Hochleistungsnetze für digitale Unterhaltung
Heiße Pflaster im Glasfaserkrieg

In deutschen Großstädten tobt ein milliardenteurer Glasfaserkrieg. Die Rivalen der Deutschen Telekom bauen eigene Hochleistungsnetze auf. Köln und Hamburg machen den Anfang. Die Frage ist: Wer gewinnt den Kampf ums Internet?
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DÜSSELDORF. Werner Hanf freut sich schon auf den ersten Spatenstich. Irgendwann im April oder Mai, wenn alle Genehmigungen der Stadtverwaltung vorliegen, will der Chef des Kölner Regionalanbieters Netcologne den Baubeginn des schnellsten Glasfasernetzes in Deutschland feiern. Mitten im Belgischen Viertel, dem Szenestadtteil zwischen Millowitsch-Theater und Stadtgarten, wird Hanf in die Baugrube steigen. Seine Leute werden neue Glasfaserkabel bis in jedes Haus verbuddeln. Hanf muss dann keinen Meter mehr vom Telekom-Netz mitbenutzen. Und die Kunden haben dann die Wahl zwischen zwei völlig unabhängigen ultraschnellen Glasfasernetzen.

Netcologne, erfolgreichster alternativer Festnetzbetreiber in der Domstadt, erklärt der Deutschen Telekom den Glasfaserkrieg. Es geht dabei um nichts weniger als um die Macht im Internet: Wer versorgt die Bürger mit ultraschnellen DSL-Anschlüssen per Glasfaser? Wer beliefert sie mit dem wachsenden Angebot digitaler Unterhaltung? In einem riskanten Spiel mit Milliardeninvestitionen kämpft der im Festnetz lange Zeit schier uneinholbar in Front liegende Ex-Monopolist Deutsche Telekom mit Regionalanbietern wie Netcologne um eine der letzten großen Wachstumschancen der Telekombranche. Köln ist erst der Anfang.

Jahrelanges Hickhack um Anschluss- und Leitungsmieten führten dazu, dass sich Netcologne schon in den vergangenen Jahren weit gehend vom Telekom-Festnetz abgenabelt hat. Jetzt geht Hanf auch noch den letzten Schritt. Vorstand und Aufsichtsrat von Netcologne haben entschieden, die letzten Verbindungen zur Telekom zu kappen und noch mehr eigene Glasfaser zu verlegen. "Wir wollen uns vollständig von der Deutschen Telekom emanzipieren", kündigt Hanf an.

Die Deutsche Telekom lässt Netcologne keine andere Wahl. Der Marktführer will in 50 deutschen Großstädten ein neues Supernetz mit hoher Bandbreite bauen - die Voraussetzung dafür, dass künftige Multimediaangebote überhaupt in die Wohnzimmer kommen. Doch die Investition von 3,3 Milliarden Euro knüpft Telekom-Chef Kai Ricke-Uwe an die Bedingung, dass Konkurrenten wie Netcologne in der Startphase keinen Zugang bekommen. "Wir wollen nicht regulatorisch gezwungen sein, diese Infrastruktur für fremde Dritte zu öffnen", fordert Ricke. "Bei falschen Rahmenbedingungen ist eine Investition in dieser Form nicht zu vertreten."

Die scheinbar absurde Konsequenz: In Köln und anderen Städten werden bald mehrere Glasfasernetze parallel verlegt.

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