„Imagine Cup 2006“
Software für Barrierefreiheit

Hohe Bordsteine, schlechte Straßen, viele Treppen - Indien ist für Rollstuhlfahrer eine echte Herausforderung. Aber auch in Deutschland muss man unter Umständen eine gute Ortskenntnis haben, um Barrieren wie Treppen, hohe Bordsteinkanten oder zu steile Anstiege als Rollstuhlfahrer meiden zu können.

dpa NEU-DELHI. Vier Studenten aus Hamburg haben eine Software entwickelt, mit der man die Zugänglichkeit von Wegen für Rollstuhlfahrer, aber zum Beispiel auch für Eltern mit Kinderwagen erfassen lässt. In Neu-Delhi sind sie als beste deutsche Gruppe im Finale des Hightech-Wettbewerbs „Imagine Cup 2006“ des US-Konzerns Microsoft im Bereich „Software Design“.

Unter dem Motto „Gesünder leben“ treten die Studentengruppen aus der ganzen Welt gegeneinander an und präsentieren ihre Softwareideen zu dem Thema. 65 000 Studenten hatten sich nach Angaben von Microsoft weltweit um den Preis beworben. Während die brasilianische Gruppe Blinde mit einem vibrierendem Armband durch Städte lotsen will und die chinesischen Studenten mit einem Videospiel zu mehr Fitness animieren wollen, standen für die Informatikstudenten von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg der praktische Nutzen und die Realisierbarkeit im Vordergrund. „Rollstuhlfahrer sollen zugängliche Wege per GPS selbst erfassen“, sagt Mark Thomé. Ist die Software Trailblazers auf dem Handy oder Taschencomputer installiert, zeichnet sie die Wege auf, die Rollstuhlfahrer und andere Personengruppen häufig nutzen.

Die Daten werden gespeichert und stehen dann anderen zur Verfügung. So können Routen, ähnlich wie bei einem Navigationssystem im Auto, unterwegs abgerufen werden. Zudem kann jeder Zusatzinformationen wie Fotos von Hindernissen hinterlegen. Je mehr mobilitätseingeschränkte Menschen einen Weg nutzten, desto sicher könne das System sein, dass es sich um einen barrierefreien Weg handele, sagt Thomé. Zusätzlich sei denkbar, dass autorisierte Anwender ihnen bekannte Wege als barrierefrei deklarierten.

Ende Juni hatten die Informatik-Studenten die Gelegenheit, ihre Software Microsoft-Gründer Bill Gates vorzuführen. Gates zeigte sich begeistert von der Idee. Nur die Microsoft-unabhängige Jury in Indien konnten die Deutschen von ihrer Idee nicht überzeugen. Die Deutschen schieden im „Halbfinale“ des Wettbewerbs aus und wurden siebte. Nicht nur beim Fußball, auch beim diesjährigen Imagine Cup fahren stattdessen die Italiener als Gewinner nach Hause. Sie haben eine Software zur Diagnose von Panikattacken entwickelt.

Die vier Hamburger lassen sich aber von ihrem Abschneiden beim Wettbewerb nicht verunsichern. „Wir wollen die Software auf den Markt bringen und sprechen bereits mit Unternehmen“, sagt Thomé. Sie stehen kurz vor dem Ende ihres Studiums und wollen sich danach um die Vermarktung und Weiterentwicklung ihres Programms kümmern. Microsoft wird sie dabei unterstützen, denn ganz mit leeren Händen fahren die Studenten nicht nach Hause: Microsoft hat die Deutschen neben fünf weiteren Gruppen in ein Förderprogramm aufgenommen. Dort erhalten sie Unterstützung für die Gründung eines Unternehmens und werden professionell beraten.

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