High-Tech-Filiale auf Rädern
Die Bank kommt zum Kunden

Am Freitag hat Karl Heinz Flessau seinen großen Tag. Dann feiert der Chef der Kreissparkasse Euskirchen den 150. Geburtstag seines Instituts – und bringt das schönste Geschenk gleich selbst mit: 13 Meter lang, 600 000 Euro teuer, acht Räder dran – eine mobile Bankfiliale. An offenen Mündern vorbei will er den silbernen Sattelzug in die Euskirchener Innenstadt rollen.

HB KÖLN. „Innen ist alles vorhanden, was zu einer echten Filiale gehört“, sagt der 59-jährige Vorstandsvorsitzende mit diebischer Vorfreude. Das Fahrzeug ist völlig autark – von der Stromversorgung über Abwasser, Klimatechnik bis hin zur satellitengestützten IT-Anbindung an das Rechenzentrum. Die Euskirchener Bank auf Rädern geht weit hinaus über bisherige Experimente. „Hässliche Kisten, wo jemand hinter Panzerglas sitzt“, waren das früher. „Pommesbuden oder bessere Geldwechselstellen – in keiner Weise dialogorientiert“, findet Flessau. Das neuartige Fahrzeug dagegen entspreche einer vollwertigen Niederlassung mit repräsentativem Chic.

Im Auflieger des Sattelzugs, der über einen ausklappbaren Lift auch für Rollstuhlfahrer zugänglich ist, erwarten zwei Mitarbeiter die Kunden an einem offen gestalteten Schalter-Kasse-Arbeitsplatz. Hier finden Kunden einen Kontoauszugsdrucker und sind umgeben von High-Tech-Equipment: Das Geld verwahrt ein automatischer Tagestresor mit Fingerprintsensor. Ein Überfall sei zwecklos, beteuert Flessau: „Da ist es einfacher, einen Geldautomaten aus der Wand zu reißen.“ Die mehrfach redundanten Sicherheitssysteme – darunter zig Alarmgeber, Crash-Sensoren, Wegfahrsperren und ein Seenot-Ortungssystem – haben offenbar auch die Prüfer überzeugt: Die Provinzial Düsseldorf versichert das Mobil wie eine stationäre Geschäftsstelle.

Für sensiblere Gespräche bietet ein zweiter Raum mehr Diskretion. Außen ist ein Wincor-Nixdorf-Geldautomat in ergonomischer Höhe eingelassen. „Wir werden äußerst flexibel und können so auch mit der für uns attraktiven Generation 50+ in Kontakt bleiben“, sagt Flessau.

Ob Kundenservice vor dem Altenheim, Bargeldversorgung auf dem Schützenfest oder Immobilienberatung direkt auf der Baustelle – das Fahrzeug sei eine rollende Litfasssäule. „Die Betriebskosten sind allein durch die Werbewirkung schon drin“, sagt Flessau und rechnet weiter: Würde nur eine der zurzeit 36 Geschäftsstellen geschlossen, wären die Investitionen in die mobile Filiale wieder eingespielt. Im spärlich besiedelten Kreis Euskirchen, der halb so groß ist wie das Saarland, helfe die rollende Bank, die flächendeckende Kreditversorgung sicherzustellen – wie vom Sparkassengesetz gefordert.

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