Informationstechnologie
„IT-Gipfel“: Merkel will mehr Innovationsfreude

Die Bundesregierung will Deutschland in der Informationstechnologie (IT) auf dem Weltmarkt besser positionieren und gezielter in Zukunftsprojekte investieren.

dpa POTSDAM. Die Bundesregierung will Deutschland in der Informationstechnologie (IT) auf dem Weltmarkt besser positionieren und gezielter in Zukunftsprojekte investieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte auf dem „ersten nationalen IT-Gipfel“ am Montag in Potsdam, die bis 2009 zusätzlich geplanten sechs Mrd. Euro des Bundes für Forschung und Entwicklung strategisch vernünftig auszugeben und nicht mit der Gießkanne zu verteilen.

Zugleich sprach sich Merkel dafür aus, die klassischen Industrien stärker mit der IT-Branche zu vernetzen und in der Gesellschaft eine „Freudigkeit an Innovationen“ zu wecken. Der „IT-Gipfel“ sei dazu ein Startschuss. Die Teilnehmer der hochkarätig besetzten High-Tech-Runde sprachen sich in ihrer Abschlusserklärung für mehr Mut zu visionären Projekten aus. Deutschland müsse eine Aufholjagd starten und sich auf seine Stärken konzentrieren. Zugleich prangerte die Wirtschaft den Fachkräftemangel an und mahnte eine Öffnung des Arbeitsmarktes für gut ausgebildete Ausländer sowie eine bessere Schulbildung an. Der Branche fehlen nach eigenen Angaben bis zu 12 000 Experten.

Merkel hatte den „IT-Gipfel“ Anfang März angekündigt. Neben der Kanzlerin und Bundesministern waren Vorstandschef der Software-, Internet- und Telekommunikationsbranche in das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam gekommen, das nach dem Mitbegründer des Software-Konzern SAP benannt ist. In einem Jahr will Merkel Bilanz des Gipfels ziehen: „Wir prüfen nach. Sie bleiben unter Beobachtung.“

Vor dem „IT-Gipfel“ hatte die Kanzlerin gefordert, „Made in Germany“ müsse wieder ein Gütesiegel auch für IT-Produkte werden. „Die Revolution der Informations- und Kommunikationstechnologie ist noch längst nicht an ihrem Ende.“ Deutschland müsse stärker daran teilhaben, damit zukunftsfähige Arbeitsplätze entstehen. Zudem müssten die rechtlichen Bedingungen „stimmig“ sein.

Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte, ein High-Tech-Standort Deutschland sei Schlüssel zu Wachstum und Arbeitsplätzen. Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) forderte, dass „die Segnungen der IT für eine erfolgreichere Verwaltung“ genutzt werden sollen. Bis 2012 sollten Wirtschaft und Verwaltung nur noch elektronisch miteinander kommunizieren. Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte kündigte eine neuartige Suchmaschine für das Internet mit Namen „Theseus“ an. Deutschland werde diese allein entwickeln.

Mit einem Anteil von 6,2 Prozent am Bruttoinlandsprodukt bewegt sich die IT-Branche nach Merkels Angaben auf dem Niveau der Auto- und Chemieindustrie, die die „klassischen Stärken“ der deutschen Wirtschaft seien. Diese müssten miteinander vernetzt werden. „Ohne die IT-Branche werden die klassischen Stärken der Bundesrepublik Deutschland keine Stärken bleiben, sondern sie werden zurückfallen.“

Deutschland sollte sich auf Projekte konzentrieren, in denen es seine Stärken habe. „Ich bin sehr für Optimismus, aber realistische Einschätzungen, wo wir stehen, helfen einem auch weiter“, sagte Merkel. Die Zeiten, als der erste Computer noch aus Deutschland kam, seien „ein wenig vorbei“. Bei der Gesundheitskarte aber würden eine gute deutsche Ausgangsposition und eine Wachstumsbranche miteinander verknüpft. Hier sollte Deutschland wieder Standards setzen.

Informations-, Kommunikations- und Telekommunikationstechnologien sind mit einem Umsatz von rund 146 Mrd. Euro und 750 000 Beschäftigten eine der größten Branchen bundesweit. Unternehmen klagen seit langem über den Fachkräftemangel. Sie fordern neben einem gelockerten Kündigungsschutz auch ein neues Zuwanderungsrecht. Zudem verlangt die Wirtschaft praxisnähere Studiengänge sowie eine bessere Schulbildung. SAP-Mitbegründer Plattner sagte, die Ausbildung sei gut, doch es würden zu wenige junge Menschen für die Branche begeistert. „Ich wünsche, dass der Gipfel ein Zeichen gibt, dass wir in Deutschland nicht kampflos das digitale Feld räumen.“

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