In den USA zulässig
Werbespione im Netz in Deutschland verboten

Ein altes Problem der Werbetreibenden sind die Streuverluste: Man schaltet eine Anzeige für Schonkaffee oder Schokoriegel, doch zahllose der damit erreichten Verbraucher trinken nur Tee oder verachten Süßes. Das Internet bietet hier schon neue Möglichkeiten: Wer „Skiurlaub“ in seine Suchmaschine eintippt, bekommt neben der Trefferliste Anzeigen über Wintersport, Wellness und Super-Skipasspauschalen eingeblendet.

lg KARLSRUHE. Noch ausgeklügelter ist ein System, das aus den USA stammt: Die Firma Claria bietet ihren Kunden eine Möglichkeit, ihre Werbung sozusagen direkt auf der Website der Konkurrenz zu platzieren – und hat sich damit in Deutschland erst einmal eine einstweilige Verfügung eingehandelt.

Technisch funktioniert das ungefähr so: Claria vertreibt kleine, nützliche Programme wie etwa einen Passwortmerker, eine Atomuhr oder einen Datenmanager, die der Kunde entweder kaufen oder unentgeltlich beziehen kann. Wer allerdings von dem kostenlosen Angebot Gebrauch machen will, muss zugleich ein „Spyprogramm“ herunterladen – das ihn fortan sozusagen beim Surfen beobachtet. Das Programm sucht die jeweils besuchte Seite nach bestimmten Begriffen ab, um dem Nutzer dann die dazu passende Reklame der Claria-Werbekunden auf den Bildschirm zu spielen – im Zweifel also die Werbung der Konkurrenz. Besucht der User beispielsweise die Homepage einer Hotelkette, dann springt ein Pop-Up-Fenster auf und preist die Unterkunft eines Wettbewerbers an, falls dieser einen Werbevertrag mit Claria hat. Zweite Möglichkeit: Die Website des Konkurrenten erscheint als Pop-Under und bleibt zunächst im Hintergrund, bis der Nutzer die darüberliegende Seite schließt.

Das Programm kann also Eltern auf der Suche nach Babynahrung, Urlaubsbedürftige beim Sichten von Pauschalangeboten oder Autokäufer bei der Online-Fahndung nach dem günstigsten Kombi identifizieren. In den USA wird dies juristisch offenbar als wenig problematisch angesehen. Dort hat der freie Entschluss des Verbrauchers, sich solcher Werbung auszusetzen, großes Gewicht. In Deutschland dagegen könnte dies wettbewerbsrechtlich problematisch sein. Die Kölner Kanzlei Linklaters, Oppenhoff & Rädler hat jüngst zu Gunsten des Autovermieters Hertz beim Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung gegen Claria erwirkt – soweit ersichtlich, ist dies die erste Entscheidung zu diesem Thema.

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