforschungsinstitut GfK. Doch auch Produkte mit dem Label verfügen nicht immer über eine zweite HDMI-Schnittstelle. Die erste ist für die hereinkommenden, die zweite Schnittstelle für herausgehenden Signale, mit denen man HDTV-Programme auch aufnehmen kann.

Dafür benötigen die Zuschauer oft aber zunächst einen neuen DVD-Recorder. Die bisherigen sind in der Regel nicht in der Lage, die datenreichen HDTV-Formate zu speichern. Und das geht auch nur bei Programminhalten ohne Kopierschutz. Michael Jachen, Pressesprecher bei Premiere gibt zu bedenken: "Die Lizenzgeber - also in der Regel die Hollywoodstudios - verlangen momentan für fast alle Kinofilme einen Kopierschutz. Nur Serien, Dokumentationen und Sport können auch ohne ausgestrahlt werden."

In Ländern wie USA, Japan oder Südkorea ist hochauflösendes Fernsehen bereits etabliert. Vor allem Südkoreas Wirtschaft profitiert von der neuen Fernsehtechnik. In dem Land sollen bis 2007 durch HDTV 130 000 neue Arbeitsplätze entstehen. Die Asiaten liefern HDTV-Geräte, Speicherchips oder Decoder.

Aber auch deutsche Hersteller rechnen mit einem wachsenden Umsatz. So sieht Roland Raithel, Konzernsprecher beim Fernseherhersteller Loewe, im HDTV einen großen Markt - allerdings erst in einigen Monaten: "Noch macht es keinen Sinn, Fernseher mit integriertem Receiver anzubieten, weil die Nachfrage zu gering ist. Aber im ersten Halbjahr 2006 dürfte diese deutlich anziehen." Den Durchbruch soll die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 bringen. Premiere überträgt die Spiele komplett im HDTV-Format.

Die Fußball-Spiele können dann aber nicht mehr mit konventionellen Kameras gedreht werden, sondern nur mit speziellen HDTV-Geräten. Das macht die Umstellung auf HDTV vor allem für Fernsehsender teuer, die viel selbst drehen. Sollen auch Serien und Spielfilme in bester HDTV-Qualität ausgestrahlt werden, dann müssen die Originale vorher bearbeitet werden. Diese zu bekommen und die Rechtefragen zu klären, kann aber teuer werden. Daher werden ProSieben und Sat.1 zunächst meistens keine echte HDTV-Qualität senden, sondern das bisherige Material leicht aufgepäppelt. Bis Zuschauer in Deutschland also ihr alltägliches Fernsehprogramm hochaufgelöst zu sehen bekommen werden, dürfte noch einige Zeit vergehen.

Thorsten Giersch
Thorsten Giersch
Chefredakteur Business bei der Verlagsgruppe Handelsblatt / Geschäftsführer digital bei planet c
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%