Im Gespräch: Karl-Heinz Streibich
„Auf einen Schlag“

Mit der Übernahme des französischen Anbieters Business Objects hat die Konsolidierungswelle in der Softwareindustrie auch Deutschland erfasst. Im Interview erklärt der Chef der Software AG, Karl-Heinz Streibich, warum Unternehmensgröße so wichtig ist - und was seine Firma von SAP unterscheidet.
  • 0

Die Konzentration in der Softwarebranche schreitet voran.IBM übernimmt das kanadische Softwarehaus Cognos, SAP den französischen Anbieter Business Objects. Wie lange kann die Software AG unabhängig bleiben?

Im Moment halten wir eine feindliche Übernahme für äußerst unwahrscheinlich. Die Software-AG-Stiftung hält rund 30 Prozent unserer Aktien, was für uns ein guter Schutz gegen ein feindliches Übernahmeangebot ist. Wir sind damit in der Lage, längerfristig zu denken als die meisten anderen Unternehmen. Die Konsolidierung unter den vier großen Softwareherstellern SAP, Oracle, Microsoft und IBM unterdrückt den Wettbewerb. Das ist nicht gut - weder für den einzelnen Kunden noch für die Wirtschaft als Ganzes.

Mit der im Frühjahr angekündigten Übernahme des US-Wettbewerbers WebMethods sind Sie bereits abgerückt von Ihrer bisherigen Strategie, vor allem organisch zu wachsen. Warum?

Durch die Übernahme haben wir mit einem Schlag unser Geschäft in den USA verdoppelt und sind die weltweite Nummer drei im Integrationsgeschäft, also bei Software, die wie Klebstoff unterschiedliche IT-Systeme miteinander verbindet.

Was bedeutet das für Ihr Geschäft?

Auf Dollar-Basis sind wir bereits 2008 Umsatz-Milliardär. Dadurch kommen wir auch in der Wahrnehmung beim Kunden in eine neue Größenordnung. Daher war die Übernahme auch so wichtig. Nur organisch wären wir nicht so schnell in diese Liga aufgestiegen, weil ein Unternehmen unserer Größe bestenfalls zehn Prozent pro Jahr wachsen kann.

Größe kann ja kein Mittel zum Selbstzweck sein. Warum ist sie für Sie so wichtig?

Größe bedeutet mehr Sichtbarkeit, und mehr Sichtbarkeit assoziiert immer auch mehr Sicherheit. Und genau darauf achten Kunden primär, wenn sie sich für einen Softwarelieferanten entscheiden. Gerade bei Investitionen in die IT-Infrastruktur geht es um die Sicherheit, dass ein Unternehmen auch in zehn Jahren noch am Markt ist. Diese langfristige Perspektive müssen Sie Kunden bieten, und dafür benötigen wir eine kritische Größe.

Müssen Sie vor dem Hintergrund der laufenden Konsolidierung Ihr Ziel, bis 2011 Umsatzmilliardär auf Euro-Basis zu werden, nicht schneller erreichen?

Nein, wir halten an der Vorgabe für 2011 fest. Hier sind zu viele Faktoren im Spiel, einschließlich des schwachen Dollar, um noch höhere Erwartungen zu wecken. Die USA sind unser größter Markt, unser in Euro ausgewiesener Umsatz hängt also stark von der Entwicklung des Dollar ab.

Seite 1:

„Auf einen Schlag“

Seite 2:

Kommentare zu " Im Gespräch: Karl-Heinz Streibich: „Auf einen Schlag“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%