Ifa in Berlin
Der eine klotzt, der andere kann nur kleckern

Deutsche Fernseher sind 2006 auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin nur noch Raritäten. Lediglich drei heimische Marken werden heute hierzulande produziert.

BERLIN. Im Erdgeschoss, dort wo sich die Besucher drängen, hat Loewe einen 100 Meter langen Stand aufgebaut. In einer ganz in glänzendem Weiß gehalten Umgebung präsentiert der fränkische Fernsehgeräteproduzent seine schicken Flachbildapparate in langen Reihen - fünf Meter hoch bis unter die Decke. Das Unternehmen aus Kronach hat auf der Funkausstellung in Berlin nicht gekleckert, Loewe hat geklotzt. "Wir wollen Europas führender Anbieter von Home-Cinema-Lösungen sein", sagt Loewe-Chef Rainer Hecker voller Selbstbewusstsein.

In derselben Halle, zwei Etagen weiter oben. In einem tristen, grauen Saal gleich neben dem Pressezentrum, steht Norbert Kotzbauer im Schein der Neonröhren. Kotzbauer fehlt ein elegantes Schaufenster, wie es Loewe bietet, er hat nicht mal einen Stand. "Der Aufwand für die Funkausstellung war für uns dieses Jahr nicht machbar", muss der Geschäftsführer der Zirndorfer Metz-Werke eingestehen. Er kann sich nur eine Pressekonferenz leisten, ein paar Schnittchen inklusive.

So verschieden sieht der Welt der letzten deutschen Fernsehgeräteproduzenten aus. Gerade mal drei Hersteller produzieren noch im eigenen Land: Loewe, Metz und Technisat. Firmen wie Samsung oder Sharp haben die einheimischen Hersteller längst meilenweit abgehängt. Dabei gehörten die Fernseher von Firmen wie Metz schon zum Inventar deutscher Wohnzimmer, als sich die Menschen in Asien noch gar keine solchen Apparate leisten konnten. Doch das ist Geschichte. 103 Mill. Euro Umsatz hat Metz vergangenes Jahr erwirtschaftet - ein Witz verglichen mit den Milliarden, die führende Anbieter aus Fernost scheffeln.



Ob Telefunken, Saba oder Grundig

Trotzdem sieht Kotzbauer nicht unglücklich aus. Denn er weiß, dass es Metz weiter gebracht hat als die meisten anderen, einst so großen Namen der deutschen Unterhaltungselektronik. Ob Telefunken, Saba oder Grundig: Die Marken sind heute kaum mehr als ein Aufkleber auf dem Gehäuse. Eigene Fabriken haben sie längst nicht mehr, sie sind fest in ausländischer Hand.

Ganz anders Metz. "Wir produzieren dort, wo unser Hauptabsatzmarkt ist", sagt Kotzbauer. Und das ist Deutschland. Nur neun Prozent der Ware geht ins Ausland. Das Metz-Werk steht in Zirndorf, einige Kilometer vor den Toren Nürnbergs. "Mit Tradition in die Zukunft", ruft Kotzbauer den Journalisten zu. Wie das aussieht, zeigt sich auf der schmalen Produktpräsentation neben der Bühne der Ifa-Pressekonferenz: Als einer von ganz wenigen Herstellern traut sich Metz noch, ein Bildröhrengerät vorzustellen. Alle anderen setzten auf Flachbildschirme.

Und doch: Kotzbauer ist überzeugt, dass die 68-jährige Geschichte von Metz noch lange nicht zu Ende ist. Seine Firma biete genau die Fernseher, die in Deutschland gefragt seien, sagt er und präsentiert Umfragen, die Metz in der Gunst der Fachhändler ganz oben sehen.

Loewe hält sich schon längst nicht mehr mit den klobigen Bildröhrengeräten auf. Nach drei schwierigen Jahren will sich das börsennotierte Unternehmen jetzt wieder mit gutem Design und modernster Technologie bei einer zahlungskräftigen Klientel ins Gespräch bringen. Der elegante Auftritt in Berlin ist dabei so ziemlich das genaue Gegenteil der Strategie von Metz.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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