E-Postbrief De-Mail Telekom greift Post zum Ifa-Start an

Telekom und 1 & 1 greifen Konkurrenzprodukt der Post an und wollen den Brief ablösen. Das Konkurrenzprodukt De-Mail startet zur Ifa. Zwei Großkunden können die Telekommunikations-Provider bereits vorweisen.
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De-Mail-Werbung der Telekom auf der Cebit 2012. Das Konkurrenzprodukt zum E-Post-Brief der Deutschen Post startet zur Ifa. Quelle: dpa

De-Mail-Werbung der Telekom auf der Cebit 2012. Das Konkurrenzprodukt zum E-Post-Brief der Deutschen Post startet zur Ifa.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie Partner Deutsche Telekom und 1 & 1 machen Ernst mit ihrem seit langem angekündigten sicheren E-Mail-Service: Wie Vorstände beider Unternehmen dem Handelsblatt bestätigten, startet das unter "De-Mail" laufende Projekt Ende August pünktlich zur Internationalen Funkausstellung, Ifa, in Berlin. Von Beginn an beteiligt sind die Großkunden Allianz und Targo-Bank, weitere 40 Großunternehmen testen derzeit das rechtsverbindliche E-Mail-System. Telekom-Kunden können damit ab der kommenden Woche vertrauliche Dokumente an Behörden und Firmen verschicken oder diese empfangen.

Die Telekom und 1 & 1 stoßen in einen Milliardenmarkt vor, der schon lange Begehrlichkeiten weckt: Knapp zehn Milliarden Euro geben die Deutschen Jahr für Jahr für das Porto ihrer Briefe aus, trotz der vielen E-Mails und SMS-Nachrichten, die jeder zusätzlich über das Internet verschickt. Dass sich der klassische Brief im Zeitalter der Digitalisierung überholt haben könnte, ahnte die Deutsche Post schon vor zwei Jahren und schickte ihre elektronische Variante - den E-Postbrief - ins Rennen. Die Erwartungen von Telekom und 1 & 1 an die De-Mail sind hoch: 1 & 1-Vorstand Jan Oetjen verspricht sich davon nicht weniger als die "Digitalisierung der Briefkommunikation".

Schriftwechsel per Papier ist ein Auslaufmodell

Doch bevor es so weit ist, muss kräftig die Werbetrommel gerührt werden. Zwar haben sich schon 1,5 Millionen Privatpersonen und eine fünfstellige Zahl von Unternehmen zum Start bei 1 & 1 und der Telekom registrieren lassen. Für den Durchbruch reicht das aber nicht. In einer zweiten Welle werde die De-Mail den Markt aufrollen, so die Hoffnung. "Das kann im nächsten Jahr oder später passieren", sagte der Deutschland-Chef der Telekom, Niek Jan van Damme, "der Schriftwechsel per Papier ist jedoch ein Auslaufmodell."

Die besten Freemail-Anbieter
MAILBOXES
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Die elektronische Post landet heute häufig nicht mehr im E-Mail-Postfach des Providers, sondern bei unabhängigen Anbietern wie Google Mail, GMX oder Hotmail. Der Vorteil: Die E-Mail-Adresse bleibt immer gleich, auch wenn der Internet-Provider gewechselt wird. Die „Computer Bild“ hat zehn Gratis-Postfächer getestet. Die Freemail-Dienste wurden nach den Kriterien Ausstattung des E-Mail-Kontos (40 Prozent der Gesamtwertung), Ausstattung von Cloud-Diensten (16 Prozent), Zusatzfunktionen (10 Prozent), Bedienung und Service (10 Prozent), Sicherheit (14 Prozent) und Recht & Datenschutz (10 Prozent) bewertet.

Web.de
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Der zehnte und letzte Platz in dem Test geht an Web.de. Negativ fiel den Tester hier vor allem die schlechte Ausstattung des E-Mail-Kontos (4,16) auf. In der Gesamtsumme der Rubriken kommt Web.de auf eine Note von 3,32. Für den limitierten E-Mail-Abruf und die teilweise im Test um Stunden verspätete Zustellung gibt es jeweils einen halben Notenpunkt Aufschlag. So reicht es in der Wertung nur für eine 4,32 im Schulnotensystem. Web.de nervt wie der andere deutsche Anbieter GMX vor allem durch Spam den Anbieters, der sich nicht unterdrücken lässt. Zudem ist der für E-Mails und Anhänge zur Verfügung stehende Speicher verglichen mit US-Anbietern wie Hotmail, Google Mail oder Yahoo extrem gering.

