Informationstechnologie
Cybercrime lähmt die Wirtschaft

Die Cebit zeigt: Die Experten tun sich immer schwerer mit Antworten auf die explodierende Zahl von Angriffen auf Computer. Gefahr droht Unternehmen nicht nur von Hackern und Spionageprogrammen, sondern auch von unzufriedenen Mitarbeitern.

HANNOVER. Die Angriffe auf Computer und Netzwerke werden zu einer ernsten Belastung für die Wirtschaft. Alleine im vergangenen Jahr wurde so viel Schadsoftware (Malware) registriert, wie in den zurückliegenden fünf Jahren zusammen. „Das ist ein Plus von 500 Prozent in einem Jahr. Und für dieses Jahr erwarten wir eine Zunahme in der gleichen Höhe“, sagte David Quantrell, Europachef des Sicherheits-Experten McAfee, im Gespräch im dem Handelsblatt.

Über zwei Millionen dieser Viren, Würmer und Trojaner haben die McAfee-Spezialisten im vergangenen Jahr gezählt. Damit werden die kriminellen Attacken über das weltumspannende Computernetz zu einem nur noch schwer zu kontrollierenden Problem. Das zeigt sich in diesem Jahr auf der Cebit so deutlich wie selten zuvor.

„Das Internet, so wie es heute ist, wird niemals sicher sein“, sagt Eugene Kaspersky, Mitgründer und Chef des auf Sicherheits-Software spezialisierten Unternehmens Kaspersky. Und er erneuert bei dieser Gelegenheit seine Forderung nach einer stärkeren Regulierung des weltweiten Netzes. „Ohne eine staatliche Regulierung ist Cyber-Kriminalität nicht mehr zu stoppen“, sagt der Sicherheitsspezialist.

Allerdings erntet Kaspersky mit solchen Aussagen wenig Unterstützung bei seinen Mitstreitern der Branche. „Das ist für mich kein Weg“, kontert etwa Quantrell von McAfee. Die Aussage von Kaspersky zeigt am Ende, wie hilflos die Sicherheitsexperten der Internet-Kriminalität gegenüberstehen.

Die erschreckende Entwicklung wird damit zu einem Bremsklotz für künftiges Wachstum. Denn das Internet ist aus dem Wirtschaftskreislauf nicht mehr wegzudenken. Längst geht es nicht mehr nur darum, dass Bücher, CDs oder andere Waren über das Netz bestellt werden. Auch die Unternehmen arbeiten mit ihren Partnern und Zulieferbetrieben eng über das Netz zusammen. Die Gefahr, dass hier sensible Daten abhandenkommen oder gar gestohlen werden, ist deutlich gewachsen.

„Die Unternehmen tun heute immer noch viel zu wenig, um sich vor Angriffen zu schützen“, warnt Wolfgang Straßer, der Geschäftsführer der auf Produktionssicherheit spezialisierten IT-Dienstleisters @-yet GmbH. Nicht zuletzt die wachsende Verbreitung von Software-Werkzeugen zur besseren Teamarbeit biete hier große Angriffsflächen. Hinzu kommt eine ganz andere, eine neue Gefahr, verursacht durch die aktuelle Krise: „Die Zahl der unzufriedenen Mitarbeiter, die vielleicht ihren Job verloren haben oder ihn verlieren werden, wächst. Das ist ein unterschätztes Risikopotenzial“, sagt Quantrell von McAfee. Denn immer noch sei der Mensch der größte Schwachpunkt in der gesamten Sicherheitskette.

Wie viel Umsatz der weltweiten Wirtschaft durch Datendiebstahl oder Angriffe aus dem Netz letztlich entgeht, darüber gibt es keine wirklich verlässlichen Zahlen. „Es geht aber um ein Billionen-Dollar-Business“, sagt Quantrell.

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