Höhere Mathematik kann historischer Bücher für die Nachwelt erhalten
Scanner mit digitaler Lesebrille

Mittels komplexer mathematischer Verfahren sollen historische Bücher verzerrungsfrei digitalisiert werden, ohne sie zu zerstören.

hiz DÜSSELDORF. Die Forscher von Xerox haben jetzt ein Verfahren vorgestellt, das es ermöglicht, gebundene Vorlagen zu digitalisieren und dabei automatisch Verzerrungen zu eliminieren.

Die elektronische Erfassung historischer Bücher bietet alle Möglichkeiten, um große Buchbestände in relativ kurzer Zeit dauerhaft zu sichern. Zudem gestatten elektronische Archive, historische Dokumente über das Internet einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Zudem sind die existierenden Bestände gefährdet. In nahezu allen Bibliotheken verrotten historische Exemplare mit hoher Geschwindigkeit. Vor allem die “sauren" Papiere, die in den vergangenen 100 Jahren in der Buchproduktion verwendet wurden, sind das Sorgenkind der Forscher, da sie in kürzester Zeit buchstäblich zu Staub zerfallen. Zudem verbrannten zu Beispiel in der Nacht vom 2. auf den 3. September 2004 bei dem Großbrand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar rund 50 000 historische Bücher und seltene Drucke. Sie gingen damit der Nachwelt unwiederbringlich verloren. Etwa 66 000 Bände aus den vergangenen 400 Jahren wurden mit teils schweren Brand- und Wasserschäden geborgen.

Neben der Restaurierung angegriffener Originaldokumente zählt die Digitalisierung von Büchern heute als das wichtigste Instrument, um das kulturelle Erbe einer Gesellschaft zu bewahren. Ein großes Problem stellt beim Scannen die Breite und Beschaffenheit des Buchrückens dar, genauer gesagt die Krümmung der Buchseiten im aufgeschlagenen Zustand. Durch die Bindung sind sowohl bei alten Folianten als auch neuen Paperbacks die ersten Buchstaben einer Zeile nur mit roher Gewalt, also dem weiten Aufbiegen des Buchrückens, klar lesbar - eine Behandlung, die sich bei historischen Büchern schlicht verbietet. Beispielsweise würde kaum jemand auf die Idee kommen, eine Gutenbergbibel auf einen Auflagenscanner zu legen, um den Text einzulesen.

Um diese Buchstaben für einen Scanner sicht- und lesbar zu machen, greifen Wissenschaftler in die Trickkiste der höheren Mathematik. Zu scannen wurden spezielle Aufsichts-Scanner entwickelt, bei denen das aufgeschlagene Buch von oben durch eine spezielle Kamera mit besonderem Licht “abfotografiert" wird. Mit Hilfe eines mathematischen Algorithmus werden die natürliche Krümmung der Buchseiten sowie fehlende Bestandteile von Buchstaben beim Erfassen der Seite ausgeglichen.

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