huGO-BildID: 26445671 A sign for a Vodafone store is pictured in central London on May 22, 2012. British mobile phone giant Vodafone on Tuesday said
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Rang neun geht an den E-Mail-Dienst von Vodafone. Hier kostet unter anderem die fehlende Cloud-Anbindung Punkte. Dabei bewertete die „Computer Bild“ beispielsweise, ob Anhänge direkt im Browser angezeigt werden können oder Apps für Smartphones vorhanden sind. Während Web.de wenigstens eine vorbildliche Sicherheit aufweisen kann (Note 1,43. Beste Wertung in dieser Rubrik), kann Vodafone in keiner Einzelwertung überzeugen. In der Summe bewerten die Tester Vodafone mit 3,68. Da der Dienst allerdings ein Virus beim Senden nicht erkannt hat, gibt es eine halbe Note Aufschlag: 4,18.

Den Vodafone-E-Mail-Dienst gibt es nur für Vertragskunden.

Quartalszahlen Kabel Deutschland
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Auch für Kabel Deutschland gibt es in der Summe nur ein "ausreichend", genauer gesagt eine 3,92. Am besten schneidet Kabel Deutschland bei Recht & Datenschutz ab, am schlechtesten bei der Cloud. Wer seine Mails über POP3 in einem E-Mail-Programm abruft, der kann das beispielsweise nur 96 Mal am Tag. Zudem hat das Postfach wie Vodafone ein Virus beim Senden nicht erkannt. Damit reicht es in der Wertung zu Rang acht.

Den Kabel Deutschland-E-Mail-Dienst gibt es nur für Vertragskunden.

GMX
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Etwas besser schneidet GMX ab. In den Einzelwertungen liegt GMX stets bei "befriedigend" und "ausreichend", also ohne große Stärken und Schwächen. Wie bei allen bisherigen Anbietern fehlt beispielsweise ein Push-Service für Smartphones. Ein großes Manko gibt es bei der Sicherheit: Für das standardmäßig unverschlüsselte Anmelden gaben die Tester eine halbe Note zusätzlich. Damit kommt GMX auf eine Bewertung von 3,88, was Rang sieben bedeutet.

Symbolbild T-Online und Deutsche Telekom
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Ab jetzt wird es "befriedigend". Den Anfang macht T-Online auf Rang sechs. Nach den ersten beiden Einzelwertungen Ausstattung (2,48) und Cloud (2,31) steht T-Online noch "gut" da. Die 4,30 für schlechte Zusatzfunktionen zieht das Ergebnis etwas herunter. Schwerer wiegt allerdings auch hier das nicht erkannte Virus. Mit der halben Zusatz-Note rutscht T-Online auf eine 3,31.

Yahoo Alibaba
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Yahoo Mail trifft mit einer 3,01 fast genau die Mitte. Mit einer 1,74 in der wichtigsten Teilwertung, der Ausstattung des E-Mail-Kontos, legt Yahoo gut los. Die fehlende Cloud-Anbindung und nur "ausreichende" Zusatzfunktionen belasten das Ergebnis dann wieder. Da es keine nachträglichen Punktabzuge für Yahoo Mail gibt, kommt der E-Mail-Dienst auf Rang fünf.

So geht Oetjen davon aus, dass bis zu 80 Prozent aller Briefsendungen digitalisierbar sind. Der Post will man dabei Marktanteile wegnehmen. Schließlich beherrschen Deutsche Telekom mit "T-Online" und 1 & 1 mit "GMX" und "Web.de" zwei Drittel der deutschen E-Mail-Zugänge. Dass der Markt nicht leicht zu erobern ist, zeigen die Erfahrungen der Post mit ihrem E-Postbrief. Rund 200 000 dieser sicheren E-Mails sollen nach Angaben von Wettbewerbern pro Monat verschickt werden, viel weniger, als die Bonner vor zwei Jahren erwarteten.

Beide Systeme nehmen für sich in Anspruch, eine gesicherte elektronische Kommunikation zu ermöglichen, dennoch unterscheiden sie sich in einem Punkt gravierend: So funktioniert die De-Mail wie ein geschlossener Brief oder ein Einschreiben. Sender und Empfänger müssen sich vorher identifizieren und registrieren lassen - Grundvoraussetzung, dass Behörden oder Firmen vertrauliche Dokumente wie Gehaltsbescheide, Rechnungen oder Kontoauszüge überhaupt über das Internet verschicken können. Für jede codierte De-Mail gibt es eine Sende- und Empfangsbestätigung. Sie gelten rechtlich dann als zugestellt.

