Informationstechnologie
Die ersten CIOs müssen ihren Hut nehmen

Seit auf allen Büroschreibtischen PCs stehen und die Computertechnik die Betriebe erobert hat - von Buchhaltung und Personalwirtschaft über Einkauf und Vertrieb bis hin zu den Produktionshallen -, sind IT-Manager immer wichtiger geworden. Mit der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung der Geschäftsprozesse emanzipierte sich die Informationstechnologie von der Rolle des bloßen Erfüllungsgehilfen. Immer mehr setzte sich im Topmanagement der Unternehmen die Erkenntnis durch: Wer bei der IT schläft, behält seine Kosten nicht im Griff und fällt im Wettbewerb zurück.

Die IT-Spezialisten, lange Zeit als Rechenknechte verspottet, starteten durch. Der Chief Information Officer, CIO, möglichst im Vorstandsrang, wurde geboren. Er sollte sich fortan um die strategische Ausrichtung der IT kümmern. Tatsächlich sind die Unternehmen heute abhängiger von IT denn je. Komplexe Produktionsprozesse wie in der chemischen oder der Automobilindustrie sind über die gesamte Lieferkette eng miteinander verzahnt. Für Finanz- und Luftfahrtkonzerne ist eine effiziente Informationstechnologie zentrales Wettbewerbskriterium. Für Direktbanken entscheidet die IT über Sein oder Nichtsein.

Die Kehrseite der Medaille: Bald waren die Vorstände ihren Technikern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Denn IT ist für viele eine Black Box. Das Controlling ist schwierig, Investitionspläne kann der Laie kaum beurteilen. Dafür sorgen die IT-Manager vielfach selbst: Vor allem wegen ihres Fachkauderwelschs blickt kaum ein Außenstehender durch. So werteten die CIOs ihr technisches Know-how zum Herrschaftswissen auf.

Große Summen verpulvert

Vorstand oder Geschäftsführer mussten meist achselzuckend zustimmen, wenn der IT-Chef noch mehr Geld für den Kauf einer angeblich wichtigen Zukunftstechnologie forderte, egal, ob die E-Business, Customer Relationship Management oder Enterprise Application Integration hieß. Die Unternehmen verpulverten große Summen für ehrgeizige Technologieprojekte. "Viele IT-Projekte wurden ohne Sinn und Verstand ins Leben gerufen“, sagt Ralf Meyer von Nicetec, einem auf Programme zur IT-Kostenkontrolle spezialisierten Softwarehaus aus Osnabrück. „Man hat in Technologie investiert, aber oft nicht nachgedacht, ob sich das jemals rechnet.“

Durch die anhaltende Wirtschaftsflaute hat sich dieser Trend aber beinahe ins Gegenteil gewendet: Wegen des gestiegenen Kostenbewusstseins müssen die CIOs heute mit deutlich weniger Geld auskommen als während der Boomphase. Überdies hat die Krise viele Fehler und Versäumnisse der heimlichen Herrscher in den Unternehmen gnadenlos aufgedeckt. Jetzt müssen die ersten CIOs gehen.

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