Im Gespräch: Karl-Heinz Streibich „Auf einen Schlag“

Mit der Übernahme des französischen Anbieters Business Objects hat die Konsolidierungswelle in der Softwareindustrie auch Deutschland erfasst. Im Interview erklärt der Chef der Software AG, Karl-Heinz Streibich, warum Unternehmensgröße so wichtig ist - und was seine Firma von SAP unterscheidet.
  • Das Gespräch führte Michael Kroker
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Seit Oktober 2003 leitet Karl-Heinz Streibich die Geschicke der Software AG. Foto: dpa Quelle: dpa

Seit Oktober 2003 leitet Karl-Heinz Streibich die Geschicke der Software AG. Foto: dpa

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Die Konzentration in der Softwarebranche schreitet voran.IBM übernimmt das kanadische Softwarehaus Cognos, SAP den französischen Anbieter Business Objects. Wie lange kann die Software AG unabhängig bleiben?

Im Moment halten wir eine feindliche Übernahme für äußerst unwahrscheinlich. Die Software-AG-Stiftung hält rund 30 Prozent unserer Aktien, was für uns ein guter Schutz gegen ein feindliches Übernahmeangebot ist. Wir sind damit in der Lage, längerfristig zu denken als die meisten anderen Unternehmen. Die Konsolidierung unter den vier großen Softwareherstellern SAP, Oracle, Microsoft und IBM unterdrückt den Wettbewerb. Das ist nicht gut - weder für den einzelnen Kunden noch für die Wirtschaft als Ganzes.

Mit der im Frühjahr angekündigten Übernahme des US-Wettbewerbers WebMethods sind Sie bereits abgerückt von Ihrer bisherigen Strategie, vor allem organisch zu wachsen. Warum?

Durch die Übernahme haben wir mit einem Schlag unser Geschäft in den USA verdoppelt und sind die weltweite Nummer drei im Integrationsgeschäft, also bei Software, die wie Klebstoff unterschiedliche IT-Systeme miteinander verbindet.

Was bedeutet das für Ihr Geschäft?

Auf Dollar-Basis sind wir bereits 2008 Umsatz-Milliardär. Dadurch kommen wir auch in der Wahrnehmung beim Kunden in eine neue Größenordnung. Daher war die Übernahme auch so wichtig. Nur organisch wären wir nicht so schnell in diese Liga aufgestiegen, weil ein Unternehmen unserer Größe bestenfalls zehn Prozent pro Jahr wachsen kann.

Größe kann ja kein Mittel zum Selbstzweck sein. Warum ist sie für Sie so wichtig?

Größe bedeutet mehr Sichtbarkeit, und mehr Sichtbarkeit assoziiert immer auch mehr Sicherheit. Und genau darauf achten Kunden primär, wenn sie sich für einen Softwarelieferanten entscheiden. Gerade bei Investitionen in die IT-Infrastruktur geht es um die Sicherheit, dass ein Unternehmen auch in zehn Jahren noch am Markt ist. Diese langfristige Perspektive müssen Sie Kunden bieten, und dafür benötigen wir eine kritische Größe.

Müssen Sie vor dem Hintergrund der laufenden Konsolidierung Ihr Ziel, bis 2011 Umsatzmilliardär auf Euro-Basis zu werden, nicht schneller erreichen?

Nein, wir halten an der Vorgabe für 2011 fest. Hier sind zu viele Faktoren im Spiel, einschließlich des schwachen Dollar, um noch höhere Erwartungen zu wecken. Die USA sind unser größter Markt, unser in Euro ausgewiesener Umsatz hängt also stark von der Entwicklung des Dollar ab.

Sind wegen der veränderten Ausgangslage auch weitere Übernahmen in der Größenordnung von WebMethods denkbar?

Wir halten ständig Ausschau nach geeigneten Kandidaten für eine Übernahme. Aber in der Größenordnung von WebMethods? Wohl eher nicht in der unmittelbaren Zukunft. Doch unsere Branche ist sehr schnelllebig, und wir werden uns an der Konsolidierung weiter beteiligen. Man wird hier sicher noch von uns hören.

Wo könnten Sie sich Zukäufe vorstellen?

Das Segment der sogenannten Web-Services ist ein weites Feld, das noch viele Möglichkeiten bietet. Auf der anderen Seite sind wir ein Top-Player im Bereich Großrechnersoftware - auch da könnte ich mir vorstellen, dass wir uns nach Ergänzungen umsehen. Sinn ergäbe ferner auch eine größere Verstärkung im Bereich Professional Service, denn das sind die Leute, die die Projekte der Zukunft mitbringen.

Ähnlich wie SAP verkünden Sie seit geraumer Zeit steigende Margenziele und vergleichen die Software AG auch häufig mit dem großen Bruder aus Walldorf. Warum ist die SAP so ein Vorbild für Sie?

Die Software AG hat das Potenzial, im Geschäft mit der Integration von IT-Systemen Weltmarktführer zu werden. Dann wären wir in der IT-Infrastruktur das, was SAP bei Unternehmensanwendungen ist. Das wird zwar nicht über Nacht geschehen, aber in den nächsten zehn Jahren.

Früher war die Software AG eine graue Maus der IT-Branche. Neuerdings treten Sie aggressiver auf, etwa beim Vergleich mit SAP. Woher rührt das Selbstbewusstsein?

Wir verbessern uns von Quartal zu Quartal. Verglichen mit den schwierigen Zeiten, durch die das Unternehmen noch vor fünf Jahren ging, kann es sich heute Selbstbewusstsein schlicht und einfach erlauben.

Streibich, 54, ist seit Oktober 2003 Vorstandsvorsitzender der Software AG. Vor dem Wechsel zum zweitgrößten Softwareanbieter Deutschlands war er stellvertretender Chef von T-Systems und verantwortete zwischen 2000 und 2002 die Integration des IT-Dienstleisters Debis Systemhaus in die Servicesparte der Deutschen Telekom.

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