Hype-App Das steckt hinter dem Hype um den Instagram- und Facebook-Herausforderer Vero

Werbefrei und ohne Algorithmen: Die Smartphone-App Vero will anders sein als Facebook, Instagram & Co. Doch ist sie das auch? Die wichtigsten Antworten.
Update: 28.02.2018 - 17:31 Uhr Kommentieren
Vero will Facebook, Instagram und Co. Konkurrenz machen Quelle: dpa
Neue App „Vero“

In den vergangenen Tagen hatten einige Prominente und Influencer ihren Beitritt zu Vero verkündet.

(Foto: dpa)

BerlinDas neue Facebook, das neue Twitter, das neue Instagram: Seit Tagen wird die Smartphone-App Vero als Nachfolger bekannter sozialer Netzwerke gehandelt. Tatsächlich ist die Anwendung eine Art Mischung bisheriger Angebote, die alles, was die Nutzer dort nervt, besser machen will. Doch nach Einschätzung von Experten bietet die App nicht wirklich etwas Neues.

Was ist an Vero anders?

Keine Werbung. So will das Netzwerk vor allem junge Nutzer ansprechen, die sich durch Werbeeinblendungen belästigt fühlten. Noch ist die App gratis: Die ersten 1 Million Nutzer können die App umsonst herunterladen, ab dann muss gezahlt werden. Von einer geringen Jahresgebühr in Höhe von etwa ein bis zwei Euro ist die Rede. Auf diese Weise will sich Vero finanzieren – und eben gewährleisten, nicht von Werbeanzeigen abhängig zu sein.

Außerdem: Kein Algorithmus. Instagram und Facebook zeigen die Beiträge der Nutzer im News-Feed nicht chronologisch an. Stattdessen werden sie von einem Algorithmus sortiert: Als erstes sieht jeder User die Beiträge, von denen der Algorithmus annimmt, dass diese für ihn besonders interessant sind. Andere Beiträge werden herausgefiltert. Somit können die Nutzer nicht alles sehen, was in ihrem persönlichen Netzwerk tatsächlich gepostet wird: etwas, das sehr viele Nutzer ärgert.

Ist das wirklich neu?

Nein: „Die Besonderheiten von Vero sind eigentlich alles Dinge, die Facebook, WhatsApp oder Instagram früher auch hatten“, sagt der Kölner Social-Media-Experte und Wirtschaftsjurist, Felix Beilharz. „Auch Facebook hat früher ohne Algorithmus funktioniert. Ab einer bestimmten Größe geht das aber nicht mehr, weil die User dann täglich Tausende Beiträge in ihrem Feed hätten“, so Beilharz. Werbefrei seien auch Facebook, Twitter und Instagram zu Beginn gewesen.

Wird Vero bleiben?

Vermutlich nicht: Experte Beilharz prognostiziert dem Newcomer kein langes Überleben. Vero sei schlicht zu ähnlich im Vergleich zur Konkurrenz: „Es kann daher gut sein, dass das in einem halben Jahr wieder vorbei ist.“ Ähnlich erging es bereits Apps wie Ello vor rund zwei Jahren oder Mastodon im vergangenen Jahr.

Was ist mit dem Datenschutz?

Auch bei diesem Thema gibt es Bedenken. So verlangt Vero zur Anmeldung zwingend eine Telefonnummer – unter anderem um die Echtheit der Nutzer zu überprüfen, so die Begründung. „Es ist natürlich fragwürdig, ob das sinnvoll ist“, sagt Karola Elbrecht, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale. Besonders ärgerlich sei es, dass man vor dem Herunterladen nicht darüber informiert werde.

Woher kommt der Hype?

In den vergangenen Tagen hatten einige Prominente und Influencer ihren Beitritt zu Vero verkündet – in Deutschland unter anderem der Sänger Casper und der Moderator Klaas Heufer-Umlauf mit seiner neuen Sendung „Late Night Berlin“. Allerdings melden sich auf Twitter auch vermehrt Nutzer zu Wort, die sich schon wieder von Vero verabschieden. Unter dem Hashtag #deletevero (Vero löschen) posten viele ihre Absage an das gehypte Netzwerk – auch weil sie den Machern der App misstrauen.

Wer sind denn überhaupt die Macher?

Vero gibt es schon seit 2015. Hinter der App steht der umstrittene Milliardär Ayman Hariri, Sohn des ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafic Hariri. Aus Frustration mit den bisherigen Netzwerken habe er Vero damals gegründet, heißt es auf der Homepage des Unternehmens. Bis jetzt hatte sich allerdings niemand für die App interessiert.

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