„I hate AMD“
Intel attackiert Konkurrenten mit Vier-Kerne-Chips

Intel will mit ersten Vier-Kerne-Prozessoren seinen Anspruch als Technologieführer gegen die wachsende Konkurrenz behaupten. Noch in diesem Jahr will der weltgrößte Chiphersteller die ersten Prozessoren mit vier „Herzen“ auf den Markt bringen.

dpa SAN FRANCISCO. In der Entwicklung neuer Technologien für immer leistungsfähigere Rechenbausteine verschafft sich das Unternehmen damit einen zeitlichen Vorsprung vor dem Konkurrenten AMD von rund einem halben Jahr. Doch selbst scheint der Chipgigant an seine technologische Überlegenheit nicht recht zu glauben. Auf dem hauseigenen Intel Developer Forum (IDF) in San Francisco diese Woche gab es kaum einen Vortrag, der ohne einen offenen Seitenhieb gegen AMD auskam.

Die ersten „Core zwei Quatro“-Prozessoren von Intel werden noch im November dieses Jahres verfügbar sein, kündigte Intel-Chef Paul Otellini an. Der „Core zwei Extreme“ ist speziell für eingefleischte Computer-Spieler konzipiert und soll zum Beispiel im Vergleich zu seinem Vorgänger eine um 67 Prozent höhere Leistung erbringen. Im Frühjahr 2007 sollen dann auch für den Einsatz in Servern Vierkerne- Prozessoren der Reihe Xeon sowie der „Core zwei Quad“ für den Massenmarkt folgen. Moderne Chips, die mit mehreren Kernen arbeiten, können einfacher und schneller verschiedene Aufgaben gleichzeitig bearbeiten. Damit können etwa Programme wie ein Media-Player oder eine Tabellenkalkulation unterbrechungsfrei genutzt werden, auch wenn im Hintergrund rechenintensive Anwendungen wie Antivirenprogramme laufen.

Trotz der eindrucksvollen Leistungsschau des Chipriesen ließ es sich selbst der Technik-Chef des Unternehmens nicht nehmen, in seiner Eröffnungsrede den kleineren Konkurrenten AMD offen zu attackieren. Bei der Vorstellung der neuen Xeon-Prozessoren fand Justin Rattner demonstrativ einen Opteron-Chip des Wettbewerbers im Papierkorb mit der Aufschrift „für veraltete Technologie“ - erntete mit dem Gag unter dem Fachpublikum allerdings nur vereinzelte Lacher. Und bei einem direkten Vergleichstest des neuen Vierkerne-Chips Xeon und dessen integrierter Sicherheitstechnologie mit Amds Opteron gab Intel-Manager Pat Gelsinger bei einer Demonstration als Passwort „I hate AMD“ (Ich hasse AMD) ein.

Die offen zu Tage getragene Feindschaft könnte ein Indiz dafür sein, dass der Weltmarktführer durch die erstarkte Konkurrenz weiter unter Druck steht, schätzen Branchenbeobachter. Im Wettrennen um die ersten Doppelkern-Prozessoren für den Einsatz in Servern im vergangenen Jahr hatte AMD die Nase vorn und überrundete seinen großen Rivalen. Im vergangenen Herbst hatte Intel den Start seiner Server-Doppelkerne kurzfristig um einige Monate vorverlegt, um dem Wettbewerber nicht noch weitere Marktanteile abtreten zu müssen. AMD hatte im lukrativen Servermarkt durch seinen zeitlichen Vorsprung in nur wenigen Monaten den Marktanteil um einige Prozentpunkte ausbauen können. Der Umsatz war bei dem Chiphersteller im Schlussquartal 2005 um 45 Prozent auf 1,84 Mrd. Dollar geklettert.

AMD will sich mit seinen ersten Vier-Kerne-Prozessoren unterdessen noch Zeit bis zum nächsten Jahr lassen. Anders als der Marktführer will das Unternehmen auch andere Ko-Prozessoren etwa für aufwendige Grafik auf dem Chipsatz integrieren und damit für ein ausgewogeneres Verhältnis von Prozessorleistung und Energieverbrauch sorgen. Der Chipbauer hatte erst kürzlich mit ATI Technologies einen Hersteller für Grafik-Koprozessoren übernommen. Zudem sollen auf den kommenden AMD-Chips vier separate Kerne ihren Dienst tun, die jeweils einen eigenen Zugang für den Datentransfer besitzen. Bei den Intel-Chips teilen sich dagegen jeweils zwei Doppelkerne einen Zugang (Bus).

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