Indie-Games
Angriff auf die herrschende Klasse

Ohne Publisher im Rücken konnte früher kein Spiel zum Erfolg werden. Seit einigen Jahren bringen aber immer mehr unabhängige Entwickler ihre Games selbst heraus - das Internet und Spieleplattformen machen es möglich.
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KölnZwischen den auf Hochglanz polierten Ständen der großen Publisher fällt die aus Sperrholz gezimmerte Indie Arena auf der Spielemesse Gamescom kaum auf. Keine Hostessen, keine Showeinlagen, keine laute Musik. Doch die dort präsentierten Spiele sind mindestens genauso spannend wie die Blockbuster.

Der Unterschied: Was hier ausgestellt wird, kommt von kleinen Studios, manchmal sogar nur von einem einzelnen Programmierer – für Werbung fehlt das Geld. Die Hälfte der zwölf Aussteller aus Deutschland entwickelt ihre Spiele auf eigene Faust im Nebenerwerb.

Für Oliver Eberlei macht gerade das den Reiz der Indie-Szene aus. „Es gibt einen guten Kontrast zu den Großen“, sagt der Spieleentwickler und Organisator des Messestandes. „Die kleinen Teams probieren mehr aus, die wollen etwas Neues machen.“

Und die Ideen unterscheiden sich tatsächlich von den Blockbustertiteln der Großen. Am Stand sieht man etwa das 3D-Geschicklichkeitsspiel „Mercury Shift“, den Zombie-Shooter „Splatter“ oder den Weltraumflugsimulator „Darkfield VR“, der versucht, im Spiel realistische Physikeffekte umzusetzen. Und auch ohne Publisher schaffen es die Entwickler, ihre Spiele weltweit verfügbar zu machen, noch vor einigen Jahren eine Unmöglichkeit.

Denn früher führte der Weg zum Spieler zwangsläufig über Händler-Regale und den Publisher. Der übernahm im Idealfall Finanzierung, Produktion und Marketing, hatte dafür aber auch großen Einfluss auf das entstehende Spiel. Genau wie viele Roman-Ideen schon am Lektor scheitern, schafften es auch viele etwas abseitige Spiele-Konzepte nicht durch die Vorauswahl der Publisher.

Doch heute ist die Zusammenarbeit mit Publishern nur noch einer von vielen Wegen, sein Game an den Mann zu bringen. Dadurch, dass Spiele nun auch per Crowdfunding von vielen Interessenten finanziert werden können und über Spiele-Plattformen wie Steam oder App-Stores im Internet weltweit verfügbar sind, haben sich ganz neue Möglichkeiten ergeben.

„Das ist die große Revolution, dass man jetzt in der Lage ist, die Spiele selbst herauszubringen“, sagt André Bernhardt. Er hat selber lange für Publisher gearbeitet und berät nun Indie-Studios.

Die neuen Produktions- und Verbreitungswege bieten nicht nur den Entwicklern Vorteile. „Als Spieler habe ich viel mehr Vielfalt“, sagt Bernhardt. „Es gibt viel mehr Ideen und Konzepte.“

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Die Demokratisierung der Dinge

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