Infrastrukturtechnik
Kein Hype mehr um offene Software

Der große Hype um "Open Source" scheint vorbei, und die entsprechenden Stände auf den IT-Messen werden wieder kleiner. Das heißt aber nicht, dass Software, deren Quellcode offen gelegt ist, weniger häufig eingesetzt wird. Ganz im Gegenteil.

DÜSSELDORF. "Open Source ist inzwischen eine ganz gewöhnliche Infrastrukturtechnik geworden, über die man nicht mehr spricht", so Johannes Loxen, Geschäftsführer von Sernet, einem Unternehmen, das sich auf die Beratung in Sicherheitsfragen im Open-Source-Umfeld spezialisiert hat. Nach der ersten Euphorie trenne sich jetzt der Spreu vom Weizen bei den Open-Source-Angeboten.

"Insgesamt haben die IT-Abteilungen mit Open Source eine Baustelle mehr, sie gewinnen aber auch Freiheitsgrade", so Loxen. IT-Verantwortliche müssten nicht lange mit dem Einkauf verhandeln, ob neue Lizenzen beschafft werden, sondern können sich die Programme aus dem Internet laden. Der Wegfall von Beschaffungskosten hat aber auch seine Schattenseiten, wenn Manpower dadurch gebunden wird, dass jede Pseudo-Innovation bei Software mitgenommen wird, weil die Anschaffung selber nichts kostet. "Das kann zu einer unübersichtlichen Softwarelandschaft führen, die dann letztendlich schwer zu verwalten ist", warnt Loxen.

Bei Open-Source-Produkten zeichnet sich ab, dass sich für einzelne Anwendungsfelder immer nur ein Produkt durchsetzen kann. Dies sind derzeit in den klassischen Bereichen des Internet neben dem Web-Server Apache die Internet-Zugangssoftware Firefox. Bei Anwendungssoftware wird eine ähnliche Entwicklung sichtbar. Im Bereich Kundenpflege hat sich SugarCRM behaupten können. "Der Support ist brauchbar, da er von einem Unternehmen und nicht nur von der Entwickler-Community getragen wird", so Dennis Mrska, Open-Source-Experte bei Techconsult. Die Software Compiere beginnt, im ERP-Umfeld (Enterprise Resource Planning) Fuß zu fassen. "Und Alfresco hat im Bereich Dokumentenmanagement Potenzial, kann jedoch noch nicht alle notwendigen Schnittstellen für den Unternehmenseinsatz bedienen und skaliert nicht gut genug", so Mrska.

"Die Anforderung an das Know-how sind bei einer Open-Source-Lösung mit Sicherheit höher als bei herkömmlichen Lösungen", sagt Dennis Mrska. Viele Mitarbeiter in IT-Abteilungen können zwar Systeme installieren, haben aber nie oder schon lange nicht mehr selbst programmiert. "Beim Einsatz von Open-Source sollte man Quellcode erstellen und sich damit auseinander setzen können", so Mrska. Bei vielen Anwendern beginne sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass für die Durchführung von Open-Source-Projekten das vorhandene Know-how häufig nicht ausreicht. "Vor zwei Jahren waren noch die meisten der Meinung, dass sie das gut selber stemmen können, heute greifen sie eher auf Dienstleister zurück", so Mrska. Damit sei aber die Unabhängigkeit, die sich manche Unternehmen durch den Einsatz von quelloffener Software erkaufen wollen, schon wieder gefährdet: "Wenn man bei Projekten einen Systempartner braucht, gerät man in neue Abhängigkeiten", sagt der Techconsult-Berater.

Deshalb ist eine der entscheidenden Anforderungen an das Management zum einen die Entscheidung, ob das Know-how im eigenen Haus aufgebaut werden soll oder ob man sich auf Partner verlässt. Entscheidet sich ein Unternehmen aus strategischen Gründen für quellenoffene Lösungen, rät Mrska zum Aufbau des Know-how im eigenen Haus. Der Einsatz eines externen Partner sei dann sinnvoll, wenn es darum gehe, die Kostenkontrolle zu verbessern und Einsparpotenziale zu erschließen, so Mrska. "Es ist eine Frage des Einkaufs, hier den richtigen Partner zu finden", so Johannes Loxen. Für den reinen Know-how-Transfer könne man auf Selbständige oder Einzelkämpfer setzen, dann sei aber der dauerhafte Support nicht gesichert. Neben Referenzen ist zum Beispiel im Linux-Umfeld die Mitgliedschaft in Partnernetzen von Novell und Redhat Pflicht, wenn der Kunde die Enterprise-Produkte dieser Unternehmen im Einsatz hat. "Da muss man Mitglied sein, um Zugriff auf schnellen Support zu haben", so Loxen. Bei Selbständigen biete die Zertifizierung LPIC-2 des Linux Professional Institute eine gewisse Professionalität. "Das sagt aber nur etwas über die technischen Qualifikationen und nichts über ein tragfähiges Geschäftsmodell eines potentiellen Partners aus", so Loxen.

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