Das gilt auch für den E-Postbrief, dennoch erfüllt diese elektronische Variante nicht die gesetzlichen Anforderungen der deutschen Behörden. Zudem ist sie mit 55 Cent "Porto" deutlich teurer als die De-Mail, für die Firmenkunden im günstigsten Fall lediglich 20 Cent bezahlen müssen. Die Post wirbt mit anderen Vorzügen: So gebe es mehrere Zusatzfunktionen, auch kann der E-Postbrief für Empfänger ohne Internetanschluss ausgedruckt und traditionell zugestellt werden. Allerdings denkt auch die Post darüber nach, zum Ende des Jahres selbst einen De-Mail-Dienst anzubieten.

Es sind vor allem die geringeren Kosten, die die De-Mail für Firmen attraktiv machen soll. "Den 39 Cent für eine De-Mail stehen rund 70 Cent für einen Normalbrief gegenüber - Porto, Druck und Prozesskosten eingeschlossen", rechnet Oetjen vor. Das Einsparpotenzial für die Unternehmen sei damit immens.

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9 Kommentare zu "E-Postbrief De-Mail: Telekom greift Post zum Ifa-Start an"

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  • Ich benutze bereits die neuen dienste von Mentana Claimsoft, Deutschen Post und der Telekom. Langfristig werde mich aber für einen der Anbieter entscheiden, vorerst teste und beobachte ich die Portale bis diese etwas reifer werden. Ich bin begeistert. Sorgen um Datenschutz habe ich nicht! !!TRAUT EUCH!!

  • Wie verhält es sich eigentlich mit der Interaktion zwischen ePost und De Mail. Wird das Land zukünftig in ePost und De Mail gespalten?

  • Zuerst vorab: Die De-Mail existiert bei Mentana Claimsoft bereits seit einem halben Jahr - und dies sehr erfolgreich. Die Telekom zieht jetzt lediglich nach und UI wird auch noch kommen (die Post will sich auch zertifizieren lassen). Zu den allgemeinen Aussagen hier: Es stimmt schlichtweg nicht, dass De-Mail niemand wolle, denn dafür gibt es bereits viel zu viele, die den Dienst tagtäglich nutzen! bit.ly/Pzqrd4
    De-Mail ist vergleichbar mit dem Brief....nur das De-Mail viel preiswerter, schneller und sicherer ist, zusätzlich Ende-zu-Ende verschlüsselt werden kann (aber nicht muss!!) und vollständig in Prozesse integrierbar. Daher ist die Nachfrage so groß - jedoch natürlich: Immer, wenn neue und innovative Technologien auf den Markt kommen, benötigt die Verbreitung einige Zeit - und wenn jemand lieber zur Post geht und die Mehrkosten in Kauf nimmt so leben wir glücklicherweise in einem Land, wo es Alternativen gibt und nicht vorgeschrieben wird, was gemacht werden muss.

    Zum Thema "Staat kann ohne Aufwand mitlesen" --> Jein! In den technischen Richtlinien kann eindeutig nachvollzogen werden, dass dies werder vom Prozess - noch von der Technik her möglich ist (auf dem Stand der heutigen Technik, weil natürlich niemand weiß, wie schnell 4048 Bit RSA geknackt werden kann oder irgendwann auch mal andere Systeme). Aber ja: Wenn Gefahr für Personen, unser Land, ..... der Katalog ist klar spezifiziert, besteht, dann kann per richterlicher Anordnung passieren, dass Ermittlungsbehörden zugreifen dürfen - genau wie bei allen Freemail-Accounts, Handyprovidern, usw.....das ist normal und schützt uns alle.
    Jürgen Vogler, Produktmanager E-Business, Francotyp Postalia

  • ihr habt es nicht verstanden...denn durch die de mail kann der staat ENDLICH ohne grossen aufwand mitlesen...DAS ist der grund für den schmarrn

  • Aus Wikipedia:
    "Eine Vorratsspeicherung aller De-Mail-Briefwechsel (vergleiche § 100 TKG) schließt der Gesetzentwurf nicht normenklar aus.

