Hoher Startpreis
Sony gibt Playstation für 499 Euro ab

Sonys neue Videospielekonsole PS3 wird ab November in ihrer günstigsten Version mit Festplatte in den USA 499 Dollar kosten und in Europa 499 Euro. Das erklärte Kaz Hirei, USA-Chef von Sony Computer Entertainment, am späten Montagabend in Los Angeles. Der Preis liegt damit um 100 Dollar über dem des wichtigsten Konkurrenzprodukts Xbox360 von Microsoft in vergleichbarer Ausführung.

LOS ANGELES. Die Aktienmärkte zeigten sich nach der Ankündigung verunsichert. Sony-Aktien gaben in Tokio um 0,9Prozent auf 5 610 Yen nach. Der Grund: Für Sony geht es in diesem Krieg der Konsolen um mehr als nur um Videospiele. Der Vorgänger der PS3 - die mittlerweile weltweit rund 104 Millionen Mal verkaufte PS2 - war zuletzt der größte einzelne Gewinnbringer im Konzern und hat in besten Zeiten über 50 Prozent des Gewinns erwirtschaftet.

Bei einem zu hohen Startpreis könnte die High-Tech-Konsole jetzt gegen den aggressiven Neuling Microsoft verlieren. Microsoft hatte bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen bereits angekündigt, selbst um den Preis höherer Verluste den Absatz seiner Xbox360 ankurbeln zu wollen.

Bis Ende Juni sollen bis zu 5,5 Millionen Xbox360 verkauft sein, zum Start der Sony-Konsole will Microsoft an der Zehn-Millionen-Marke kratzen. Sony wird zum Start - 11. November in Japan und 17. November im Rest der Welt - zwei Millionen Konsolen weltweit in den Handel bringen. Bis Jahresende sollen dann weitere zwei Millionen Stück dazu kommen. Das erklärte Amerika-Chef Hirai auf einer mit rund 2 500 Teilnehmern voll besetzten Veranstaltung in den Studios der Filmtochter Sony Picture Entertainment in Culver City.

Die Nähe zur Filmindustrie ist nicht ganz zufällig. Ein Erfolg der PS3 ist noch aus einem anderen Grund von enormer Tragweite für Sony. Sie soll gleichzeitig der neuen DV-Technik Blu-Ray zum Durchbruch verhelfen. Blu-Ray kann Filme in hochauflösender Kinoqualität speichern und steht in scharfem Wettbewerb mit dem Format HD-DVD von Toshiba, das vor allem von Microsoft gestützt wird. Ein HD-DVD-Laufwerk für die Xbox360 gibt es allerdings noch nicht.

Ein Fehlstart der PS3 würde also direkt das wichtige Zukunftsgeschäft HD-Heimkino in Mitleidenschaft ziehen, ein Erfolg hingegen der Koalition Toshiba/Microsoft einen Schweren Schlag versetzen.

Wie das Rennen ausgeht, ist völlig offen. Marktforscher wie David Mercer von Strategy Analytics gehen weiter davon aus, dass Sony trotz des späten Starts die Nase vorne behalten wird. Er schätzt, dass die technisch überlegene Sony-Konsole bis 2012 rund 120 Millionen mal verkauft werden und 65 Prozent Marktanteil halten wird.

Mike Goodman von Yankee Research glaubt dagegen, dass Sony auf 45 Prozent zurückfallen und Microsoft auf 40 Prozent wird zulegen können. "Die sind diesmal weit voraus", sagt Goodman.

Sony kündigte in Los Angeles zudem eine zweite Version der PS3 mit größerer Festplatte für 599 Dollar (Europa: 599 Euro) an sowie kostenfreie Onlinedienste wie Banking oder Videochat.

Nintendo präsentierte am Dienstag als letzter Akteur Details zum Start seiner neuen Konsole "Wii". Das Gerät soll im vierten Quartal 2006 auf den Markt kommen und weniger kosten als die Konkurrenzmodelle, sagte Reggie Fils-Aime, Vizepräsident für Marketing bei Nintendo USA. Der Vorgänger "Gamecube" war zuletzt im Kampf Sony gegen Microsoft zerrieben worden und auf knapp 13 Prozent Marktanteil zurückgefallen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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