IFA-Kommentar: Herkömmliche Fernseher trotz HDTV kein Elektroschrott

IFA-Kommentar
Herkömmliche Fernseher trotz HDTV kein Elektroschrott

High-Definition-Fernsehen (HDTV) ist auch zum Ende der Internationalen Funkausstellung das Thema Nummer Eins der Messe in Berlin. Alle sind scharf auf scharfe Bilder.

Zugegeben, die neuen HDTV-Displays sind schick, schlank und bieten ein wahrlich brillantes Bild. Wer auf der IFA einmal die neue Technik im direkten Vergleich zum aktuellen PAL-Standard gesehen hat, wird daran nicht mehr zweifeln. 2 Millionen statt 400 000 Bildpunkte lautet die Devise. Doch neben dem Glanz der neuen Riesen-Flundern und den vollmundigen Versprechungen der Branche gibt es Schattenseiten.

Zunächst einmal bringt die neue Fernsehwelt etwas mit, was wir bislang in diesem Umfeld nicht kannten: Einen radikalen Kopierschutz. HDCP (High Bandwidth Digital Content Protection) wird dafür sorgen, dass einzelne HDTV-Programme nicht ohne weiteres aufgezeichnet werden können. In der analogen Video-Welt war das nie ein Problem. So will Hollywood seine Pfründe sichern - und Sender wie Premiere haben kaum eine andere Wahl, als sich dem zu beugen.

Zweitens wird - wenn denn überhaupt eine Kopie möglich ist - für echten HD-Genuss ein neues Aufnahmemedium benötigt. Die etablierte DVD bietet nicht genügend Speicherplatz für die Datenflut der High-Definition-Bilder. Jedoch kann sich die Industrie auf keinen einheitlichen Nachfolge-Standard einigen. Im Rennen sind Blue-ray und HD-DVD - beide wollen die aktuellen Silberlinge beerben. Ab dem kommenden Jahr soll es erste Produkte im deutschen Handel geben, die zunächst bis zu 45 Gigabyte Daten auf eine Scheibe bannen können. Problem: Blue-ray und HD-DVD sind untereinander nicht kompatibel. Ein Ende des Streits ist kaum absehbar. Wer auf das falsche Pferd setzt, könnte am Ende allein dastehen. Da wundert es nicht, dass Samsung bereits einen Kombi-Brenner in Aussicht gestellt hat, der sich sowohl auf Blue-ray als auch HD-DVD versteht. Kleiner Trost: Zumindest sollen alle neuen Geräte weiterhin CDs und DVDs abspielen können.

Hinzu kommt: der digitale Bilderrausch ist alles andere als billig. Über tausend Euro gehen schnell für einen großen Flachbildschirm über die Ladentheke. Wer dieses Geld locker im Portemonnaie sitzen hat, kann bei Geräten mit dem Gütesiegel "HD ready" natürlich ohne Bauchschmerzen zugreifen. Doch noch geht es ebenso ohne "High Definition", sendet bislang doch kein deutsches Programm in dem Format. Das ändert sich erst im November, dann sind Pro Sieben und Sat1 sowie Premiere am Start. In die Schuldenfalle sollte aber kein Konsument für die televisionäre Zukunft tappen, viele der derzeit in den Wohnzimmern flimmernden Kisten gehören nicht automatisch zum Elektroschrott. Immerhin ist die rund 40 Jahre alte PAL-Fernseh-Norm gut genug, um Millionen Verbraucher - ohne den direkten Bilder-Vergleich - von der Qualität aktueller DVD-Filme zu überzeugen. Unerträglich unscharf und antiquiert ist etwas anderes.

Wenn dann wirklich die Zeit für ein neues Gerät gekommen ist und Sender auch Filme hochauflösend über den Äther schicken - warum nicht HDTV. Finanziell macht sich etwas Geduld jedenfalls bezahlt. Die Geräte-Preise werden purzeln. Soviel ist sicher!

Frank L. Niebisch
Frank L. Niebisch
Handelsblatt GmbH - Digitale Geschäftsfelder / Leiter Digitale Architektur und Entwicklung
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