    Kennung und Passwort zu einem De-Mail-Postfach sind auf Anforderung einer Strafverfolgungsbehörde, einer Polizeibehörde, des Bundesamts für Verfassungsschutz, des Bundesnachrichtendienstes oder des Militärischen Abschirmdienstes ohne richterliche Anordnung herauszugeben (§ 113 TKG). Die im De-Mail-Postfach liegenden Dokumente und Informationen sind damit keineswegs so geschützt wie Papierdokumente oder Briefe in der eigenen Wohnung. Das Recht zur Passwortabfrage besteht zwar bei allen E-Mail-Konten. Dort kann man sich aber mit anonymen Postfächern, multiplen Identitäten und ausländischen Konten vor Zugriffen schützen, was bei De-Mail nicht möglich ist."
    -------------
    Und dafür soll ich noch bezahlen?
    E-Mail plus 4048 Bit RSA Verschlüsselung bei vertraulichem Inhalt und gut ist. Daran beißen sich selbst Großrechner die Zähne aus...

  • Mein De-Mail Kommentar: Liebe Manager, Dauerblubberer und "Visionäre" - ihr probiert wieder und wieder dem Volk etwas zu verkaufen was es definitiv nicht WILL ! Jeder 12 jährige kann ganz klar belegen, dass dies kein Massenmarkt werden wird. Wer wird sicher WICHTIGE Dokumente in ein email-Postfach zustellen lassen ? Dann muß er sie sich doch wieder ausdrucken ! Was wenn der Computer abstürzt, oder ein Virus drauf ist. Wer ist so hirnrissig ? Außerdem werden das sowieso höchsten Computererfahrene machen, also könnt ihr alle Hausfrauen, 80% aller Rentner gleich mal ABZIEHEN. Ich weiß garnicht, warum ihr das überhaupt PROBIERT - das muß doch daneben gehen. Aber bitte, ich hab es ja mal vorhergesagt.

  • Ehe völlig nutzlos dieser E-Postbrief. Damit sollen Kosten und Empfangsrisiken für rechtswirksame Zustellungen von Behörden und Firmen auf Privatpersonen verlagert werden.
    Selbst schuld, wer sich diesen Humbug einrichtet....

    Niek Jan van Damme, ist sein Job, Zweckoptimismus zu verbreiten "der Schriftwechsel per Papier ist jedoch ein Auslaufmodell." ...
    So ein Bullshit. Die alten Visionen von "paperless office " sind tot. Die Papierbranche boomt nach wie vor und während die Briefkästen der Bürger von Werbedreck überquillen, verlangt die Telekom Extragebühren für die Rechnungszustellung auf Papier (die sollte möglichst ungelesen im elektronischen Briefkasten verbleiben, aber den Werbemüll soll man nach wie vor physisch in die Hand nehmen....)

    Hingegen ist die ganze Telekom ist ein Auslaufmodell.
    Die haben noch jede Menge Improvement Potential in Sachen Übertragungssicherheit, DSL-Netz-Standzeit, Spam Schutz Compliance und bei wettbewerbsfähigen Preisen.
    Ganz zu schweigen von Ihrer Unternehmensstrategie, Auslandsinvestments... sowie dem chronisch dümpelnden Aktienkurs
    .
    Das "Service Center" in Darmstadt ist eher ein Ignoranzverein, noch mit alten Postbeamten durchsetzt, die für ihre regelmäßige "Beförderung" kämpfen, statt Kundenbedürfnisse zu befriedigen und damit Loyalty zu builden...

    Wenn die Telekom "rechtzeitig zum IFA-Start" angreift, zittern bestimmt schon die Konkurrenten......

  • Der e-Postbrief hat schon vor einem halben Jahr "Konkurrenz" durch die De-Mail bekommen. Denn seit März bietet die FP-Tochter Mentana-Claimsoft den De-Mail Dienst seinen Kunden bereits an. Obwohl von Konkurrenz gar nicht gesprochen werden kann, denn der E-Postbrief ist kein rechtssicheres Mailverfahren. Er ist, im Gegensatz zur De-Mail, weder zum De-Mail Gesetz konform, noch ist eine Zertifizierung durch das BSI erfolgt.
    Jürgen Vogler, Produktmanager E-Business, Francotyp Postalia

  • Ich bin schon seit längerer Zeit Kunde bei E-Post. Was mich aber immer wieder ins staunen bringt ist die Unausgereiftheit des Systems. Da gibt es mehr Fehlermeldungen als Erfolgsnachrichten.
    Und dem Nutzen der Dienstleistung steht der dadurch entstehende erhöhte Aufwand entgegen.

    Es gibt immer noch keine gescheite Möglichkeit, E-Post-Adressen zu suchen. Eine automatische Umwandlung der analogen Adressen zu E-Post-Adressen wäre hier mal ein Anfang. Aber vielleicht liegen meine Erfahrungen auch einfach daran, dass keine Behörden und Unternehmen diesen Dienst nutzt.

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